In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes:
28 Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg!
29 Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus.
30 Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin.
31 Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.
32 Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.
So spricht der Herr:
25 Ihr sagt: Der Weg des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Weg soll nicht richtig sein? Sind es nicht eure Wege, die nicht richtig sind?
26 Wenn ein Gerechter sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit und Unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben.
27 Wenn ein Schuldiger von dem Unrecht umkehrt, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren.
28 Wenn er alle seine Vergehen, die er verübt hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben.
Schwestern und Brüder!
1 Wenn es eine Ermahnung in Christus gibt, einen Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, ein Erbarmen und Mitgefühl,
2 dann macht meine Freude vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig, einträchtig,
3 dass ihr nichts aus Streitsucht und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst.
4 Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.
5 Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
6 Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein,
7 sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen;
8 er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
9 Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,
10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu
11 und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.
Der Generalvikar (GV) ist der persönliche Vertreter des Bischofs in allen Verwaltungsangelegenheiten der Diözese und wird vom Bischof frei ernannt. Er handelt von Amts wegen immer mit "stellvertretender Vollmacht". Man nennt ihn deshalb auch das "Alter Ego" (lateinisch: "anderes Ich") des Bischofs.
In Linz steht er nicht nur dem Bischöflichen Ordinariat vor, sondern ist zugleich Personalchef der ganzen Diözese. Der Generalvikar handelt in seinem Geschäftsbereich immer im Namen des Bischofs. Er hat seinen Dienst daher stets im Einvernehmen und im Sinn des Bischofs auszuüben. Gegen Entscheidungen des Generalvikars ist zwar keine 'Berufung' an den Bischof möglich, jedoch kann man sich eigens an diesen wenden, sofern man die vorangehende Entscheidung des Generalvikars dabei offen legt.
Der Dienst als Generalvikar der Diözese ist eine spannungsreiche, aber auch sehr spannende Aufgabe in der katholischen Kirche. Man steht dabei im Schnittpunkt verschiedenster kirchlicher Lebenslinien. Beim Generalvikar laufen alle möglichen Anfragen, Anliegen, Problemstellungen, Konflikte, Informationen, Beratungsergebnisse, Gesetzesvorlagen und vieles mehr zusammen. Die Palette reicht von Schwierigkeiten im Pfarrleben über eine vorausschauende Personalplanung (vor allem bei Pfarrbesetzungen) bis zu Entscheidungen im Bereich der Sakramenten- und Vermögensverwaltung oder zu Kontakten mit der Weltkirche (Projektförderungen und Unterstützung von Missionaren, Schwestern, Ordens- und Weltpriestern mancher Diözesen). Gott sei Dank gibt es für diese Vielfalt an Aufgaben sachkundige und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Dienst in der Diözesanleitung verlangt zwar Verantwortungsbereitschaft für notwendige Entscheidungen, kann sich dabei aber - vor allem in Linz - auf ein funktionierendes Netzwerk von vielen "pastoralen Knotenpunkten" und Einrichtungen mit haupt- und ehrenamtlich tätigen Personen stützen.
Generalvikar sein bedeutet mehr als bloß bürokratisches Amtshandeln im behördlichen Schriftverkehr. In zahlreichen Fällen geht es darum, die Menschen anzuhören, ihren Anfragen gerecht zu werden, bei Konflikten nach Vermittlungswegen und Lösungen zu suchen. Immer ist ein Dialog notwendig, der sich um wechselseitiges Verständnis bemüht. Wie jeder Seelsorger ist auch der Generalvikar – nicht zuletzt als Priester – gefordert die Beziehung von Alltag und Glaube verständlich zu machen: sowohl für die Mitgestalter in der Kirche als auch für die eher nur gelegentlich an Kirche Interessierten und besonders für diejenigen, die aus unterschiedlichsten Gründen von der Kirche enttäuscht wurden. "Geistliche Leitung" ist somit gerade an dieser Stelle gefordert und das ist mehr als bloß effizientes Verwaltungsmanagement. Es soll immer eine spürbare Offenheit auf Gott hin deutlich bleiben, um dessentwillen sich letztlich alle Christen mühen und den wir gemeinsam mit Freude und Begeisterung feiern.
Vor etlichen Jahren meinte Kardinal Julius Döpfner von München treffend: "Die Kirche liegt nicht auf der Sandbank der Zerstörung, sondern auf der Werft der Erneuerung. Zugegeben, eine Werft ist keine idyllische Waldwiese. Dort kann es laut, windig, ungemütlich und gelegentlich gefährlich sein. Aber dort werden Schiffe nicht verschrottet, sondern ausgerüstet zu neuer Fahrt." Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass das Schiff der katholischen Kirche in Oberösterreich selbst auf hoher See und bei starkem Gegenwind bestehen kann, weil es rechtzeitig Raum für Überholungsmaßnahmen vorsah und schon bisher mit kluger Umsicht von den Bischöfen und Diözesanverantwortlichen gesteuert wurde.
Die jahrelangen Erfahrungen im Generalvikariat und das Vertrauen auf den gemeinsamen Einsatz von so vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kirche, die für die Menschen in diesem Land tätig sind, ermutigten mich, die Herausforderungen des Amtes eines Generalvikars unter Bischof Dr. Manfred Scheuer erneut anzunehmen. Die Verbundenheit mit der Gemeinschaft meiner Mitbrüder im Stift Schlägl und die Begegnung mit einer Vielzahl von Gläubigen in den Pfarren, in denen ich den Sonntagsgottesdienst feiere, oder in Pfarren, zu denen ich bei Festen und Firmungen komme, sind mir eine ganz wichtige Bereicherung. Ich genieße aber auch jede "ruhige" Stunde, in der ich zum Lesen und zur wissenschaftlichen Arbeit als Professor für Kirchenrecht komme, wo ich das persönliche Gebet pflegen oder auf Reisen einfach nur "Schönes" betrachten kann.