Großes Juniafest mit Bischofsmesse unter der Neuen Eisenbahnbrücke
Während die Visitation in einer neuen Pfarre eine Premiere darstellt, hat sich der Ort für den Auftakt-Gottesdienst bereits bewährt: Schon ihr Pfarrgründungsfest am 4. Juni 2023 hatte die Pfarre Urfahr unter der Eisenbahnbrücke gefeiert. Drei Jahre später waren trotz Wind und wolkenverhangenem Himmel am 14. Juni 2026 etwa sieben hundert Gläubige aus den acht Pfarrgemeinden der Pfarre Urfahr auf den Platz unter der Eisenbahnbrücke gekommen, um mit Bischof Manfred Scheuer, Generalvikar Severin Lederhilger, Bischofsvikar Christoph Baumgartinger, Visitatorin Brigitte Gruber-Aichberger, Pfarrer Žarko Prskalo, Pastoralvorstand Matthias List und zahlreichen Seelsorger:innen, Diakonen und Wortgottesfeierleiter:innen aus den Pfarrgemeinden den Festgottesdienst zum Visitations-Auftakt zu feiern. Zur Feiergemeinde gehörten Kinder aus den Pfarrcaritaskindergärten genauso wie Familien und Senior:innen, Goldhaubenfrauen, Schwestern Oblatinnen des hl. Franz von Sales und die Gehörlosengemeinde aus der Pfarrgemeinde Urfahr-St. Josef. Bürgermeister Dietmar Prammer und weitere Vertreter:innen von Politik und öffentlichem Leben waren ebenfalls unter den Mitfeiernden. Die Vielfalt der Pfarre Urfahr zeigte sich auch musikalisch: Es musizierte ein „Stand-up-Chor“ aus Sänger:innen aller acht Pfarrgemeinden unter der Leitung von Eduard Matscheko. Der Gebärdenchor der Pfarre Urfahr-St. Josef unter der Leitung von Monika Ullmann begleitete die Lieder in Gebärdensprache. Die Musikkapelle Pöstlingberg-Lichtenberg gab nicht nur dem Festgottesdienst, sondern auch dem anschließenden Frühschoppen eine besondere Note.
„Wir alle sind Mitliebende Gottes“
In seiner Predigt nahm Bischof Manfred Scheuer auf die Müdigkeit und Erschöpfung Bezug, die heutzutage vielerorts spürbar werde: in der Gesellschaft, aber auch in der Kirche. Auf allen Ebenen zeigten sich Krisenphänomene, zu denen noch persönliche Krisen hinzukämen: etwa Existenzängste und psychische Erkrankungen, Verletzungen in Beziehungen, Krankheit oder Abhängigkeiten. „Die Frage ist: Mit welcher Perspektive, mit welcher Grundeinstellung schauen wir die gegenwärtigen Ereignisse an? Mit Ärger, Wut, Hass, Misstrauen, Resignation, Lähmung? Was ist unsere Resonanz?“, fragte Scheuer. Die Bibel zeige deutlich, dass Jesus Mitgefühl mit den Menschen in ihren vielfältigen Nöten gehabt habe. „Mitleid, Mitgefühl, Sympathie bedeutet: Ich mag dich, es zieht mich zu dir hin, ich kann dich gut leiden, aber auch: ich halte dich aus“, so der Bischof. Es gehöre zur „Grundeinstellung Gottes“, dass „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi sind“, zitierte Scheuer aus der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Gegenwärtig seien vielfältige Formen der Apathie, der Abstumpfung und der Gleichgültigkeit zu beobachten. „Nur mehr wenige Menschen sind bereit, mit innerem Engagement und mit ‚Sympathie‘ dieser ‚Apathie‘ zu begegnen“, meinte der Bischof. Jesus habe Apostel ausgesendet, damit diese die Menschen heilten, befreiten, versöhnten und aufrichteten. „Dieser Auftrag gilt nicht nur den Aposteln, sondern allen Christinnen und Christen: Wir alle sind Mitliebende Gottes. Es kommt auf jede und jeden von uns an, es gilt, im eigenen Handlungsbereich Verantwortung zu übernehmen“, betonte Scheuer. Dafür bräuchten Menschen, besonders junge Menschen, die Zusage und das Versprechen: „Wir brauchen dich! Du kannst etwas! Du gehörst dazu!“ Wesentlich sei, immer mehr zu lebendigen, liebenden Menschen zu werden, so der Bischof. „Wozu sind wir als Kirche, als Pfarre, als Christinnen und Christen da? Damit mehr Freude und mehr Liebe in die Welt kommt.“
Segnung der „Juniastäbe“ durch Bischof Manfred Scheuer
Am Ende des Festgottesdienstes wurden von Bischof Manfred Scheuer auch die sogenannten „Juniastäbe“ gesegnet. Die hl. Junia ist die Pfarrpatronin der Pfarre Urfahr. Zu ihr gibt es nur wenige biografische Anhaltspunkte. Sie ist in Cilicien in der Türkei geboren und im 1. Jahrhundert in Rom verstorben, ihr Gedenktag wird am 17. Mai gefeiert. Junia wird als Gefährtin von Paulus, Apostolin, Missionarin und Gemeindeleiterin erwähnt. Im Römerbrief des Apostels Paulus (Röm 16,7) wird sie als „hervorragend unter den Aposteln“ erwähnt. Die Nennung von Junia gilt als der erste und einzige Beleg für eine weibliche Apostolin.
Die Pilgerstäbe aus Holz wurden als partizipatives Kunstprojekt unter Einbeziehung der acht Pfarrgemeinden von der niederösterreichischen Künstlerin Iris Andraschek gestaltet und sollen als verbindende, identitätsstiftende Objekte dienen. Andraschek ging als Siegerin aus einer künstlerischen Ausschreibung hervor, die von Pastoralvorstand Matthias List initiiert und von Martina Gelsinger, Kunsthistorikerin und Kuratorin im Fachbereich Kunst der Diözese Linz umgesetzt wurde. Iris Andraschek entwickelte einen Juniastab in unterschiedlicher achtfacher Ausführung, der aus mehreren Hölzern besteht und durch individuell bedruckte Bänder temporär auch Träger von Botschaften sein kann.
Neben Hölzern aus Urfahr, die von den einzelnen Pfarrgemeinden ausgewählt wurden, hat Iris Andraschek vor Ort an Lebens- und Wirkungsstätten der hl. Junia aus der Türkei, aus Israel und aus Italien zu einem Stab zusammengefügt. Jeder Stab verdeutlicht das Motiv des Pilgerns und gemeinsamen Unterwegsseins mit den und für die Menschen in der Pfarre Urfahr. Präsentiert werden die Stäbe in Betonsockel mit dem Porträt der hl. Junia, das aus Foto-Porträts von knapp hundert Frauen aus den acht Pfarrgemeinden generiert wurde. „Das Bild der Junia ist nicht bekannt, deshalb können wir uns alle in ihr wiederfinden“, so Künstlerin Iris Andraschek zum Junia-Projekt.
Der erste weitere Termin für den Bischof in dieser Visitationswoche fand gleich am Montag früh in der Bäckerei Eichler statt: Hier gehts zum Bericht auf der Diözesan-Seite