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So. 06.09.26

Erntedankfest

Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Erntedank ist ein Fest, das sich nur im Blick auf die Schöpfung Gottes feiern lässt.

Predigt Erntedankfest, 13.9.2026 Neustift, 20.9.2026 Oberkappel, 27.9.2026 Lembach

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Erntedank ist ein Fest, das sich nur im Blick auf die Schöpfung Gottes feiern lässt. Wir glauben an einen Gott, der Freude hat am Schaffen und Hervorbringen. Wir glauben an einen Gott, der uns in sein Schöpfungswerk hineinengsetzt hat, das nicht nur am Anfang gut war, sondern gut ist bis heute. Die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit, die freilich durch die große Hitze des heurigen Jahres gefährdet waren, verdanken sich der guten Schöpfung unseres Gottes. Auf diese Schöpfung dürfen wir heute schauen. Drei Gedanken dazu. Erstens: Was lege ich in die Schöpfung hinein und was hole ich heraus? Zu Erntedank dürfen wir aus der Schöpfung, viele gute Gaben herausholen, wir dürfen ernten. Aber, um nächstes Jahr wieder ernten zu können, müssen wir auch wieder säen. Um etwas herausholen zu können, müssen wir auch etwas hineinlegen, im rechten Verhältnis, in einem halbwegs ausgeglichen Verhältnis. „Wer mit Segen sät, wird mit Segen ernten.“ Ich fürchte, dass uns dieses rechte Verhältnis etwas abhandengekommen ist. Wir holen gerne viel heraus, sehr viel, aber vergessen oft hineinzulegen bzw. die Schöpfung rasten und verschnaufen zulassen. Was habe ich hineingelegt in die Schöpfung und was herausgeholt? Stimmt das Verhältnis halbwegs? Ein bisschen mehr Hineinleger sollten wir sein, nicht nur Herausholer. Und dabei sollen wir doch doch das Bewusstsein haben, dass Gott Wachstum und Gedeihen schenkt. Mit dem Erntedankfest verbinden sich auch die drei Tage vor Christi Himmelfahrt, die Bitttage. Wir bitten den Herrn um Wachstum und Gedeihen. Wir bitten für die Schöpfung. Zum Erntedankfest steht dann der Dank für viel Gereiftes und Empfangenes. Erntedank bringt an den meisten Orten noch viele Menschen in die Kirche, Gottseidank. Die Bitttage schon leider weniger. Wie steht es da um das rechte Verhältnis von Bitten und Danken? Die Bitte und der Dank müssen an die richtige Adresse gehen, nach oben zum Gott. Wir haben einen Gott für die Bitte und den Dank und wir brauchen neues Bewusstsein für den Segen Gottes, den Erntesegen. An Gottes Segen ist alles gelegen. Das gilt für alles, was ich in die Schöpfung hineinlege und für alles, was ich heraushole. Zweitens: Die Schöpfung im Geist des Franz von Assisi verstehen. Am 3. Oktober jährt sich zum achthundertsten Mal der Todestag des heiligen Franz von Assisi. In seinem Sonnengesang, ein großer Lobgesang auf den Schöpfer (GL 864) bringt er sein Schöpfungsverständnis gut zum Ausdruck. Zuerst loben die drei Gestirne am Himmel Sonne, Mond und Sterne Gott. Franziskus vergleicht die Sonne mit Gott in ihrer Schönheit und Macht. Ohne Sonne und Gott gibt es kein Leben, ohne Sonne und Gott ist es dunkel, ohne Sonne und Gott erfriert der Mensch und jedes Lebewesen. Von der Sonne können Mond und Sterne das Licht reflektieren. Nach den Gestirnen treten die vier Elemente der Erde zum Lobpreis an. Wohlgemerkt: Im Sonnengesang danken nicht wir Menschen Gott für die Sonne, die Erde und die Blumen, sondern diese selbst loben und danken Gott. Mir gefällt, dass Franziskus diese als Bruder und Schwester der Menschen bezeichnet. Die Schöpfung ist für nicht ein Gegenstand, den ich nütze und ausbeute, sondern die als meine Geschwister vor und durch Gott mit mir eng verbunden ist. Franziskus lädt uns ein der Schöpfung geschwisterlich zu begegnen, immer wieder auch verzeihend. Spannend finde ich, für welche Eigenschaft des Menschen Franziskus besonders dankt. Es ist die Fähigkeit zu verzeihen. Die Strophe hat einen konkreten Hintergrund. Der Bischof und der Bürgermeister von Assisi waren unversöhnlich in Hass und Streit geraten. Franziskus lädt sie beide zu sich ein und sie kommen. Zwei Brüder singen den Sonnengesang mit der neuen Strophe von der Versöhnung und das Wunder geschieht. Es gelingt Versöhnung. Franziskus weiß, wie herausfordernd und radikal Versöhnung ist. So dichtet er: Gelobt seist du, mein Herr, für alle, die verzeihen aus Liebe zu dir. Vergebung gelingt demnach nicht aus eigener Motivation und Leistung, wohl aber aus Liebe zu Gott. Das ist die große Chance und das Angebot in der Nachfolge Jesu, auch für die Schöpfung, die Gott einmal ganz heimholen wird. Kurz vor seinem Tod fügt Franziskus noch eine Strophe hinzu, in der sogar der Tod aufgefordert wird, Gott zu loben. Am Sterbebett lässt er sich von seinen Brüdern diese Strophe und den ganzen Sonnengesang vorsingen. Mit diesen Worten will er sterben. Franziskus spricht vom doppelten Tod. Der erste Tod ist der irdische Tod, die Trennung von Leib und Seele. Dieser ist für ihn wie eine Schwester, die ihn zu Gott begleitet und führt. Er ist nicht Feind, sondern Freund. Vor dem zweiten Tod hingegen warnt Franziskus. Dieser ist die ewige Trennung von Gott nach der Auferstehung. So bittet und ringt er, dass wir uns von Gott suchen lassen und den Kontakt mit Gott nicht abbrechen. Ja, der Sonnengesang ist nicht nur ein liebliches und stimmungsvolles Lied. Es geht um das Entscheidende im Leben. Der Sonnengesang endet mit einer neuerlichen Aufforderung, als Mensch Gott zu loben. So schließt sich der Kreis mit dem Anfang. Der Sonnengesang kann auch als poetisch dichtes Glaubensbekenntnis des Heiligen Franziskus angesehen werden. Lobt und preist meinen Herrn und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut, dient ihm auch in der Schöpfung, zu der wir ein gottbezogenes und geschwisterliches Verhältnis haben dürfen. Drittens: Der Mensch als Krone der Schöpfung. So sieht der biblische Schöpfungsglaube den Menschen. Der Mensch als Krone der Schöpfung. „Du hast den Menschen mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“ Der Mensch kann den Schöpfer erkennen, ihn loben und preisen. Das macht ihn zur Krone der Schöpfung. In Manche Ohren klingt das heute als Hohn, wohl auch weil viel Überdruss des Menschen an sich selbst da ist, leider. Es gibt Stimmen die den Menschen als Übel in der Schöpfung sehen. Der Mensch kann freilich der Schöpfung übel schaden, aber er ist von Gott her nicht Übel der Schöpfung. Ein solcher Zugang wäre Ausdruck von Undank und Verzweiflung. „Magnifica humanitas, großartiges Menschsein“ betitelt Papst Leo seine erste Enzyklika. Der Mensch ist keine Rechenmaschine. Er hat eine Seele, die Gotte erkennen kann und ein liebesfähiges Herz. „Von der Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen,“ heißt es im Alten Testament. Durch uns, seine Geschöpfe, preist Schöpfung den Schöpfer. In der Schöpfung können wir Schöpfer lieben. Deshalb sollen wir nicht verzweifeln, sondern uns einfach bemühen unsere Berufung würdig leben um Krone der Schöpfung zu sein.

Liebe Brüder und Schwestern!

Erntedank lädt uns ein gut auf die Schöpfung zu schauen, uns in den Schöpferblick Gottes hineinzuversetzen und hinein zu beten. Wir sollen darauf achten, was wir in die Schöpfung legen und was wir herausnehmen, mit einem guten Verhältnis von Bitte und Dankbarkeit. Wir dürfen ein geschwisterliches Schöpfungsverhältnis haben, wie der heilige Franz von Assisi und vor allem gilt es unsere Berufung als Krone der Schöpfung echt und authentisch zu leben. Amen.

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