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So. 10.11.24

Geschichte über die arme Witwe

Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Sie gibt nicht etwas, sondern alles. Das macht frei und das macht reich vor Gott

Predigt 32. Sonntag im Jahreskreis, 10.11.2024

Perikopen: Hebr 9,24-28         Mk 12,38-44

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Eine kleine Geschichte am Rande, gar nicht wirklich der Rede wert, so scheint das heutige Evangelium. Wen interessiert schon diese arme Witwe. Aber diese kleine Geschichte hat es in sich. Da könnte man freilich als Prediger ordentlich auf die Pauke hauen und sagen: „Schaut euch die Witwe an. Alles hat sie in den Klingelbeutel geschmissen. Macht es wie sie.“ Aber darum geht es Jesus nicht. Man muss schon an die scharfe Kritik denken, die Jesus zuvor dem Schriftgelehrten gegenüber geäußert hat: „Sie fressen die Häuser der Witwen auf und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete.“ Jesus hält das, was die arme Witwe tut, für so wichtig, dass er die Jünger extra zu sich holt, um ihnen etwas zu sagen. Diese Jüngerbelehrung gilt auch uns heute. Drei Gedanken dazu.

 

Erstens: Es geht nicht um etwas, sondern um alles. Jesus sagt: „Wenig kann viel sein.“ Es gibt Reiche, die arm sind, und Arme, die reich sind. Die Witwe ist eine arme, die reich ist. Sie hat nicht viel, nur das Nötigste um einen Tag durchzukommen. Und diese Frau gibt, was sie kaum entbehren kann, ihren ganzen Lebensunterhalt. Sie gibt nicht etwas, sondern alles. Das macht ihre Würde aus. Die paar Groschen, die sie gibt, sind Ausdruck ihrer inneren Freiheit. Sie ist frei ihr Geld hergeben zu können. Das ist eine ganz andere, ganz neue Freiheit. Das ist Emanzipation: Selbstbestimmtes Handeln, wer sich verschenken kann, ohne Angst haben zu kurz zu kommen. Verschenken können ohne Angst haben zu kurz zu kommen, das ist es!  Die Lesung aus dem Hebräerbrief legt uns diese Haltung am Beispiel Jesus Christi selber aus. Jesus Christus, der Sohn Gottes von Ewigkeit her, kam in unsere Welt, um sich für uns dem Vater hinzugeben, um sich an uns zu verschenken.

 

Zweitens: Die Freiheit Jesu für uns Menschen. Es wird uns im Evangelium diese Geschichte erzählt, kurz bevor die Leidensgeschichte kommt. Jesus bezieht das, was die Witwe tut auf sich selber. Er fühlt sich von der Witwe verstanden, erkennt sich in ihrem Verhalten selber. Er gibt auch was er hat, nicht ein paar Münzen, sondern sich selber. Um im Bild der Münze zu bleiben: Jesus zahlt die Münze, das Lösegeld, nicht für sich selber, sondern für die anderen, für alle. Er setzt damit eine neue Währung in Umlauf, auf deren Basis man in Freiheit leben kann. Er bürgt für den Wert dieser Währung mit seiner Person. Als es ans Bezahlen geht, da setzt er sein Leben ein. Er gibt sein Leben in Freiheit für uns. Für uns tut er alles. Das muss in unser Hirn und noch vielmehr in unser Herz hinein. Seitdem machen die Erzählungen seines verheißungsvollen Lebens unter uns die Runde, und können das Feuer entzünden, das Jesus in die Welt gebracht hat, etwas füreinander zu tun.

 

Drittens: Menschen wie die Witwe heute, arm und doch reich. Im Verhalten der armen Witwe finden sich Menschen wieder, die Zeit, Geld und Kräfte schenken, die arm sind und reich zugleich. Ich denke an die vielen Ehrenamtlichen, ohne die wir nicht leben können. Ich denke an Menschen, die ihre schwerkranken Angehörigen pflegen. Ich denke an Menschen, die Sterbende begleiten, sich um Obdachlosen annehmen, sich um Beeinträchtigte kümmern. Da möchte ich etwas in Erinnerung rufen, was ich schon einmal gebracht habe. Ein amerikanischer Journalist beobachte Mutter Teresa bei ihrem Dienst an den Sterbenden. Ein völlig verdreckter, von Geschwüren gezeichneter Mann wurde hereingetragen. Er stank fürchterlich. Mutter Theresa nahm sich seiner an und umarmte ihn. „So einen Dienst könnte ich für eine Million Dollar nicht tun,“ wandte sich der Journalist empört ab. „Ich auch nicht,“ antwortete Mutter Theresa. Ja, Mutter Theresa war so arm, aber innerlich so reich. “Das ist zu viel verlangt … das kann man doch nicht verlangen,“ hört man mitunter. Verlangen kann man es nicht, aber man kann es tun. Und genau das ist die große Zuversicht in dieser Erzählung von der armen Witwe, dass das Leben durch eine derartige Haltung nicht ärmer, sondern reicher wird.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

So dürfen auch wir uns von Jesus auch beiseite nehmen und uns ein bisschen etwas erzählen lassen über die arme Witwe. Sie gibt nicht etwas, sondern alles. Das macht frei und das macht reich vor Gott. Amen.

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