In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.
14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
15 Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus.
16 So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.
So spricht der Herr:
7 Brich dem Hungrigen dein Brot, nimm obdachlose Arme ins Haus auf, wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und entziehe dich nicht deiner Verwandtschaft.
8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie das Morgenrot und deine Heilung wird schnell gedeihen. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.
9 Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn du Unterjochung aus deiner Mitte entfernst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemandem übel nachredest,
10 den Hungrigen stärkst und den Gebeugten satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.
1 Ich kam nicht zu euch, Schwestern und Brüder, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Geheimnis Gottes zu verkünden.
2 Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten.
3 Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch.
4 Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden,
5 damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes.
Der Generalvikar (GV) ist der persönliche Vertreter des Bischofs in allen Verwaltungsangelegenheiten der Diözese und wird vom Bischof frei ernannt. Er handelt von Amts wegen immer mit "stellvertretender Vollmacht". Man nennt ihn deshalb auch das "Alter Ego" (lateinisch: "anderes Ich") des Bischofs.
In Linz steht er nicht nur dem Bischöflichen Ordinariat vor, sondern ist zugleich Personalchef der ganzen Diözese. Der Generalvikar handelt in seinem Geschäftsbereich immer im Namen des Bischofs. Er hat seinen Dienst daher stets im Einvernehmen und im Sinn des Bischofs auszuüben. Gegen Entscheidungen des Generalvikars ist zwar keine 'Berufung' an den Bischof möglich, jedoch kann man sich eigens an diesen wenden, sofern man die vorangehende Entscheidung des Generalvikars dabei offen legt.
Der Dienst als Generalvikar der Diözese ist eine spannungsreiche, aber auch sehr spannende Aufgabe in der katholischen Kirche. Man steht dabei im Schnittpunkt verschiedenster kirchlicher Lebenslinien. Beim Generalvikar laufen alle möglichen Anfragen, Anliegen, Problemstellungen, Konflikte, Informationen, Beratungsergebnisse, Gesetzesvorlagen und vieles mehr zusammen. Die Palette reicht von Schwierigkeiten im Pfarrleben über eine vorausschauende Personalplanung (vor allem bei Pfarrbesetzungen) bis zu Entscheidungen im Bereich der Sakramenten- und Vermögensverwaltung oder zu Kontakten mit der Weltkirche (Projektförderungen und Unterstützung von Missionaren, Schwestern, Ordens- und Weltpriestern mancher Diözesen). Gott sei Dank gibt es für diese Vielfalt an Aufgaben sachkundige und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Dienst in der Diözesanleitung verlangt zwar Verantwortungsbereitschaft für notwendige Entscheidungen, kann sich dabei aber - vor allem in Linz - auf ein funktionierendes Netzwerk von vielen "pastoralen Knotenpunkten" und Einrichtungen mit haupt- und ehrenamtlich tätigen Personen stützen.
Generalvikar sein bedeutet mehr als bloß bürokratisches Amtshandeln im behördlichen Schriftverkehr. In zahlreichen Fällen geht es darum, die Menschen anzuhören, ihren Anfragen gerecht zu werden, bei Konflikten nach Vermittlungswegen und Lösungen zu suchen. Immer ist ein Dialog notwendig, der sich um wechselseitiges Verständnis bemüht. Wie jeder Seelsorger ist auch der Generalvikar – nicht zuletzt als Priester – gefordert die Beziehung von Alltag und Glaube verständlich zu machen: sowohl für die Mitgestalter in der Kirche als auch für die eher nur gelegentlich an Kirche Interessierten und besonders für diejenigen, die aus unterschiedlichsten Gründen von der Kirche enttäuscht wurden. "Geistliche Leitung" ist somit gerade an dieser Stelle gefordert und das ist mehr als bloß effizientes Verwaltungsmanagement. Es soll immer eine spürbare Offenheit auf Gott hin deutlich bleiben, um dessentwillen sich letztlich alle Christen mühen und den wir gemeinsam mit Freude und Begeisterung feiern.
Vor etlichen Jahren meinte Kardinal Julius Döpfner von München treffend: "Die Kirche liegt nicht auf der Sandbank der Zerstörung, sondern auf der Werft der Erneuerung. Zugegeben, eine Werft ist keine idyllische Waldwiese. Dort kann es laut, windig, ungemütlich und gelegentlich gefährlich sein. Aber dort werden Schiffe nicht verschrottet, sondern ausgerüstet zu neuer Fahrt." Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass das Schiff der katholischen Kirche in Oberösterreich selbst auf hoher See und bei starkem Gegenwind bestehen kann, weil es rechtzeitig Raum für Überholungsmaßnahmen vorsah und schon bisher mit kluger Umsicht von den Bischöfen und Diözesanverantwortlichen gesteuert wurde.
Die jahrelangen Erfahrungen im Generalvikariat und das Vertrauen auf den gemeinsamen Einsatz von so vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kirche, die für die Menschen in diesem Land tätig sind, ermutigten mich, die Herausforderungen des Amtes eines Generalvikars unter Bischof Dr. Manfred Scheuer erneut anzunehmen. Die Verbundenheit mit der Gemeinschaft meiner Mitbrüder im Stift Schlägl und die Begegnung mit einer Vielzahl von Gläubigen in den Pfarren, in denen ich den Sonntagsgottesdienst feiere, oder in Pfarren, zu denen ich bei Festen und Firmungen komme, sind mir eine ganz wichtige Bereicherung. Ich genieße aber auch jede "ruhige" Stunde, in der ich zum Lesen und zur wissenschaftlichen Arbeit als Professor für Kirchenrecht komme, wo ich das persönliche Gebet pflegen oder auf Reisen einfach nur "Schönes" betrachten kann.