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So. 21.05.23

Gemeinschaft

Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Das Bild der versammelten Jünger mit Maria ist ein Bild von Gemeinschaft: eine Gemeinschaft, die sich neu finden muss, eine Gebetsgemeinschaft und eine Gemeinschaft der Erwartung.

Predigt Siebter Ostersonntag, 21.5.2023

Perikopen: Apg 1,12-14                                        Joh 17,1-11

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Das Bild einer Gemeinschaft wurde uns heute in der Apostelgeschichte gezeigt. Nach der Himmelfahrt des Herrn versammeln sich die Apostel mir Maria im Abendmahlsaal, dort, wo ihnen Jesus die Füße gewaschen hat und das letzte Mahl feierte. Das Bild eine Gemeinschaft, Einladung zum Anschauen und Betrachten, Einladung, dass es Modell und Vorbild für unser Leben, das nur in Gemeinschaftlichkeit funktionieren kann. Was war das damals für eine Gemeinschaft im Abendmahlssaal?

 

Erstens: Eine Gemeinschaft, die sich neu finden musste. Nach der Himmelfahrt Jesu gehen die Jünger nicht sofort ans Werk. Nicht gleich, erst später mit Pfingsten und dem Heiligen Feist, führen sie Jesu Auftrag aus, in die Welt zu gehen, die Botschaft zu verkünden und die Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Sie müssen es erst einmal verdauen, dass Jesus nicht mehr da ist und es jetzt auf sie ankommt. Sie rücken zusammen, reden miteinander, sie finden sich neu, aber, und das ist das Entscheidende, in der Verbundenheit mit Jesus. Sie verstehen sich ganz und gar von dem her, wie sie ihn erfahren durften. Selbstfindung ist ein Wort, das heute Konjunktur gefunden hat. Leider geht es hier oft nur darum, wie man selber am besten durchkommt, wie man selber die meisten Vorteile hat. Die Selbstfindung der Gemeinschaft im Abendmahlsaal ist anders. Nicht ein Kreisen um sich selbst, sondern ein Rückbesinnen und Verankern indem, was sie mit Jesus erlebt haben. Es ist ein Zusammenschweißen und Zusammenfinden. Es ist ein  echtes Interesse für das Gemeinsame. „Alles, was mein ist, ist dein,“ sagt Jesus im heutige Evangelium. Hier wird das Ich auf das Du und Wir hin aufgebrochen. Vielleicht haben die Jünger an dieses Wort Jesus gedacht. Es geht hier um eine innige Verbundenheit mit Christus und Miteinander, um ein wirkliches Miteinander und nicht um ein oberflächliches Nebeneinander, wie wir das heute vielfach in Kirche und Gesellschaft feststellen müssen. In diesem Sinn dürfen wir uns neu finden.

 

Zweitens: Eine Gemeinschaft des Gebetes. Die Jünger sind mit Maria im Gebet versammelt, betend bittend um den heiligen Geist. Es ist eine Gebetsgemeinschaft in einem wichtigen Anliegen, nämlich dass Pfingsten werden kann, dass der Heilige Geist kommen möge. Es wird gebetet, dass Der Beistand und Tröster, den Jesus versprochen hat kommen möge. Es wird hier vertraut in die Macht des Gebetes, die doch immer wieder in der Geschichte Großes bewirkt hat. Das zeigt auch ein Beispiel der österreichischen Geschichte. Am vergangenen Montag, 15. Mai, waren es 68 Jahre her, dass der Staatsvertrag im Schloss Belvedere in Wien unterzeichnet wurde, woran immer auch mit einem Gottesdienst in der Schlosskapelle erinnert wird. Diesen Staatsvertrag, der uns bis heute Freiheit und Frieden beschert hat, verdanken wir nicht nur Politikern einer Zeit, wo das Wort christlich wohl noch mehr Herzenssache als politisches Kalkül war. Nein, es gab, was vielfach in Vergessenheit geraten ist, in Österreich damals riesige Gebetsinitiativen. Im Jahr 1947 gründete der Franziskaner P. Petrus Pavlicek in Wien den Rosenkranzsühnekreuzzug, als Gebetsgemeinschaft für die Freiheit unserer Heimat. Schnell stieg die Zahl von 500 Mitgliedern, oder man soll besser sagen Beter/innen, auf 500.000 an. In ganz Österreich griff man zum Rosenkranz, um die Königin des Friedens, um Frieden und Freiheit zu bitten. In Wien wurden große Bitt- und Gebetsprozessionen gehalten, zu denen Zehntausende kamen. Es entstand eine ungeheuer geistliche Atmosphäre und ein Bewusstsein für das Vertrauen in die Macht und die Kraft des Gebetes. Im Hinblick auf den Österreichischen Staatsvertrag 1955 sagte der damalige Bundeskanzler Julius Raab: „Wenn nicht so viel gebetet worden wäre, nicht so viele Hände in Österreich sich zum Gebet gefaltet hätten, so hätten wir es wohl nicht geschafft." Nach dem Staatvertrag ist dann das Lied „Schutzfrau Österreichs, oh Maria entstanden,“ das wir auch heute am Ende des Gottesdienstes singen werden. „Schutzfrau Österreichs, o Maria, unser Flehn hast du erhört,  Freiheit wieder uns gegeben, Frieden Österreich beschert,“ heißt es dort sehr sinnenfällig in der zweiten Strophe. An das muss ich denken, wenn ich die betende Gemeinschaft der Apostel mit Maria im Abendmahlsaal sehe. Vielleicht hat ihnen Maria vorgebetet.

 

Drittens: Eine Gemeinschaft, die etwas erwartet. Die Jünger sind in Erwartung des Heiligen Geistes, den Jesus in vor seinem Abschied versprochen hat. Erwartung ist die Haltung des Christen schlechthin. Alles von Gott erwarten, nicht von sich selber. Erwartung ist ein aufrechtes stehen in der Welt vor dem Angesicht des lebendigen Gottes. Und dann muss man einfach die Sinne öffnen: Augen auf um auf ihn zu schauen, Ohren auf, um auf ihn zu hören, Herz auf um ihn zu spüren. Ein verschlossener Mensch mit einem „cor inversum in se ipsum – einem in sich verkrümmten Herzen,“ wie die Kirchenväter das nannten, wird sich schwer tun in der rechten Erwartungshaltung vor Gott zu stehen. Auch als Kirche von heute müssen wir unsere Erwartungshaltung wieder von uns selber weglenken hin auf Gott und auf das ewige Leben. Christus beschreibt uns heute im Evangelium, im hohepriesterlichen Gebet sogar, was ewiges Leben bedeutet. Er sagt: „Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich den einzigen wahren Gott, erkennen und du gesandt hast Jesus Christus.“ Mit der Erwartungshaltung ist auch immer ein Gebetsruf verbunden, der gerade jetzt vor dem Pfingstfest in der Liturgie sehr präsent ist, nämlich „veni, komm, Heiliger Geist.“ Und in dieser rechten Erwartungshaltung, wird uns wahrscheinlich doch bewusst, dass man schon in diesem Leben mit Gott mehr Möglichkeiten hat, als ohne ihn. Und in der rechten Erwartung Gott gegenüber wird man dann vielleicht auch ein Spur gelassener und heiterer. Der heilige Philipp Neri, den wir kommenden Freitag feiern sagt: „Wer Gott dienen will, soll stets heiteren Geistes sein.“ Ja, was fehlt mir in meiner Erwartung um mehr und mehr immer wieder neu „heiteren Geistes“ zu werden?


Liebe Brüder und Schwestern!

Das Bild der versammelten Jünger mit Maria ist ein Bild von Gemeinschaft: eine Gemeinschaft, die sich neu finden muss, eine Gebetsgemeinschaft und eine Gemeinschaft der Erwartung. So ist diese Gemeinschaft und so könnten und sollten unsere Gemeinschaften sein. Wichtig ist, im Mai besonders, dass wir Maria in die Mitte dieser Gemeinschaft hereinnehmen. Amen.

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