Der Gang Jesu über das Wasser
Predigt 19. Sonntag im Jahreskreis, 9.8.2026
Perikopen: Röm 9,1-5 Mt 14,22-33
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Der Gang Jesu über das Wasser. Auch ein interessantes Evangelium. Aber wie das Ganze verstehen? Wie lässt es sich erklären. Drei Gedanken dazu.
Erstens: Physikalisch erklären. Das bekannte Wissenschaftskabarett Science Busters hat einmal einen Beitrag zum „Über das Wasser gehen“ gebracht. Ob das überhaupt physikalisch gesehen möglich ist, was im Evangelium von Jesus. Geht das überhaupt. Das wissenschaftliche Ergebnis dazu: Wenn der Mensch mit einer Geschwindigkeit von 108 km/h das sind 40 m/Sekunde über das Wasser liefe, dann wäre der Gegenaufprall so hoch, dass er beim ersten Schritt nicht einsinken würde. Jedoch breche er sich dabei die Knochen, denn der Aufprall auf der Wasseroberfläche fühlte sich bei diesem Tempo an wie auf Beton. Die Spitzengeschwindigkeit des schnellsten Sprinters auf der Welt beträgt aktuell 44 km/h also nicht einmal die Hälfte der erforderlichen Schnelligkeit. War Jesus ein Sprinter doppelt so schnell wie die Weltmeister und war Petrus einfach zu langsam? Ich denke, hier merken wir, dass die physikalische Deutung dieser Erzählung nichts bringt, bei aller Mühe, welche die Physiker mit ihren Rechnungen zum Nachweis ihrer Möglichkeit aufgebracht haben. Science Busters wollen ja die Unhaltbarkeit von Glaubenserzählungen im Licht der Wissenschaft unters Volk bringen. Wenn wir die Erzählung nicht als physikalisches Märchen hinnehmen wollen, müssen wir sie von einem anderen Blickwinkel angehen.
Zweitens: Jesus war kein Sprinter. Er bleibt bei den Untergehenden stehen Aus keiner Evangelienstelle können wir folgern, dass er überhaupt einmal gelaufen ist. Jesus hatte es nicht eilig, er hatte im Gegenteil Zeit für alle, die er traf am Weg, für ihre Nöte und Sorgen, er hatte Zeit das Brot zu vermehren, was wir letzten Sonntag bedacht haben, er hatte auch Zeit für den Petrus und seine Nöte. Was hat Petrus mit Jesus erlebt, was schließlich in eine solche Erzählung verpackt werden konnte? Es geht um den Untergang des Petrus, des Anführers der Christen. Der Fels der Kirche geht unter Es steht da im Evangelium: „Er begann unterzugehen und bekam Angst und schrie: Herr, rette mich.“ Worin der Untergang genau bestand, erfahren wir nicht. Menschen erleben ihren Untergang, wenn sie zum Beispiel eine schlimme medizinische Diagnose erhalten, wenn eine wichtige Beziehung zerbricht, wenn sie Feindschaft erleben, mit der sie nicht gerechnet, wenn ihnen eine Schuld bewusst wird, die sie auf sich geladen haben oder wenn das Leben unweigerlich zu Ende geht. Wenn etwas übermächtig wird im Leben, dem man nicht mehr Herr wird, dann ist das wie ein Untergang, es macht Angst. Das kennen wir alle. Der Mensch kann ihn dieser Angst verweilen, sich lähmen lassen oder eine Zeit lang verdrängen oder er kann wie Petrus beten: „Herr, rette mich.“
Drittens: Sich dem rettenden Gott anvertrauen. Das Gebet des Petrus ist ein Angebot für Christen in der Situation des Untergangs zu allen Zeiten, wenn man denn will. Es ist ein Angebot, sich an Jesus zu halten. Nicht den Gegenwind anzustarren: „Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst und er begann unterzugehen.“ Im Untergang streckt Jesus uns seine Hand entgegen und auch Petrus ergreift sie. Das ist das Angebot des Glaubens: nicht dass keine Stürme auftreten im Leben der Christen, keine Untergänge drohen, sondern dass wir in den Stürmen und Winden, die uns den Untergang vor Augen stellen, die entgegengestreckte Hand Jesu sehen und ergreifen, dass wir im Vertrauen zu ihm rufen so oft es uns danach ist: „Herr, rette mich.“ Die Hand ist da. Man muss nach ihr greifen wollen. Petrus kannte von Jugend auf die Worte des Psalms 69: „Rette mich Gott, denn das Wasser geht mir bis zum Hals. Ich bin versunken im Schlamm des Abgrunds und habe keinen Halt mehr. In Wassertiefen bin ich geraten. Die Flut reißt mich fort. Entreiße mich dem Sumpf, damit ich nicht versinke, damit ich meinen Hassern entkomme, den Tiefen des Wassers und mich nicht verschlingt der Abgrund.“ Hier wird also das Erleben einer Feindschaft als Untergang gedeutet und in Bildern des Wassers ausgedrückt. Vielleicht ist dies auch der Hinweis auf Petrus selber, dass er in eine Verfolgungssituation geraten ist: Hasser werden genannt und aus dieser Not bittet er um die Rettung durch Jesus, der der einzige ist, der auch über die Wasser der Feindschaft gegangen ist gestützt auf den auf den Balken seines heiligen Kreuzes, durch den er die Welt erlöst hat. Liebe Brüder und Schwestern! Jesus kann ganz andere Dinge als wir Menschen. Das sind seine Wunder, dass er eben viel mehr kann, als wir Menschen. Sein Gang über das Wasser ist nicht physikalisch zu deuten. Er war kein Sprinter. Nein, er ist stehen geblieben bei den Menschen, die dem Untergang geweiht waren und hat ihnen gesagt: „Habt Mut, habt Vertrauen, ich bin es fürchtet euch nicht.“ Diesem Gott lohnt es sich immer wieder anzuvertrauen. Die Worte des Petrus dürfen uns ein Sturmgebet und Herzensgebt werden: „Herr, rette mich!“ Und wo diese Bitte wirklich aus dem Herzen kommt, wo ich mir wirklich sicher bin der Rettung zu bedürfen, da wird der Herr das Vertrauen sicher nicht enttäuschen. Amen.
