Dienstag 20. November 2018
Diözesanarchiv

Geschichte der Diözese Linz im Überblick

Das Linzer Diözesangebiet gehörte mehr als 1000 Jahre zum Bistum Passau. Die Diözese Linz wurde 1783/85 errichtet. Das Territorium entspricht in etwa dem Bundesland Oberösterreich.

 

Schon vor Christi Geburt wurde das Gebiet des heutigen Oberösterreich (mit Ausnahme des Mühlviertels) dem römischen Reich eingegliedert. Dies bedingte auch Kontakte mit dem Christentum. Die Passio des hl. Florian (+ 304) und die Hinrichtung von 40 Christen in Lauriacum (Lorch bei Enns) weisen auf frühe christliche Gemeindebildungen in unserer Heimat hin. In der Vita des hl. Severin (+ 482) ist dessen caritatives Wirken in Oberösterreich angesichts der Not der hereinbrechenden Völkerwanderung dokumentiert.

 

Die kirchliche Organisation war jedoch zusammengebrochen. Die Reorganisation der Kirche Bayerns, die von iroschottischen Mönchen missioniert worden war, erfolgte unter dem hl. Bonifatius (+ 754). In dieser Zeit gründete das bayrische Herzogshaus die Klöster Mondsee (748) und Kremsmünster (777). Eine prominente Kirchenstiftung markiert die Nennung der Martinskirche in Linz (799). Das kirchliche Aufbauwerk konnte aber erst unter dem Passauer Bischof Pilgrim (971-991) endgültig gefestigt werden.

 

Im Umfeld der kirchenpolitischen Wende im ausgehenden 11. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts (Investiturstreit, innerkirchliche Reformen) wurde die "Reichskirche" in eine "Papstkirche" umstrukturiert, das Priesterbild streng an monastische Lebensformen (Zölibat) ausgerichtet. Die reformierten Klöster zeigten große Strahlkraft und prägten das "Kirchenbild". Die Straffung der Seelsorgeorganisation förderte die Ausbildung von Sprengeln mit "festen Grenzen", privilegierter Hauptkirche (Pfarrkirche) und mit herausgehobenen Kompetenzen des leitenden Priesters (Pfarrers). An der Mitwirkung der Laien im Niederkirchenwesen (z. B. Patronat) wurde festgehalten. Dem Bedarf an zusätzlichen Seelsorgeleistungen in den neuen städtischen Siedlungen entsprachen recht erfolgreich die Bettelorden.

 

Das Pilger- und Wallfahrtswesen erlebte im Spätmittelalter einen enormen Aufschwung, St. Wolfgang und Adlwang zählten zu den beliebtesten Wallfahrtszielen im Land. Ein starker Frömmigkeitseifer zeigte sich im Reliquienkult, Reklusentum (Wilbirg) und im Bruderschaftswesen.


Politische Unruhen und Naturkatastrophen verleiteten die Menschen auf der Suche nach Sündenböcken nicht selten zur Ablehnung, ja Vernichtung Andersdenkender und Andersgläubiger (Hussiten, Juden).

Die Gotik war die fruchtbarste Periode für den Kirchenbau in Oberösterreich. Mit den Kirchen in Braunau, Steyr, vor allem in Mondsee und Eferding entstanden (bis zum Bau des Neuen Domes in Linz) die größten Gotteshäuser des heutigen Bistums.

Wenige, aber exquisite Bildwerke dokumentieren die einst überreichen gotischen Ausstattungen unserer Kirchen (Flügelaltäre in Gampern, Hallstatt, St. Wolfgang, Kefermarkt, der Altdorfer Altar zu St. Florian, Schutzmantelmadonna von Frauenstein).

Das bunte Bild spätmittelalterlicher Religiosität war nicht frei von Schatten. Reformansätze wurden mehrfach gefasst, führten aber nicht zur grundlegenden Erneuerung. Auch im kirchlichen Bereich fühlten sich breite Bevölkerungsschichten nicht ausreichend angesprochen. Martin Luther lenkte vor allem den Blick auf die subjektive Heilserfahrung.

 

Der Verfall der (alten) Kirchlichkeit ab dem 2. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts erfolgte jedenfalls rascher als der Aufbau neuer Strukturen. So wurde die katholische Pfarrstruktur nicht wirklich durch eine evangelische Pfarrorganisation ersetzt.

Als der katholische Landesfürst die Konfessionstreue mit der Frage der Staatstreue verknüpfte, wurde die mehrheitlich protestantische Bevölkerung des Landes in schwere Konflikte gestürzt. Die Anwendung auch militärischer Machtmittel sollte die Glaubenseinheit zurückbringen, was nach außen hin gelang; das Faktum der Glaubensspaltung blieb.

 

Abgesehen vom materiellen Schaden, den es nur mühsam zu beheben gelang, war vor allem ein geistiger Neuaufbau gefordert. Innerkirchliche Reformen gingen vom Konzil von Trient (1545-1563) aus und mit besonderer Wirkung von den durch die katholische Dynastie geförderten Orden, vor allem den Jesuiten und den Kapuzinern.

Durch Schulorden wurde etwa den Mädchen erstmals der Zugang zur weiterführenden Schullaufbahn eröffnet, dem vermehrten Bedarf an medizinischer Versorgung, vor allem in den Städten, wurde durch Spitalorden und Stiftungen entsprochen; mitunter recht ansehnliche Stiftungen befähigten zu regelmäßigen Vergabungen an Arme oder Verarmte. Alltag und Festtage waren kirchlich geprägt und fanden auch Ausdruck in den Schöpfungen der Architektur, im Bereich der Plastik und der Musik sowie in der Pflege der Wissenschaft.

 

Durch die Aufklärung setzte sich aber eine emanzipatorische und als solche fast zwangsläufig säkulare Geisteshaltung durch; diese Situation sollte unser Bistum sehr nachhaltig prägen.

 

Mit der Gründung der Diözese Linz (1783/85) wurde die angestammte enge Verbindung zum Bistum Passau abrupt getrennt. Diesem herben Schnitt folgten Eingriffe im Bereich des Kultes. Dies sowie die massive Reduktion der Klosterlandschaft ("Klostersturm"), die Verdichtung des Pfarrnetzes, das Toleranzpatent (1781) etc. verbinden wir mit dem Begriff Josephinismus. Seit dem Wiener Kongreß war das Linzer Bistumsgebiet (das Innviertel eingeschlossen) gesichert.

 

Die Folgen des Revolutionsjahres 1848 lösten auch für den kirchlichen Bereich mehrfache Fesseln. Doch die neuerliche Privilegierung der katholischen Kirche im Konkordat von 1855 wurde in der liberalen Ära scharf bekämpft, wogegen sich Bischof Franz Joseph Rudigier (+ 1884) vehement aber vergeblich zur Wehr setzte. Der Kulturkampf führte indirekt aber auch zur Profilierung der Katholiken in Presse und Politik; eine Vielzahl von neuen Ordensniederlassungen und eine starke Volksfrömmigkeits-Bewegung prägten das Kirchenbild. Das Baukonzept des "Neuen Domes" in Linz (Grundsteinlegung 1862, Weihe 1924) symbolisiert nicht nur eine restaurative Antwort auf Aufklärung und Revolution (1848), es war auch Ausdruck der Identitätssuche des jungen Bistums.

 

Konnte bereits Bischof Joseph Anton Gall (+1807) ein neues Priesterseminar in Linz eröffnen, so gelang es erst Bischof Franz Maria Doppelbauer auch ein neues Diözesan-Knabenseminar (Kollegium Petrinum, 1897) zu errichten, das zuvor 46 Jahre die Jesuiten am Freinberg geführt hatten. Die traditionsreiche Theologische Diözesan-Lehranstalt wurde 1978 (1988 definitiv) in eine Katholisch-theologische Fakultät päpstlichen Rechts umgewandelt, 2000 erhielt sie den Status einer Privatuniversität zuerkannt.

 

Die enge Bindung der katholischen Kirche an die Habsburgerdynastie färbte Innen- und Kirchenpolitik über den Sturz der alten Ordnung (1918) hinaus. 1941 starb der letzte vom Kaiser ernannte Bischof von Linz, Johannes M. Gföllner

 

 

Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft (1938-1945) bedrohte die Kirche personell und strukturell. Dies zeigte sich etwa durch die Liquidation des katholischen Vereinswesens, der katholischen Presse und der konfessionellen Schulen, Enteignung zahlreicher kirchlicher Einrichtungen (fast aller Stifte und Klöster), Überwachung, "Schulverbot" und Verhaftung kirchlicher Amtsträger, Einstellung staatlicher Finanzleistungen für den Unterhalt des Kirchenpersonals sowie der Leistungen der öffentlichen Patronate für den Bauaufwand.


Die existentielle Bedrohung bewirkte aber auch Aufbrüche und eine intensive Suche nach neuen Wegen (Liturgiereform, Religionsunterricht auch durch Laien sowie in der Diakonie). So konnte nach dem 2. Weltkrieg eine veränderte Kirche den Aufbau beginnen und, emanzipiert, 1952 eine "freie Kirche in einer freien Gesellschaft" fordern.


Die folgenden Jahrzehnte kennzeichnen auch der äußerlich sichtbare Ausbau der kurialen Ämter und die Belebung der strukturellen Einrichtungen besonders in den Pfarren (Kirchenneubauten, Pfarrheimerrichtungen, Pfarrgründungen), die Förderung der Laienorganisationen (Katholische Aktion) und des Bildungswesens (z. B. KBW, Bildungshäuser), das Engagement im Entwicklungshilfedienst sowie im sozial-caritativen Bereich. Die materielle Basis für die kirchlich-pastorale Arbeit bildet bis heute das 1939 eingeführte Kirchenbeitragssystem.


Das 2. Vatikanische Konzil (1962/1965) schuf weltweit die Voraussetzung für eine zeitgemäße Identifikation mit der Liturgie und mit dem kirchlichen Leben. Hier sind vor allem zu nennen der Gottesdienst in der Muttersprache sowie die neue institutionelle Verankerung der Mitverantwortung der Christen (die erste Pfarrgemeinderatswahl erfolgte 1973). Die im Bistum Linz begeistert aufgenommenen Reformen fanden auch Entsprechung und Ausdruck in Architektur und künstlerischer Gestaltung des Kirchenraumes.

 

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