Silvesterpredigt - bin ich dankbarer, liebevoller, gläubiger und kirchlicher geworden?
Predigt Altjahrstag Oberkappel, 31.12.2025
Perikopen: 1 Joh 21,18-21 Joh 1,1-18
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
In diesem Jahr habe ich eine DVD-Box geschenkt bekommen. Der Inhalt waren die humorvollen, aber auch zum Nachdenken anregenden Filme von Don Camillo und Peppone, dem schlagkräftigen Pfarrer und dem kommunistischen Bürgermeister im kleinen Dorf am Po. Ich habe mir diese Filme nach langen Jahren mit großer Heiterkeit angeschaut. Faszinierend war für mich, wie es sich Don Camillo zur Angewohnheit gemacht mit seinem Herrgott zu sprechen. Er hat eine Du-Beziehung zu Jesus, der am Kreuz in seiner Dorfkirche hängt. Immer wieder sprechen die beiden miteinander und da ist alles Mögliche Thema. Das sagt mir eines: In unserem Dialog mit Gott darf alles Thema sein. Wir dürfen vor Gott einfach menschlich sein, wie dieses Schlitzohr Don-Camillo. Wir dürfen ihm alles sagen. Und genau mit diesem Bewusstsein können wir dieses Jahr beschließen und in das nächste hineingehen. Wir dürfen Gott alles sagen. Das wollen wir tun, mithilfe von ausnahmsweise vier Fragen. Drei Fragen reichen für ein Jahr nicht aus noch dazu war es ein Heiliges Jahr.
Erstens: Mein Dank – bin ich dankbarer geworden? Dankbarkeit ist ein christliches Schlüsselwort. Dankbarkeit ist ein Geschenk! Dankbarkeit ist nicht nur ein Gefühl, es ist eine Haltung, die man üben kann! Ein Gefühlsimpuls, wenn er echt ist, ist meiner Kontrolle entzogen, einfach da. Aber wie ich mich verhalten will, das bestimme ich selbst! Ich wäre gerne ein dankbarer Mensch! Ich verspreche mir viel davon, die Haltung der Dankbarkeit einzuüben. Es gibt da so einen tollen Satz:
Weil ich glücklich bin, bin ich dankbar. Weil ich dankbar bin, bin ich glücklich. Weil ich glücklich bin, bin ich dankbar, das ist normal. Weil ich dankbar bin, bin ich glücklich, das ist die Übungsrichtung! Die verstorbene Queen Elizabeth hat 69 Weihnachtsansprachen gehalten. Einer ihrer Gedanken war: „Manche mögen sagen, Weihnachten ist eine Kinderangelegenheit. Ja, es kann sein, dass Weihnachten die Kinderseelen besser erreicht, weil sie leichter Freude an den einfachen Dingen des Lebens finden.“ Mit dankbaren Augen durch das Leben gehen, die Spuren des Glücks nicht übersehen, sich freuen! Oder: Besser im Blick haben, was wirklich wichtig ist im Leben Letztlich ist es ja das, was wir mit unseren Weihnachtsgeschenken machen wollen, Beziehungen würdigen, bedanken und insofern ist es ein schöner Brauch. Wir dürfen Gott unseren persönlichen Dank sagen. Ich möchte auch Danke sagen für euch, denen die Pfarre Oberkappel wichtig ist. Ich sage Dank für alle Unterstützung und Mitarbeit, wohlgemerkt fast alles ehrenamtlich. Ich sage dank für alle, die kommen um gemeinsam in der Kirche zu feiern an Festtagen, Sonntagen und an Wochentagen. Unterschätzen wir nicht den Wert der Wochentagsmessen. Es geht etwas von ihnen aus. Man hat was davon, wenn man sich wirklich darauf einstellt. Ich sage Danke für alle Spenden, jegliche Form finanzieller Unterstützung, was in Oberkappel nach wie vor großzügig ist. Ich sage Danke für alle Pflege von Begegnung, Gemeinschaft und Beziehung, im heurigen Jahr möchte ich danken für den so wertschätzenden vierzigsten Geburtstag, der mir bereitet wurde. Das ist nicht selbstverständlich. Da haben manche beim Goldenen Priesterjubiläum nicht so eine schöne wertschätzende Feier. Bringen wir Gott immer wieder unsere Dankbarkeit. Bin ich dankbarer geworden.
Zweitens: Meine Liebe. Bin ich liebevoller geworden? Wie merke ich das? Liebe hat mit Hingabe zu tun, sich geben, heraustreten aus Selbstliebe, Eigennutz. Ohne Liebe wird das Leben leer, wenn es nur um sich selbst kreist. Es kommt in jedem Leben der Moment, wo klar wird, dass Selbstgenügsamkeit nicht mehr genügt. Wir wollen uns geben, zur Gabe für andere werden, wer sich das verweigert, der verarmt in der Seele. Ich glaube, das ist der Fingerabdruck unseres Schöpfers auf unserer Seele. Warum schafft der Schöpfer aller Ding überhaupt etwas? Für mich einzige Antwort: Aus Liebe, eine Notwendigkeit gibt es für ihn nicht, er tut es aus Liebe und ist so im Herzen aller Geschöpfe verwurzelt, der Hingabewunsch, das Von-sich-absehen-wollen. Nicht Angst haben, sich zu verschwenden, das ist Liebe, ein Zuwachs an Liebe. Übrigens hat der sprechende Herrgott seinen Don- Camillo immer wieder kritisiert, wenn er im Übereifer die Liebe nicht ganz so verwirklicht hat, wie es hätte sein können. Einmal hat Don Camillo gesagt: „Es ist schwer mit dir zu diskutieren Herr.“ Das stimmt über die Liebe sollen wir nicht zu viel diskutieren es ist besser wir übern sie, wir tun sie, denn „Liebe ist nicht nur ein Wort, Liebe sind Worte und Taten.“ Überprüfen wir mit Gott immer wieder unsere Liebe. Bin ich liebevoller geworden?
Drittens: Mein Glaube - Bin ich gläubiger geworden? Sehe ich über die Jahre mehr Spuren Gottes in meinem Leben oder weniger? Wächst mein Urvertrauen oder wird es weniger, sodass ich überall Gefahr vermute und allerorts Erschütterungen und Erdbeben voraussehe? Ein großes Ja zum Leben, ist auch ein großes Ja zu Gott. Wenn wir ja sagen zum Leben, dann arbeitet das Leben uns zu. Und Vertrauen ist kein passiver Zustand. Es ist das Nötige erkennen und getrost handeln, weil mein Leben unterfangen ist von einer liebevollen, gütigen Macht, von Gott! Vielleicht könnten wir uns da noch mehr helfen und uns auf Gott mehr aufmerksam machen. Sicher es braucht den richtigen Ton, aber mein Eindruck ist, wir schweigen zu oft über Gotteserfahrungen und dabei ist es ja oft so im Leben: Ist man erstmal auf etwas aufmerksam geworden, dann entdeckt man es hier, da und dort, also viel öfter als vermutet. Bin ich gläubiger geworden? Ist meine Gottesdesbeziehung intensiver geworden? Oder habe ich mir mit Hochmut die Ohren verstopft, wie es Don Camillo auch einmal getan hat, und dann konnte er seinen Herrgott nicht mehr hören. Gott redet immer mit uns, er spricht immer sein Wort in unsere Welt und lässt es Fleisch werden, wie es uns das Evangelium heute noch einmal gesagt, aber wir können es manchmal nicht hören bzw. wollen es manchmal nicht hören.
Viertens: Die Kirche in Oberkappel, in der Diözese Linz, in der Welt. Bin ich kirchlicher geworden? Einen besonders guten Platz haben wir als Kirche nicht mehr. Wir sind out, immer weniger brauchen uns. In Oberkappel ist es, dass darf ich immer wieder dankbar sagen, noch etwas besser. Aber, ich mache mir nichts vor, die Entwicklung kommt zu uns genauso. Das große Problem ist und bleibt, dass es bei Taufe, Erstkommunion und Firmung, bei vielen, nicht bei allen, keinen verbindenden Weg dazwischen gibt. In Oberkappel sind doch, außer den Ministranten, auch noch andere Familien in der Kirche, Gottseidank. Aber das Verständnis, dass man Kindern Gott nicht vorenthalten soll, ist weitgehend verlorengegangen. Eine Form, wie Eltern das Taufversprechen einlösen, ist dort, wo Kindern der Ministrantendienst ermöglicht wird. Das ist eine Möglichkeit Kinder zumindest eine Zeit lang in die Glaubensgemeinschaft zu integrieren. Der neuernannte Wiener Erzbischof Josef Grünwidl hat sinngemäß gesagt: „Nicht die Isalmisierung Europas ist das größte Problem, sondern die Entchristlichung Europas.“ Entchristlichung zeigt sich auch bei uns. Sie beginnt dort, wo man dem Sonntagsgottesdienst fernbleibt – auch wenn es der Mainstream akzeptiert bleibt es ein Fehlverhalten sonntags nicht zu kommen – und endet dort, wo man aus der Kirche austritt. In Oberkappel waren es heuer erfreulicherweise „nur“ zwei Austritte, freilich zwei zu viel, und dankenswerterweise auch zwei Eintritte. Heuer hält sich die Waage bei uns, insgesamt hält sie sich nicht. Und es kann und ich fürchte es wird auch bei uns nächstes Jahr schon anders sein. Freilich, mitnaschen am Kuchen möchte man gern. Es liegt halt dann oft am Pfarrer, wieviel er mitnaschen lässt, denn die Regeln, die es gibt werden oft nicht ernst genommen. Ich persönlich bin wenig fürs Mitnaschen. Man muss die Menschen ernst nehmen, jene, die nichts mit uns zu tun haben wollen, und noch viel mehr jene, die sich einbringen und auch ihren Beitrag leisten. Ich persönlich bin auch kein Freund von Niederschwelligkeit. Nur, weil die Ansprüche heruntergeschraubt, das Niveau gesenkt, wird es nicht besser. Eine zu häufig verdünnte Suppe schmeckt nicht, und wenn man die Glaubenssuppe immer mehr streckt, schmeckt sie auch nicht besser. Ich fürchte wir haben das zu viel getan. Und nur weil wir die Strukturen ändern, nur weil wir uns als Diözese das Ganze nicht mehr leisten können und manches auch nicht mehr leisten wollen, wird es auch nicht besser dadurch. Ich kann nur einladen ein lebendiger Kirchenbaustein zu sein, der sich trotz allem, was nicht gut ist in der Kirche einbringt. Die Kirche ist immer so gut und lebendig, wie ihre Mitglieder. Bin ich kirchlicher geworden? Diese Frage ist wichtig, gerade im Blick darauf, dass wir kommendes Jahr am 15. August 70 Jahre Kirchweihe feiern.
Liebe Brüder und Schwestern!
Mir gefällt der Dialog von Don Camillo und seinem Herrgott. Auch wir sollten ihn führen. Bin ich dankbarer, liebevoller, gläubiger und kirchlicher geworden. Mit diesen und vielen anderen Fragen dürfen wir in den Dialog treten. So dürfen wir das Jahr abschließen und in das neue Jahr hineingehen mit der Überzeugung: Gott ist auch noch da. Er geht immer mit. Er ist immer auf der Höhe der Zeit. Er bleibt immer derselbe, gestern, heute und in alle Ewigkeit. Amen.
