Dienstag 23. Oktober 2018

Hast du gefragt?

Beitrag beim Menschenrechtesymposium 2017 von Elisabeth Stütz
 
Ich kenne die Häuser. Ich bin hier nicht aufgewachsen, aber ich kenne sie. Elisabeth Stütz

 

Wenn wir in meiner Kindheit von den einen Großeltern zu den anderen fuhren, von St. Georgen nach Langenstein, sah ich sie. Die Baracken in Gusen, das Memorial aus grauem, fahlem Beton. Schau! - dort ist die alte Bahntrasse.

 

Ich weiß, wo das KZ war.
 
Wenn man, Richtung Langenstein, am Ende von Gusen direkt nach der Baracke an der Straße, links hinein fährt, an den Industriegebäuden vorbei, hinauf, noch zwei Kurven nimmt, gelangt man zu meinen Bienen.

 

Im Schutz eines kleinen Hügels stehen sie, vor ihnen ein paar Meter, dann fällt die Erde ab und ergießt sich in Wildnis. Es ist ein guter Stand. Mit reicher Tracht. Von den Weiden im Frühjahr über die Brombeeren im Sommer bis zum wuchernden indischen Springkraut. Dessen Pollen im Herbst noch Sanduhren auf die Rücken der Bienen malt.

 

Als ich zu imkern begann, vor 3 Jahren meinem Großvater dabei half, wollte ich die Lage des Bienenstands genau wissen. Ich habe Satellitenbilder mit den Karten des KZ verglichen. Da sind einige Bauten, darunter liegt ein Steinbruch, darüber liegt ein anderer, aber mein Bienenstand liegt nur am Rand des Lagers. Unten, dort wo jetzt die Häuser stehen, da war das KZ, aber nicht hier oben, nicht dort, wo meine Bienen leise summen.

 

Manchmal treffe ich Leute, die meinen: "Wir haben ja von nichts gewusst. Uns ist ja nichts erzählt worden. Die Menschen, die damals lebten, die haben ja nichts erzählt." 

 

Dann denk ich mir.

Die Nebenlager des KZ Mauthausen: KL Gusen I und KL Gusen II

Hausarbeit für die Zulassung zur Lehramtsprüfung von Judith Haunschmied. 1997

vorwissenschaftliche Arbeit von Stefan Nuspl über Johann Gruber

30. März 2011

Vorwissenschaftliche Arbeit von Sibylle Maria Steinkellner

"Vergangenheitsbewältigung in St.Georgen/Gusen (1998-2015)"

KUNSTPROJEKT „Passage gegen das Vergessen“

Freiräumen - von Ulrike Burger

 

Mauern aus Angst,

Barrieren aus Scham,

abwehrbereit…

Hinter glatter Fassade

brütet das Schweigen.

 

Wirfst du den Stein

in den Tümpel,

zerbricht

der friedliche Schein.

In den Tiefen

lauert der Schlamm

und Klares wird trübe.

 

Lass fallen den Stein!

Kreisende Wellen

tragen Dunkles ans Ufer….

Im klärenden Licht

kann die Hoffnung

neu keimen.

Feierstunde zur Übergabe des Kunstprojektes

Text zum Namenszug „Johann Gruber“ Pfarrheim von Mag. Siegi Witzany

 

 

 

 

 

Mir scheint, auf der Fassade des Pfarrheimes ist mehr passiert als die Anbringung von 12 zusätzlichen Buchstaben. Der Name, den sie bilden, kann Programm sein für unsere Pfarre, unsere Gemeinden und unsere Region. Ich betrachte die einzelnen Buchstaben und assoziiere meine Gedanken.

 

 

 

 

 

 

J    Ja sagen zum freien Willen, der uns Menschen geschenkt ist
O   Ohne Furcht seinen Weg gehen
H   Heimat nicht als Besitz betrachten, sondern den Auftrag sehen, auch anderen Heimat zu geben.
A   Angst überwinden
N   Not wahrnehmen
N   Nie sich beugen vor der Unmenschlichkeit


G   Gedenken an Leid, Tod und menschliche Abgründe, aber auch an Personen, die Widerstand leisteten
R   Rückgrat zeigen und gegen rechte Tendenzen mit Nachdruck auftreten
U   Unerschrocken auf der Seite der Schwachen stehen
B   Beispiel sein für die junge Generation
E   Einsicht gewinnen in unsere Verantwortung für den Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
R   Ruhe möge der kritischen Wachsamkeit weichen

 

Johann Gruber, für viele Papa Gruber, Vater Gruber!
Wir können nur ahnen, was du deinen Schützlingen und Kameraden bedeutet hast. Unsere Pfarre war deine letzte Wirkungsstätte als Priester, Lehrer und Mensch in der besten Bedeutung des Wortes. Wenn unser Pfarrheim nun deinen Namen trägt, so soll er den Menschen jeglicher Herkunft und Zugehörigkeit Mut machen zur Gestaltung einer gerechten und friedlichen Welt. Freude erfüllt uns, wenn deine Lebensgeschichte und die Leidensgeschichte deiner Kameraden nun hier einen bleibenden Ort haben.

Katholische Kirche in Oberösterreich
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