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So. 01.10.23

Gleichnisse

Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Die Gleichnisse, die Jesus erzählt, sind zum Nachdenken und zum Umsetzen da. Heute geht es um Klarheit und Entschiedenheit.

Predigt 26. Sonntag im Jahreskreis, 1.10.2023

Perikopen: Ez 18,15-28            Mt 21,28-32

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Auch das heutige Gleichnis von den beiden Söhnen möchte uns wieder Nachdenken lassen, was wichtig ist, dass unsere Welt immer mehr zum Reich Gottes werden kann. Was ist hier wichtig? Was dürfen wir bedenken?

 

Erstens: Es geht um Klarheit und Entschiedenheit. Ein Klares Ja, oder klares Nein. Ein Klares Bekenntnis und klare Tat. Freilich ist es besser, wenn man draufkommt, dass aus einem falschen Nein, wie es der erste Sohn sagt, doch noch ein Ja wird, aber wir dürfen doch an ein deutliches Wort aus der Bergpredigt des Herrn denken: „Euer Ja, sei ein Ja, und euer Nein ein, alles andere stammt vom Bösen.“ Ja und Nein sind entscheidende Wörter, im wahrsten Sinn des Wortes. Prinzipiell sollen wir Menschen des Ja-Wortes sein, weil dieses Wort ermöglicht, Zugänge und Perspektiven schafft. Wir leben vom Ja und nicht vom Nein. Trotzdem müssen wir auch lernen Nein zu sagen, zu Dingen, Meinungen und Sachverhalten, die uns schaden. Es geht um unsere Entschlossenheit und um klare Ansagen, die heute in vielen Bereichen oft fehlt. Man ist unentschlossen, man sagt „Jein“, man schlängelt sich durch. Von Eugen Roth, ich mag seine Gedichte und Sinnsprüche, gibt es ein kurzes Gedicht zur Unentschlossenheit. Es lautet: Ein Mensch ist ernstlich zu beklagen, Der nie die Kraft hat, nein zu sagen, Obwohl er's weiß, bei sich ganz still: Er will nicht, was man von ihm will! Nur, dass er Aufschub noch erreicht, Sagt er, er wolle sehn, vielleicht... Gemahnt, nach zweifelsbittern Wochen, Dass er's doch halb und halb versprochen, Verspricht er's, statt es abzuschütteln, Aus lauter Feigheit zu zwei Dritteln, Um endlich, ausweglos gestellt, Als ein zur Unzeit tapfrer Held. In Wut und Grobheit sich zu steigern Und das Versprochne zu verweigern. Der Mensch gilt bald bei jedermann Als hinterlistiger Grobian - Und ist im Grund doch nur zu weich, Um nein zu sagen - aber gleich.

 

Zweitens: Es geht um die Stimmigkeit des Lebens. Wort und Tat beider Söhne, sind nicht stimmig, auch, wenn der erste Sohn besser wegkommt, weil ihn sein Verhalten reut. Was zählt ist dann doch die gute Tat und nicht das Lippenbekenntnis. Stimmigkeit, ein wichtiges und schwieriges Thema zugleich. Ganz stimmig ist uns Leben nie. Manchmal sind wir hin und hergerissen. Manchmal schaffen wir nicht, was wir eigentlich möchten, oder bringen das nicht zusammen, was wir selber von den anderen erwarten. Es schadet nicht hin und wieder an die Goldene Regel zu denken: „Alles, was ihr von den Anderen erwartet, das tut auch ihnen.“ Entscheidend für die Stimmigkeit ist Hineinhorchen in mich selber, ehrlich Gewissenerforschung und Bemühen um Umkehr. Ich muss freilich zugeben, dass es in mir Teile gibt, die der Umkehr bedürfen, nicht nur bei den anderen. Da habe ich nochmals einen Sinnspruch von Eugen Roth: „Kein Mensch will es gewesen sein. Die Wahrheit ist in diesem Falle: Mehr oder minder warn wirs alle!“

 

Drittens: Es geht darum als ganze Menschen bewusst die Wege Gottes zu gehen. Der Vater will ja, dass seine Kinder seinen Willen erfüllen, um auf seinem Weg zu bleiben. Die Wege Gottes sind richtig, auf ihnen gilt es zu gehen. Das sagt Gott auch durch Ezechiel in der Lesung: „Der Weg des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Weg soll nicht richtig sein? Sind es nicht eure Wege, die nicht richtig sind?“ So lädt uns der Herr immer und immer wieder ein, in seinen Weinberg zu gehen und dort mit ihm und für ihn zu arbeiten, um so Weggemeinschaft mit ihm zu haben, die nie endet, sondern die hineinführt ins ewige Leben. Wir dürfen wissen, welches Leben uns da erwartet. Wir dürfen auf dieses Leben zu gehen, weil wir wirkliche Erfüllung nur dort finden werden, und nicht hier und jetzt. Wir sollten deshalb nicht meinen alles in dieses Leben hineinstopfen zu müssen. Ein letztes Gedicht von Eugen Roth drückt das aus: Ein Mensch, von Arbeit überhäuft, indes die Zeit von ein, denn er hat Zeit jetzt, es zu sein. Dannen läuft, hat zu erledigen eine Menge, und kommt, so sagt man, ins Gedränge. Inmitten all der Zappelnot trifft ihn der Schlag, und er ist tot. Was grad so wichtig noch erschienen, fällt hin: Was bleibt von den Terminen? Nur dieser einzige zuletzt: Am Mittwoch wird er beigesetzt – und schau, den hält er pünktlich.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Gleichnisse, die Jesus erzählt, sind zum Nachdenken und zum Umsetzen da. Heute geht es um Klarheit und Entschiedenheit, um Stimmigkeit, und darum, dass wir als ganze Wege versuchen seine Wege zu gehen. Denken wir im Rosenkranzmonat Oktober, mit Maria, unserer Mutter im Glauben über diese Haltungen nach. Amen.

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