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So. 27.10.24

Sehend sein. Sehend werden.

Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Wir sollen uns nicht blind stellen. Im Gegenteil, wir dürfen den Herrn bitten, dass er uns sehend mach, „ich möchte wieder sehen können,“, dass er uns die Augen öffnet.

Predigt 30. Sonntag im Jahreskreis, 27.10.2024

 

Perikopen: Hebr  5,1-6             Mk 10,46b-52

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Wenn sich heute bei älteren Menschen das Sehen verschlechtert, lassen sie sich ihre Augen lasern. Der Eingriff ist mittlerweile alltäglich geworden und wenige Tage hintereinander kann das Licht beider Augen wieder einigermaßen hergestellt werden. Niemand denkt heute mehr an ein Wunder, wenn so etwas gelingt. In biblischen Tagen wäre es gewiss eines gewesen, denn Blinde sehend machen, war nach biblischem Glauben ein Werk des Schöpfergeistes, der an einem Geheilten zum Durchbruch gekommen ist. Sehend sein, sehend werden. Darum geht es heute.

 

Erstens: Eine Frage: Was muss denn der Mensch sehen können? Worin darf sich denn die Sicht nicht verdunkeln?  Wir kennen den Satz: I hab nix gesegn, i hab nix ghert, i hab nix gsagt. Das heißt: ich möchte gar nicht hinschauen, stell mich lieber blind. Ich möchte gar nicht hinhören, stell mich lieber taub, ich möchte gar nichts sagen, stell mich lieber stumm. In der unseligen Zeit des NS-Regimes gab es folgenden Reim, der in diese Richtung geht: „Lieber Gott mach mich stumm, dass ich nicht nach Dachau kumm. Lieber Gott mach mich taub, dass ich jeden Unsinn glaub. Lieber Gott mach mich Blind, dass ich alles herrlich find. Bin ich taub und stumm und blind, dann bin ich ein gutes Kind.“  In Japan hat man diese Haltungen mit den drei Affen dargestellt, die sich Augen, Ohren und Mund zu halten. Ja manches will man gar nicht sehen. Aber blind kann man Jesus nicht nachfolgen, und wenn man sich blind stellt auch nicht. Dem Bartimäus, dem blinden Bettler, müssen zuerst die Augen geöffnet werden, bevor er mit Jesus gehen kann. Übrigens auch Paulus ist blind nach seinem Sturz vor Damaskus und es muss jemand kommen,  der ihm  die Augen öffnet.  Und er vernimmt die Stimme, die ihm erklärte: „Ich sende dich zu den Völkern, um ihnen die Augen zu öffnen, denn sie sollen sich von der Finsternis zum Licht bekehren.“

 

Zweitens: Die Augen öffnen. Das Öffnen der Augen hat wenig mit dem Lasern des  grauen Star zu tun, sondern mit einer Umkehr im Leben,  mit dem Erkennen des göttlichen Wirkens. Deshalb kann man blind Jesus nicht nachfolgen, zuerst müssen einem mal die Augen aufgehen. Zuerst muss auch der Blick auf das eigene Leben sich klären, schließlich kann auf dem Weg des Glaubens allerhand daherkommen, dem man in die Augen blicken muss. „Jesus, hab Erbarmen mit mir“ ruft Bartimäus zuerst laut, dann schreit er es: „Hab Erbarmen mit mir.“ Diese Bitte um Erbarmen steht ja immer am Beginn unserer Gottesdienste: Wir sagen oder singen: erbarme dich unser. Bartimäus meint es wohl ernster. Er ruft es laut und schreit es sogar. Er weiß, dass er nicht richtig sieht. Das können wir von ihm lernen: das Wissen, dass wir möglicherweise vieles  gar nicht richtig sehen können oder nicht richtig sehen wollen. Dass wir oft blindlings entscheiden oder urteilen. Auch wir müssen ständig darum beten, dass Gott unsere Augen öffnet.

 

Drittens: Es braucht Ermutigung. Das Öffnen der blinden Augen ist nicht einfach. Es braucht Ermutigung. Auch diese erfährt Bartimäus. Zuerst wollen die um ihn herum ihn  zum Schweigen bringen, denn ihr Problem ist nicht, dass er blind ist, sondern dass er schreit. Sie sind in gewisser Weise auch blind. Als sie merken, dass Jesus auf seiner Seite steht,  ermutigen sie ihn: „Hab Mut, steh auf, er ruft dich.“  Ja, er ruft uns tatsächlich, dass wir sehend durch die Welt und das Leben gehen, hellhörig und wahrheitsliebend. Dazu ruft er uns. Und dazu brauchen wir seine Hilfe, sein Erbarmen, das uns immer wieder stärkt und ermutig, dass wir in der Spur bleiben. Es kann  ein hilfreiches Gebet sein, sich hinzusetzen und nur zu wiederholen: „Herr, ich möchte sehen können.“ Weil sehen ist etwas ganz Christliches, für den Glauben unbedingt Notwendiges. Wir sprechen ja auch vom Licht des Glaubens. Und in der alten Kircher hat man die Getauften die Photismoi genannt, die Erleuchteten. Wir können es nicht so locker aus uns selber. Wir sind geblendet von so vielem. Aber wir können es immer neu für uns selbst erbitten.


Liebe Brüder und Schwestern!

Wir sollen uns nicht blind stillen. In Gegenteil, wir dürfen den Herrn bitten, dass er uns sehend mach, „ich möchte wieder sehen können,“, dass er uns die Augen öffnet. Öffnen wir uns jener Ermutigung, die Bartimäus. Bitten wir an der Hand der Gottesmutter Maria, der Rosenkranzkönigin, dass ihr Sohn uns sehend macht, quasi unsere Augen lasert, „Jesus, der uns sehend macht.“ Amen.

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