Dienstag 26. September 2017

Helmut Wagner: Dr. Johann Gruber. Priester - Lehrer - Patriot (1889-1944)

Nonkonformität und ihre Folgen in der Zeit des Nationalsozialismus

 

Mit Dr. Johann Gruber wird eine wenig bekannte Priestergestalt Österreichs thematisiert. Dass dies bisher kaum geschehen ist, wird von seinen ehemaligen Mithäftlingen des Konzentrationslagers Gusen sehr bedauert. Aber das Schweigen in seiner Heimat hat Gründe: Zu sperrig ist seine Persönlichkeit und zu sensibel seine Priesterlaufbahn, als dass die Kirche damit von sich aus ohne Weiteres an die Öffentlichkeit gehen wollte. Die historische Würdigung von Opfern des Nationalsozialismus darf vor der Komplexität einer Biografie jedoch nicht haltmachen.

Der Autor geht dem Leben Johann Grubers ausführlich nach und stößt auf einen Mann mitmarkanten Eigenschaften: auf einen loyalen Priester, einen begnadeten Lehrer und einen glühenden Patrioten. Johann Gruber hat es seinen kirchlichen Vorgesetzten nie leicht gemacht. Aber er hat als Priester, Lehrer und Erzieher zugunsten von Waisenkindern, blinden Kindern und Jugendlichen der Blindenanstalt wegweisend gearbeitet und für jugendliche KZ-Häftlinge sein Leben aufs Spiel gesetzt – und mit dem Tod bezahlt! (Quelle: Klappentext)

 

470 Seiten, Hardcover, zahlr. s/w. Abb.,  ISBN: 978-3-902330-56-7, Preis: 32,00 Euro

erhältlich im Buchhandel sowie im Wagner-Verlag: http://www.wagnerverlag.at

Christoph Freudenthaler: "Papa Gruber, Priester und Pädagoge"

unveröffentlichtes Manuskript, 2009

aus dem Manuskript:

 

"Dr. Johann Gruber war auf dem ersten Blick kein „außergewöhnlicher Priester“, schon gar kein „Frömmler“ und auch kein Missionar. Auf manche seiner kirchlichen Zeitgenossen wirkte er bisweilen sogar als eher schwierige und streitbare Persönlichkeit. Schon als Kooperator galt er als Unangepasster - ausgedehnte Gebetszeiten und Liturgien waren nicht seine Sache, wodurch er auch in Konflikt mit den Schwestern geriet, mit denen er nicht nur als vorgesetzter Direktor, sondern auch als deren Hausgeistlicher verbunden war."

 

 

hier klicken: gesamtes Manuskript als PDF Dokument

Witzany Siegi, Statement zu Dr. Johann Gruber

gehalten am KünstlerInnen-Tag am 24.03.2012

 

Seit ich mich mit der Thematik des 3. Reiches, des Holocaust und der 2. Weltkrieges auseinandersetze, und das geht weit zurück - bis in meine Jugendjahre und dann später im Zuge meines Engagements im Gedenkdienstkomitee Gusen - beschäftigt mich EINE Frage:

 

Warum sind die einen dem Nazi-Regime voll auf den Leim gegangen, zu Mitläufern und sogar zu Mittätern geworden, während andere - zugegeben eine Minderzahl - ungeachtet ihrer Jugend (ich denke hier an die Geschwister Scholl), ungeachtet ihrer einfachen Herkunft (wie ein Franz Jägerstätter) und ungeachtet des herrschenden Terrors sich einen ungetrübten Blick für Gut und Böse und einen aufrechten Gang bewahrt haben?

Mag. Witzany Siegi: "Dr. Johann Gruber - eine Botschaft für heute"

erschiehen in: 400 Jahre Markt St. Georgen an der Gusen, S. 143/144

Die Geschichte unserer engeren Heimat ist untrennbar mit einem der dunkelsten Kapitel österreichischer Geschichte verbunden. Die Verschleppung, Internierung, Ausbeutung und Vernichtung von unerwünschten Menschengruppen in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft hat in den Konzentrationslagern Gusen und Mauthausen tausende Opfer aus ganz Europa gefordert. Es ist eine schmerzhafte Erkenntnis, dass sich dabei auch viele Österreicher durch aktives Mittun oder passives Mitläufertum schuldig gemacht haben. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass es in Österreich damals durchaus auch Menschen gegeben hat, die sich von der NS-Propaganda nicht verführen ließen, sondern die sich ein kritisches Urteilsvermögen bewahrten und auf unterschiedliche Weise Widerstand leisteten. Sie mögen unter den damaligen Zeitumständen zu schwach gewesen sein, um die tragischen Ereignisse gänzlich zu verhindern, geben aber noch heute ein ermutigendes Zeichen, wie wichtig Zivilcourage zu jeder Zeit ist.

Zu den Menschen, die den NS-Machthabern die Stirn boten, zählte der oberösterreichische Priester und Pägagoge Dr. Johann Gruber, der es stellvertretend für viele aufrechte Österreicher verdient, in unserer Erinnerung zu bleiben.

Flattinger Josef: "In Memorian Dr. Johann Gruber"

erschienen in: St. Josef Korrespondenz, 8. Jahrgang, März 1965, Nummer 1; S. 2-3
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