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So. 31.10.21

Mit dem Herzen lieben

Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Gott ist einzig, ihn gilt es zu lieben, mit ganzem Herzen, ganzer Seele, mit allen menschlichen Kräften.

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Perikopen: Dtn 6,2-6                 Mk 12,28b-34

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

„Höre Israel! Der Herr unser Herr ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott lieben, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzer Kraft.“ Diese Zeilen, die wir in der Lesung aus dem Buch Deuteronomium gehört, ist das Grundgebet unserer jüdischen Glaubensgeschwister. Es ist hat für Juden jenen Stellenwert, wie für uns Christen das Vater unser. Gott ist einzig, ihn gilt es zu lieben, mit ganzem Herzen, ganzer Seele, mit allen menschlichen Kräften. Gottesliebe in Höchstform. Alles läuft auf die Gottesliebe hinaus. Was machen Juden mit diesem Gebet? Was ist hier auch für uns Christen wichtig?

 

Erstens: Diese Worte müssen im Herzen geschrieben stehen. Gottesliebe muss das Herz prägen. Strenggläubige Juden tragen diese Worte in kleinen Kästchen an Gebetsriemen geheftet, die sie um die Hand binden. Damit möchten sie ausdrücken, dass Gott, der Herrn, der erste Platz in ihren Gedanken und Herzen haben soll. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber gerade in der wärmeren Jahreszeit stellen manche Menschen gerne Tätowierungen am Körper zu Schau. Manchmal sind hier Namen von Kindern oder Ehepartnern bzw. wichtige Daten des Lebensweges dargestellt. Wie gesagt, über Geschmack lässt sich streiten, aber Derartiges drückt aus: Wichtiges soll mein Leben prägen, das soll eintätowiert bleiben, das soll nicht weggehen. So dürfen wir vielleicht dieses Gebet verstehen: Gottesliebe eintätowiert in unser Herz. Gottesliebe prägend mein Denken und Handeln. Im Englischen gibt es die Redewendung „To learn by heart- mit dem Herzen lernen.“ Das, was ich im Herzen habe, bestimmt mein Leben, das ist mein Kompass. Gottesliebe muss in mein Herz hinein. Ich kann Gott nicht leben mit den Resten meines Interesses und mein Zeit. Gott fordert immer den ganzen Menschen.

 

Zweitens: Diese Worte müssen wiederholt werden. Im Glauben ist das Entscheidende die Wiederholung. Da wird der Glaube geübt. Wir üben uns in den Glauben ein. „Darum sollst du den Herrn, deinen Gott lieben, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzer Kraft.“ Das wäre ein Satz, den man sich leicht merken könnte. Das wäre ein Satz, den man eigentlich leicht wiederholen könnte im Laufe eines Tages: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzer Kraft…..“ In der christlichen Gebetspraxis gibt es die sogenannte Ruminatio, das heißt wörtlich übersetzt Wiederkäuen im Herzen. Wie ein Kuh, das Gras, das sie gefressen hat immer und immer wiederkäut, bis es ganz unten ist, und sie satt ist, so müssen wir dieses Wort immer und immer wiederkäuen. Dann wird uns nämlich bewusst, was Gottesliebe bedeutet. Die Initiative geht von ihm aus, er hat mich zuerst geliebt. Deshalb kann ich ihn auch lieben. Das muss ich mir immer und immer wieder sagen, biss es drinnen ankommt, bis es mich sättigt. Von dieser Gottesliebe lebt der Mensch, das bringt etwas. In dieser Woche haben wir einmal den schönen Satz aus dem Römerbrief gehört: „Wir wissen, das Gott bei denen, die ihn lieben alles zum Guten führt,“ oder in einer anderen, prägnanteren Übersetzung „denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Guten.“ Kindern sagt man, dass sie das Essen gut kauen müssen. Auch uns sind gute Kauübungen dieser Worte ans Herz gelegt.

 

Drittens: Diese Worte müssen erweitert werden. Jesus fügt hinzu, dass auch ein weiteres wichtig ist, die Nächstenliebe. „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.“ Auch dieser Satz war nichts neue. Er stand ebenfalls im Alten Testament, im Buch Levitikus. Jesus hat die Nächstenliebe also nicht erfunden, aber er erinnert an sie. Gottes- und Nächstenliebe müssen verknüpft sein, gehören immer zusammen. Es ist immer die Gefahr vorhanden diese beiden Gebote gegeneinander auszuspielen oder eines zu vernachlässigen. Sie gehören jedoch zusammen. Sie sind zwei Angeln auf denen eine Türe hängt. Die Nächstenliebe ist das Erprobungsfeld der Nächstenliebe. Auf einer alten Kirche war einmal eine Tafel mit dem Satz: „Hier kommt man her, um Gott zu lieben. Von hier geht man weg, um den Nächsten zu lieben.“ Eine Theologin hat hier folgenden Satz mit der Überschrift „Wahre Gottesliebe“ geschrieben, der ausdrückt, worum es geht. Er lautet: „Gott wird nicht geliebt, wo der nächste nicht geliebt wird. Gott zu lieben und den Nächsten zu lieben, das sind zwei nicht Gebote, die man gegeneinander abwägen, gar gegeneinander ins Feld führen müsste! Meister Eckhart, der große Gotteslehrer, sagte es einmal so: Wenn jemand mitten in einer Entrückung ist, einer liebenden Gotteserfahrung, so stark, wie es Paulus widerfuhr, und ein kranker Mensch braucht ein Süpplein von ihm, dann wäre es weit besser für ihn, von der Minne zu lassen und dem Bedürftigen zu dienen – in größerer Minne.“  Da haben wir wahrscheinlich noch viel zu erweitern, noch viel zu lernen.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

„Höre Israel! Der Herr unser Herr ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott lieben, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzer Kraft.“ Diese Worte müssen im Herzen geschrieben stehen, sie müssen wiederholt werden, sie müssen erweitert werden. Das ist Aufgabe für Juden und Christen. Heute ist der letzte Tag des Rosenkranzmonates Oktober. An der Hand der Gottesmutter könnten wir einmal das Gesätzchen beten: ..Jesus, der will, dass ich den himmlischen Vater liebe…., Jesus, der will, dass ich den Nächsten liebe.“ Amen.

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