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Do. 25.12.25

Auf den Weg machen

Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Das feiern wir heute. Gott hat sich auf den Weg gemacht zu uns Menschen.

Predigt Weihnachtstag, 25.12.2025     

         

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Auf den Weg machen. Das feiern wir heute. Gott hat sich auf den Weg gemacht zu uns Menschen. Gott hat sich in einem Kind auf den Weg gemacht in unsere Welt, oder wie es der Johannesprolog, das Evangelium der dritten Weihnachtsmesse ausdrückt, „das Wort ist Fleisch geworden“ und hat unter uns gewohnt.“ Gott hat sich zu uns auf den Weg gemacht. Diesem Weg dürfen wir nachspüren, oder noch besser gesagt nachgehen. Der Weg Gottes zu uns. Drei Gedanken dazu.

 

Erstens: Weg nach unten. Ja, Gott ist nicht oben geblieben in seinem Himmel. Er ist ganz heruntergekommen in unsere Welt, in die tiefsten Tiefen des Menschseins hat er sich hineingelegt. Er ist ein heruntergekommener Gott. Der Weg nach unten, liegt uns nicht ganz so. Unsere Welt neigt eher zum Gegenteil, nach oben, nach oben hinaus, das ist es, was zählt. Da kann es schon sein, dass wir dann unersättlich und heikel werden. Eine britische Schriftstellerin sagt in einem fiktiven Gespräch mit den Weisen aus den Morgenland, die ja später kommen, folgendes: „Ihr seid zu spät gekommen, genau, wie ich. Die Hirten waren schon vor euch da, und sogar die Tiere. Sie waren mit dem Chor der Engel schon versammelt, als ihr euch noch gar nicht auf den Weg gemacht hattet. Euretwegen musste sogar die strenge Ordnung des Himmels etwas gelockert werden. Ihr Lieben, bittet für mich, bittet für die Großen dieser Welt, bittet für die Gelehrten und heiklen Seelen, dass sie beim Throne Gottes nicht ganz vergesse seien, wenn die Einfältigen einziehen in ihr Reich.“ Es klingt das an, was der Herr dann verkünden wird. Das ist das Geheimnis der Hirten, der ersten Repräsentanten an der Krippe, wie es uns das Evangelium der zweiten Weihnachtsmesse sagt. Jene, die sich ihrer Einfachheit bewusst sind, haben die größte Chance im Reich Gottes. Von heiklen Seelen ist auch die Rede. Heikle Seelen, gemeint sind schwierige Seelen, solche die schwer zufrieden zu stellen sind. Ein wenig heikel sind wir schon geworden. Die Einfachheit, die sich nach unten begibt ist das beste Gegenmittel.

 

Zweitens: Weg in die Innerlichkeit, Weg in das Herz des Menschen hinein. Bei der Krippe zählt einzig und alleine unser Herz. Es kommt hier auf das Herz an, dass das Geheimnis der Weihnacht den Weg in mein Innerstes gehen kann, dass ich gerührt und angerührt bin. Das Herz ist das einzige, was wir Gott schenken könne. Wir singen dies im bekannten Lied „Ihr Kinderlein kommet.“ Da heißt es: „Was geben wir Kinder, was schenken wir dir, du liebstes, du bestes der Kinder dafür? Nichts willst du vom Schätzen und Freuden der Welt, ein Herz nur voll Unschuld allein dir gefällt.“ Unschuld ist hier zu verstehen im Sinne von Gottesnähe, dass wir Gott wirklich an unser Leben, an unser Innerstes heranlassen, und versuchen die Gottferne zu überwinden. Es braucht ein weihnachtliches Herz. So muss sich das Herz auf die Liebestat Gottes, die in Jesus geschieht besinnen. Dass mein Herz die Liebe, die Gott zu uns Menschen hat, empfinden kann. Es darf uns warm ums Herz werden, darum geht es. Einem neugeborenen Kind gelingt, was den Mächtigen der Welt niemals gelingen kann, nämlich die Herzen der Menschen zu erweichen und selbst dem größten Griesgram ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. „Zärtlichkeit ist die größte Macht dieser Welt,“ sagt die heilige Mutter Teresa von Kalkutta wohl nicht ohne Grund. Arktische Kälte kann den Menschen erfrieren lassen, ohne menschliche Wärme kann er erst gar nicht leben. Und so ist es ein schöner Brauch, dass wir uns Weihnachten beschenken. Geschenke wollen Zeichen der Wärme Gottes sein. Sie wollen diese Wärme teilen und weiterreichen in das Herz. Aber viele unserer Geschenke sind, so fürchte ich, keine Herzenswärmer, sondern eher ein Tauschgeschäft. Es kommt nicht auf den Wert des Geschenkes an, sondern auf das Herz des Schenkenden. Im Kind von Bethlehem bringt uns der Vater im Himmel nicht nur menschliche Wärme, sondern die Wärme der Liebe Gottes. Gott sucht nicht unsere Unterwerfung unter seine Allmacht. Er bettelt um Einlass in unsere Herzen. Er tut dies, um uns eine Herzenswärme zu schenken, die uns in dieser Welt niemand geben, aber auch niemand nehmen kann.  Doch das Herz lässt sich nur von innen öffnen, nicht von außen. Daher sind nun wir gefragt: Verbarrikadieren wir uns in uns selbst, oder öffnen wir unsere Herzen? Suchen wir heute in unserem Glauben den Schlüssel zum Herzen.

 

Drittens: Der Weg zur Gemeinschaft mit den Menschen. Jesus wird in eine Gemeinschaft hineingeboren, freilich anfangs nur in eine kleine, Maria, Josef, Ochs und Esel. Aber diese Gemeinschaft wird schnell größer. Zuerst kommen die Hirten dazu, dann die Gäste aus dem Himmel, die Engel, und schließlich die Weisen aus dem Morgenland, als Vertreter der ganzen Menschheitsfamilie. Gott ist den Weg in die Gemeinschaft mit den Menschen hineingegangen. Er, Gott, hat die Gemeinschaft mit den Menschen gesucht und er tut es bis heute. Und wenn man die ganze Verkündigung Jesu anschaut. Er hat es nie gut geheißen, wenn sich Menschen von der Gemeinschaft losgesagt haben. Er hat in seiner Glaubensgemeinschaft, dem Judentum, mit Kritik nicht gespart, aber vom Lossagen von der Gemeinschaft hat er nie geredet. Gott will Einheit mit unserem Leben. Gott will mit uns eins bleiben. Er will unser ganzes Leben in all seinen Fasern mit seiner Gegenwart durchdringen. Er will so durch uns in dieser Welt sichtbar und berührbar werden. Ich glaube, in dieser Nacht ahnen dies die Menschen in aller Welt ein wenig mehr als sonst. Geben wir uns nicht Mühe, wenigstens an diesem Tag ein wenig friedvoller und großzügiger, liebevoller, nachsichtiger und verständnisvoller zu sein? Und nicht nur wir tun das, in aller Welt tun dies Menschen, selbst jene, denen dieses Fest scheinbar nichts bedeu tet. Und warum tun sie es? Warum tun wir es? Weil wir ahnen: Durch Krieg und Terror, Neid und Misstrauen, Eigensucht und Arroganz verweigern wir Gott den Zutritt zu unseren Herzen und damit zu dieser Welt. Und im Tiefsten unseres Herzen ahnen wir, ja mehr, wir wissen ganz genau: Wenn wir Gott den Zutritt verweigern, sind Welt und Mensch hoffnungslos verloren! Wenn wir uns hingegen in die offenen Arme Gottes werfen, dann kann er durch uns die Welt verwandeln und wir wachsen immer mehr zusammen als Christen in der Gemeinschaft der Kirche, und wir Menschen in der großen Menschheitsfamilie.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Gott hat sich auf den Weg zu uns gemacht. Er ist nach unten gekommen, er will den Weg in unser Herz gehen, Er geht den in die Gemeinschaft mit den Menschen hinein. Er hat sich auf den Weg gemacht. Er macht sich stets neu auf den Weg. Gehen wir ihm doch entgegen, dann kommen wir zusammen, dann kann Weihnachten werden, nicht nur heute, sondern unser ganzes Leben. Denn Gott und Mensch müssen zusammenfinden und zusammenkommen. Amen.

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