Dienstag 27. Juni 2017

Kunst - Sonntag 2017

Knappe Ressourcen in Kirche und Staat: Was bleibt für die Kunst?

 

Nachbericht

 

„Ich brauch ka Kunst,“ mit diesem prägnanten Sager, fängt Hofrat Dr. Paul Stepanek, Vorsitzender des Forum St. Severin, den Kunstsonntag am 21. Mai 2017 die erste Reaktion vieler Menschen auf die Frage nach der Wertigkeit von Kunst ein. Warum Staat und Kirche Kunst brauchen und wieviel sie Wert ist oder sein sollte war dann auch Hauptthema der Diskussion im Festsaal des NORDICO-Stadtmuseum, wobei Stepanek gleich selbst die Weitung über den pekuniären Rahmen hinaus vornahm.

 

Kunst-Sonntag 2017

Podium v. l.: Reinhard Kannonier, Elisabeth Manhal, Paul Stepanek, Anna Minta, Hubert Nitsch

 

Die erste Runde der Eingangsstatements der PodiumsteilnehmerInnen brachte breit gefächerte Antworten auf die Fragestellung und unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema.
Die Kultursprecherin der ÖVP im OÖ Landtag, Dr. Elisabeth Manhal ließ das Budget sprechen und legte dar, dass die 197 Millionen des OÖ Kulturbudgets auch einer Wertigkeit der Kultur entsprechen. Diese finde auch in der Bevölkerung Rückhalt: die Hälfte der für eine Budgetstudie befragten, befinden das Kulturbudget für angemessen, ein Viertel es für zu hoch und das andere Viertel es für zu niedrig. Trotz manches politischen Gegenwinds halte die ÖVP an den Budgetzahlen für Kultur fest, da sie Kultur auch als Triebfeder für die wirtschaftliche Entwicklung von OÖ halte. „Menschen lassen sich dort nieder, wo Kultur ist. Und heutzutage gilt für Firmen das Prinzip: Job follows people – Unternehmen lassen sich dort nieder, wo kreative Menschen sind. Deswegen sind Investitionen in Kultur auch langfristige Investitionen für die Wirtschaft.“ Beim Blick in die Zukunft hinsichtlich knapper werdender Ressourcen forderte die Politikerin dann dennoch Offenheit gegenüber neuen Finanzierungsmodellen und Mut für neue Wege, wie Kunst und Kultur vorangebracht werden könne, ein.
Diesem letzten Argument widersprach Universitätsprofessorin Dr. Anna Minta vehement. „Es gibt noch immer Wohlstand. Es ist nur eine Frage der Verteilung“, argumentierte sie und forderte von der Gesellschaft eine interessensfreie Förderung und die „Bereitung eines guten Umfeldes für Kunst und Kultur“ als Ausdrucksformen vielfältiger Meinungsfreiheit und provokanter Anfragen an die Gesellschaft, ein.
Diözesankunstreferent und Diözesankonservator MMMag. Hubert Nitsch bezog sich auf den Titel der Veranstaltung indem er den Begriff der Ressourcen erweiterte und neben finanziellen auch auf die Ressourcen der Geschichte und Identität aber auch der Spiritualität und Religion hinwies. Über 90% der Kulturgüter in OÖ werden von der Kirche verwaltet. In einer Zeit, wo die katholische Religionszugehörigkeit abnimmt, wird Kirche auch als Kulturraum und einzigartiger kultureller Nahversorger gesehen. Kommunikation ist dabei der Schlüssel für gemeinsame Lösungen. Mit Nitschs Schluss-Zitat des Altlandeshauptmann Josef Pühringer „Kultur kostet Geld, Unkultur kostet ungleich mehr“ schloss dann sogleich der Rektor der Kunstuniversität Linz Universitätsprofessor Dr. Reinhard Kannonier an. Die Innovationskraft der Menschen sei in einer globalisierten Gesellschaft und einem Land ohne Bodenschätze die größte Ressource und mache Österreichs und Europas wirtschaftliche Standortqualität aus. Kernkompetenz für die Innovation sei Kreativität und diese wiederum Kernkompetenz der Kunst. „Förderung der Kunst ist also eine Überlebensfrage“, betonte der Rektor. Er schloss sich der Forderung Mintas nach bedingungsloser Kunstförderung an, lehnte aber privates Sponsoring, wie es in der Schweiz und Deutschland üblich ist, nicht ab.

 

Kunst-Sonntag 2017
Kunst-Sonntag 2017
Kunst-Sonntag 2017
Kunst-Sonntag 2017
Kunst-Sonntag 2017

 

Dr. Stepanek, selbst Vorsitzende des Kulturbeirates des Landes OÖ und Obmann des Forums Volkskultur lenkte die anschließende Diskussion indem er das Gesagte zusammenfasste und durch provokante Anfragen neu belebte. Auf die Frage nach der Vermittlung dieses kulturellen Auftrags von Kirche und Staat an „den kleinen Mann von der Straße“ kam als Antwort unisono die Bildung und Vermittlung an Kinder und Jugend, die dann auch rückkoppelnd auf die Eltern wirken könne. In den Pfarren werde vor allem über die Ausbildung von KirchenpflegerInnen Bewusstsein für die eigenen Kulturgüter geschaffen. Diese tragen das Bewusstsein oft auch weiter in die politischen Gemeinden, so Nitsch zu den Bemühungen von Seiten der Diözese. Außerdem werde bei Kunstprojekten mit zeitgenössischen KünstlerInnen die Gemeinde eingebunden, sodass eine intensive Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst entstehe. Rektor Kannonier brachte einen konträren Blickwinkel in die Diskussion ein: „Kunst war nie ein Mehrheitsprozess, aber die Resultate wurden ein Mehrheitsprojekt.“ Man müsse und könne die Brüche nicht immer schließen, solle aber vor allem in jungen Menschen die Offenheit Anderem gegenüber stärken.
In der weiteren Diskussion betonte Diözesankunstreferent Nitsch, dass angesichts knapper Ressourcen und Finanzüberschreitungen bei Bauprojekten nur zu oft nichts für die Kunst zu bleiben droht. Kommunikation und gemeinsame Lösungsorientierung könne jedoch auch die Begegnung auf Augenhöhe wieder herstellen.
In der Diskussion mit dem Publikum wurden noch Themen um die Wertung von Kunst-Förderung hinsichtlich der caritativen Anforderungen, die Frage nach den Aufgaben von Kunst hinsichtlich sozial Benachteiligten und der Bewussten Nutzung von Kreativität in der Wirtschaft, sowie das Thema der aktuellen baulichen Stadtentwicklung in Linz aufgeworfen. Die Diskussion wurde beim anschließenden Empfang intensiv und in verschiedenen Kreisen weitergeführt.

 

Kunst-Sonntag 2017

Blockflöten-Trio „b.hertzt“: Lisa Feller, Franziska Karner, Magdalena Rath

 

Erwähnenswert ist auch die in das Thema einstimmende Predigt von Dr. Markus Schlagnitweit, Geistlicher Assistent des Forum St. Severin und Künstlerseelsorger der Diözese und die ungewöhnliche Musikalische Gestaltung mit ganz alter und ganz neuer Musik durch das Blockflöten-Trio „b.hertzt“ (Lisa Feller, Franziska Karner, Magdalena Rath) beim Gottesdienst vor der Veranstaltung in der Ursulinenkirche.

 

Predigt von Dr. Markus Schlagnitweit zum Kunst-Sonntag 2017

 


 

Tschechien - Gesellschaft und Religionspolitik im Focus

Studienreise des KAVÖ

 

Wir reisen nach Prag, Olomouc, Zlín und Brno, lernen die katholische akademische Szene kennen, treffen interessante Persönlichkeiten des Landes, nehmen die Zeichen der Zeit wahr, in dem wir beobachten, Fragen stellen und darüber ins Gespräch kommen.

 

Planung und Organisation: Mag. Magda Krön und Dr. Petr Slouk

Informationen und Anmeldung unter p.slouk@edw.or.at oder 01 51552 5102

 

Ausschreibung Studienreise nach Tschechien des KAVÖ


 

Frans van der Lugt Center im Libanon

Schenken Sie einem Flüchtlingskind im Libanon einen Schulplatz!

 

Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten hat im Libanon Schulen und Sozialzentren für 2.500
syrische Flüchtlingskinder aufgebaut. In acht Schulen und Sozialzentren bekommen die Kinder Unterricht, eine Schulmahlzeit, therapeutische Hilfe zur Bewältigung traumatischer Fluchterlebnisse und medizinische Hilfe. Auch Kindergartengruppen und Berufsausbildung werden unterstützt. Den Kindern wird unabhängig von Religion und Herkunft geholfen. Eines dieser Zentren ist das Frans van der Lugt Center in Bourj Hammoud nordöstlich von Beirut.
Nähere Informationen: www.jesuitenmission.at/home


Die Katholische Aktion unterstützt dieses Hilfsprojekt und bittet auch Sie um Ihre Hilfe:
Spendenkonto: Menschen für andere – Jesuitenaktion
IBAN: AT942011182253440000
Widmung: Schule für Flüchtlinge im Libanon

 


Forum St. Severin (fss)
Katholischer Akademikerverband
4040 Linz
Mengerstraße 23
Telefon: 0732/244011-73
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

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Herrenstraße 19
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