Samstag 26. Mai 2018

Schritte des Erinnerns

St. Georgen an der Gusen im Nationalsozialismus

 

 

Dieser Folder begleitet in Form eines Rundganges  zu einigen ausgewählten, historisch bedeutsamen Orten und ihrer Geschichte. Der Weg führt vom
Kunstprojekt auf dem Kirchenvorplatz bis zum ehemaligen Stolleneingang und zurück. Er verknüpft historische Geschehnisse mit der Gegenwart.

Die Gestaltung und die Wahrnehmung historischer Orte der Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus haben heute große Bedeutung für das individuelle Erinnern und aktive Gedenken an diese Zeit.

Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft waren in den Konzentrationslagern auf dem Pfarrgebiet von St. Georgen an der Gusen – dieses umfasst die politischen Gemeinden Langenstein, St. Georgen an der Gusen und Luftenberg – ungefähr 80 000 Menschen inhaftiert, von denen etwa 40 000 grausam zu Tode kamen. „Bergkristall“ war die zynische Tarnbezeichnung der ab Anfang 1944 in St. Georgen an der Gusen realisierten Stollenanlagen für die streng geheime Serienproduktion von Flugzeugteilen der Firma Messerschmitt.

Die Erinnerung an diese schrecklichen Ereignisse zwischen 1938 und 1945 wurde in Mauthausen und später auch in Gusen in vielfacher Weise thematisiert, vermittelt und verortet. Die enorme Bedeutung von St. Georgen an der Gusen für die Realisierung der NS-Verfolgungs- und Vernichtungspolitik hat jedoch noch wenig Eingang in die historische Aufarbeitung sowie in das kollektive Gedächtnis gefunden. Vor dem Hintergrund der engen Verflechtung zwischen den KZ-Verbrechen und den Lebensräumen der Bevölkerung erklärt sich vielleicht der teils bis heute bestehende Widerstand, sich mit diesem nach wie vor bedeutsamen Teil der eigenen Ortsgeschichte auseinanderzusetzen.

2013 wurde mit der Realisierung des Kunstprojektes Passage gegen das Vergessen der Berliner Künstlerin Renate Herter begonnen. Ihre subtilen Eingriffe haben sich in einem mehrmonatigen und mehrstufigen Prozess in den Platz zwischen Kirche und Pfarrheim eingeschrieben, dadurch zahlreiche Diskussionen ausgelöst und letztlich die Wahrnehmung des Ortes und seiner Geschichte verändert.

Das Projekt ist ein weiterer Beitrag für den aktiven Prozess des Erinnerns an die Opfer der Konzentrationslager in dieser Region sowie an Johann Gruber als Beispiel für Menschlichkeit und Zivilcourage. Es markiert einen wesentlichen Schritt in einer langfristigen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit von St. Georgen an der Gusen.

Katholische Kirche in Oberösterreich
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