+ Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
27 Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.
28 Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln.
29 Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd.
30 Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück.
31 Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen.
32 Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.
33 Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder.
34 Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen.
35 Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wenn ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
36 Seid barmherzig, wie es euch euer Vater ist!
37 Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.
38 Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser
Brüder!
12 Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!
13 Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
14 Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.
15 In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!
16 Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit! Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt, denn ihr seid in Gottes Gnade.
17 Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Durch ihn dankt Gott, dem Vater!
Der Generalvikar (GV) ist der persönliche Vertreter des Bischofs in allen Verwaltungsangelegenheiten der Diözese und wird vom Bischof frei ernannt. Er handelt von Amts wegen immer mit "stellvertretender Vollmacht". Man nennt ihn deshalb auch das "Alter Ego" (lateinisch: "anderes Ich") des Bischofs.
In Linz steht er nicht nur dem Bischöflichen Ordinariat vor, sondern ist zugleich Personalchef der ganzen Diözese. Der Generalvikar handelt in seinem Geschäftsbereich immer im Namen des Bischofs. Er hat seinen Dienst daher stets im Einvernehmen und im Sinn des Bischofs auszuüben. Gegen Entscheidungen des Generalvikars ist zwar keine 'Berufung' an den Bischof möglich, jedoch kann man sich eigens an diesen wenden, sofern man die vorangehende Entscheidung des Generalvikars dabei offen legt.
Der Dienst als Generalvikar der Diözese ist eine spannungsreiche, aber auch sehr spannende Aufgabe in der katholischen Kirche. Man steht dabei im Schnittpunkt verschiedenster kirchlicher Lebenslinien. Beim Generalvikar laufen alle möglichen Anfragen, Anliegen, Problemstellungen, Konflikte, Informationen, Beratungsergebnisse, Gesetzesvorlagen und vieles mehr zusammen. Die Palette reicht von Schwierigkeiten im Pfarrleben über eine vorausschauende Personalplanung (vor allem bei Pfarrbesetzungen) bis zu Entscheidungen im Bereich der Sakramenten- und Vermögensverwaltung oder zu Kontakten mit der Weltkirche (Projektförderungen und Unterstützung von Missionaren, Schwestern, Ordens- und Weltpriestern mancher Diözesen). Gott sei Dank gibt es für diese Vielfalt an Aufgaben sachkundige und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Dienst in der Diözesanleitung verlangt zwar Verantwortungsbereitschaft für notwendige Entscheidungen, kann sich dabei aber - vor allem in Linz - auf ein funktionierendes Netzwerk von vielen "pastoralen Knotenpunkten" und Einrichtungen mit haupt- und ehrenamtlich tätigen Personen stützen.
Generalvikar sein bedeutet mehr als bloß bürokratisches Amtshandeln im behördlichen Schriftverkehr. In zahlreichen Fällen geht es darum, die Menschen anzuhören, ihren Anfragen gerecht zu werden, bei Konflikten nach Vermittlungswegen und Lösungen zu suchen. Immer ist ein Dialog notwendig, der sich um wechselseitiges Verständnis bemüht. Wie jeder Seelsorger ist auch der Generalvikar – nicht zuletzt als Priester – gefordert die Beziehung von Alltag und Glaube verständlich zu machen: sowohl für die Mitgestalter in der Kirche als auch für die eher nur gelegentlich an Kirche Interessierten und besonders für diejenigen, die aus unterschiedlichsten Gründen von der Kirche enttäuscht wurden. "Geistliche Leitung" ist somit gerade an dieser Stelle gefordert und das ist mehr als bloß effizientes Verwaltungsmanagement. Es soll immer eine spürbare Offenheit auf Gott hin deutlich bleiben, um dessentwillen sich letztlich alle Christen mühen und den wir gemeinsam mit Freude und Begeisterung feiern.
Vor etlichen Jahren meinte Kardinal Julius Döpfner von München treffend: "Die Kirche liegt nicht auf der Sandbank der Zerstörung, sondern auf der Werft der Erneuerung. Zugegeben, eine Werft ist keine idyllische Waldwiese. Dort kann es laut, windig, ungemütlich und gelegentlich gefährlich sein. Aber dort werden Schiffe nicht verschrottet, sondern ausgerüstet zu neuer Fahrt." Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass das Schiff der katholischen Kirche in Oberösterreich selbst auf hoher See und bei starkem Gegenwind bestehen kann, weil es rechtzeitig Raum für Überholungsmaßnahmen vorsah und schon bisher mit kluger Umsicht von den Bischöfen und Diözesanverantwortlichen gesteuert wurde.
Die jahrelangen Erfahrungen im Generalvikariat und das Vertrauen auf den gemeinsamen Einsatz von so vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kirche, die für die Menschen in diesem Land tätig sind, ermutigten mich, die Herausforderungen des Amtes eines Generalvikars unter Bischof Dr. Manfred Scheuer erneut anzunehmen. Die Verbundenheit mit der Gemeinschaft meiner Mitbrüder im Stift Schlägl und die Begegnung mit einer Vielzahl von Gläubigen in den Pfarren, in denen ich den Sonntagsgottesdienst feiere, oder in Pfarren, zu denen ich bei Festen und Firmungen komme, sind mir eine ganz wichtige Bereicherung. Ich genieße aber auch jede "ruhige" Stunde, in der ich zum Lesen und zur wissenschaftlichen Arbeit als Professor für Kirchenrecht komme, wo ich das persönliche Gebet pflegen oder auf Reisen einfach nur "Schönes" betrachten kann.