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Sa. 31.12.22

Was brauche ich zum Glücklich-Sein?

Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Der Glaube, die Hoffnung und die Liebe sagen uns, dass wir das, was wir uns im Tiefsten wünschen, nicht selbst machen können. Wir brauchen Gott.

Predigt Altjahrstag, 31.12.2022

Perikopen: 1 Joh 2,18-21                       Joh 1,1-18

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Was braucht man zum Glücklich-Sein? Manche brauchen nicht lange zu überlegen, um eine Antwort zu finden. Sie sagen ganz einfach: eine Familie, in der ich geborgen bin, einen sicheren Arbeitsplatz, ein Austausch mit Freunden, oder ein Bierchen (wohlgemerkt ein Schlägler) am Abend. Ich möchte heute, am letzten Tag des Jahres, sagen, was für mich für ein erfülltes Leben wichtig ist. Es sind drei klassische Dinge. Aber es kann gut tun, sie wieder einmal zu bedenken.

 

Erstens: Zum guten Leben brauche ich Glauben. Glücklich bin ich, weil ich glauben kann, dass Gott mich liebt. Ich denke, dass auch andere Menschen das so sehen. Für diese Menschen spielt der Glaube für das Glück eine große Rolle. Doch viele Menschen leiden unter dem Schweigen Gottes, gerade in unsicheren Zeiten, wie wir sie erleben. Wir erleben nun eine Zeit, die in mancher Hinsicht unsicher ist. Freilich die Coronakrise hat sich in diesem Jahr gewandelt. Es bleiben jedoch Klimakrise, finanzielle Teuerung, Energiekrise und nicht zu vergessen der Krieg in Europa, den ein Psychopath angezettelt hat. Das alles verursacht Ängste und diese Ängste gehen an die Substanz, und alles dreht sich nur noch um dieses eine Thema. – Wie geht es damit weiter? Heute feiern wir den siebten Weihnachtstag, der zugleich das Ende des alten Kalenderjahres und den Beginn eines neuen Jahres markiert. Wir feiern morgen die Gottesmutter Maria, die ihrem Kind den Namen Jesus gegeben hat. Dieser Name bedeutet übersetzt: Gott rettet. Haben wir damit schon einen Hinweis für unsere Fragen? Wenn es heißt, dass Gott rettet, stimmt das auch? Und wenn es stimmen sollte, warum erleben so viele Menschen so viele Unglücke, aus denen sie nicht errettet werden? So wird der Glaube oft erschüttert. Ein Unglück, eine traumatische Erfahrung kann den Glauben erschüttern oder auch zerstören. Was kann man dazu sagen? Der Glaube ist ein kostbares Geschenk, wir empfangen den Glauben in unserer Taufe, und er geht einher mit Vertrauen und Zuwendung. Einem, dem ich vertraue, kann ich auch glauben. Ich habe als Kind meiner Mutter auch geglaubt, dass Spinat etwas Gutes ist, weil er, wie sie mir erklärte, Eisen enthält. Ich sah zwar kein Eisen im Spinat, und glaubte auch nicht, dass man Eisen essen kann, aber ich nahm zu Recht an, dass sie für mich nur Gutes wollte, also vertraute ich ihr und glaubte, was sie sagte, und aß den Spinat. Dieses kleine Beispiel zeigt, dass der Glaube begleitet wird durch zwei andere Haltungen. Wenn ich jemandem glaube und vertraue, gehe ich davon aus, daß das gut für mein Leben ist.

 

Zweitens: Das nennt man Hoffnung. Die Hoffnung nennt etwas gut, obwohl nicht immer sofort klar ist, dass es wirklich gut ist oder gut ausgeht. Zum Beispiel: Ich bin von einem Freund enttäuscht worden, aber es hatte am Ende für mich doch etwas Gutes, denn das hat meine Menschenkenntnis erweitert. Und die Hoffnung sagt noch mehr: sie rechnet nicht automatisch mit einem Ergebnis, das ich mir ausdenke oder von dem ich meine, dass mich das jetzt glücklich macht. Sondern die Hoffnung rechnet auch realistisch mit der anderen Möglichkeit: dass es beim Schlechten bleibt. Dann gibt es zwar kein happy-end, aber die Hoffnung ist überzeugt: Nichts ist ohne Sinn. Und vielleicht wird mir der Sinn auch nicht in diesem Leben, sondern erst in einem anderen Leben gezeigt. – Aber das kann ich nur glauben, das kann ich nicht wissen. Also gehören Glaube und Hoffnung zusammen. Der Christ hat Hoffnung, Hoffnung auf ewiges Leben. Er muss aber diese Hoffnung in seinem Herzen groß werden lassen.

 

Drittens: Und das ist das nächste die Liebe. Es gibt drei Haltungen, die wir die göttlichen Tugenden nennen: Glaube, Hoffnung und Liebe. Alle wollen das Glück anstreben, das Glück, nach dem wir suchen. Doch nun müssen wir achtgeben: Meistens fragen wir: Was brauche ich zum Glück? Oder wir fragen: Wie glücklich bist du? Die Liebe lässt diese Frage anders stellen. Nicht mehr: Möchtest du glücklich sein? Möchtest du glücklich werden? – Darauf wird wohl kein Mensch mit „Nein“ antworten. – Sondern die Liebe fragt: Möchtest du glücklich – machen? Den anderen, nicht zunächst dich selbst, sondern den Menschen, der dir begegnet, der dir anvertraut ist, für den du da sein kannst? Es geht darum, dass wir immer mehr liebende Menschen werden! Bin ich im letzten Jahr mehr liebend geworden? Könnte ich es im nächsten Jahr etwas mehr werden? Wir wissen nicht, ob uns das neue Jahr 2023 Glück oder vielleicht auch neues Unglück bringen wird. Die Erfahrung sagt, dass es kaum das pure Glück geben wird. Und das, was in den Augen der Menschen Glück ist, ist es nicht unbedingt in den Augen Gottes. Doch der Glaube, die Hoffnung und die Liebe sagen uns, dass wir das, was wir uns im Tiefsten wünschen, nicht selbst machen können. Wir brauchen Gott, und Gott hat uns in der Menschwerdung seines Sohnes gezeigt, wie sehr er sich nach uns sehnt. Deshalb ist das „Wort Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, damit wir seine Herrlichkeit schauen dürfen,“ wie es uns der Johannesprolog heute gesagt hat. Obwohl er uns nicht braucht, beschenkt er uns mit dem Größten und Wertvollsten, was es überhaupt geben kann: mit sich selbst, mit seiner Liebe und Gegenwart in der Gestalt dieses kleinen und wehrlosen Kindes. Der Name des Kindes heißt „Gott rettet“. Möge uns, liebe Brüder und Schwestern, der liebende und versöhnende Gott im neuen Jahr 2022 aus allen Gefahren, die uns an Leib und Seele bedrohen, erretten. Damit wir glücklich sind in Ihm und immer glücklicher werden. Amen.

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