communale oö: Literarische Wanderung mit Karin Peschka
Im Rahmen der communale oö 2026 luden das Evangelische Bildungswerk Oberösterreich, das Katholische Bildungswerk Weibern und die Gemeindebücherei Weibern am Samstag, den 17. Oktober 2026, zu einer besonderen Spurensuche ein.
Wanderung durch die "Landschaft der Rebellion"
Die literarische Wanderung mit Andreas Stahrl, Leiter des KBW-Treffpunktes Bildung Weibern und der aus Eferding stammenden Autorin Karin Peschka führte zahlreiche Interessierte zu den historischen Rebellenhäusern der Region Weibern–Geboltskirchen–Haag am Hausruck.
Geschichte an Originalschauplätzen erleben
Ausgangspunkt der Wanderung war die Pfarrkirche Weibern, wo vor vier Jahrhunderten lutherische Prädikanten wirkten. Sie befindet sich nahe der „Weiberau“ dem größten Ausbildungslager des Bauernkriegs, wo sich in ihrer Höchstbelegung bis zu 20.000 Männern befanden. Befehligt wurde das Lager vom rebellischen Landadeligen Achaz Wiellinger von der Au. Sein Geburtshaus, der Kaderbauernhof, bildete eine der Stationen der Route.
Weitere Zwischenstopps führten entlang der Trattnach zu ehemaligen Mühlen und Bauernhöfen früherer Rebellen: den Müllern Alexander Knasmüller und Hans Sturphmüller sowie den Bauern Georg Malvent (Malventhof) und dem Fuchshuber (Fuchshuberhof). Knasmüller, Malvent und Fuchshuber gehörten zu den 24 Räten des Weiberauer Lagers.
Eindringliche Lesungen aus der Perspektive der einfachen Bevölkerung
Die renommierte oberösterreichische Autorin Karin Peschka begleitete die Stationen erzählerisch und las aus ihrem Theaterstück „Casparus oder fünf Knöpfe aus Bein“. Das Werk stellt bewusst nicht Kaiser oder Feldherren in den Mittelpunkt, sondern gibt jenen namenlosen Frauen, Männern und Kindern eine Stimme, die gegen die Unterdrückung durch die bayerische Besatzung für ihre Religionsfreiheit und Selbstbestimmung kämpften.
„Als Hauptursache des Bauernkriegs von 1626 nannten die Bauern immer wieder die Unterdrückung ihres evangelischen Glaubens. Um sich diese Freiheit zu bewahren, boten sie den Kräften der Gegenreformation die Stirn.“
Vom Kampf um den Glauben bis zum ökumenischen Blick in die Zukunft
Der Bauernkrieg endete tragisch mit dem Sieg der bayerischen und kroatischen Söldnertruppen unter General Pappenheim. Den Überlebenden blieb oft nur der erzwungene Wechsel der Konfession, höhere Abgaben oder die Flucht. Das Land blieb verwüstet zurück, und der protestantische Glaube musste bis zum Toleranzpatent Kaiser Josefs II. im Jahr 1781 im Verborgenen gelebt werden.
Nach Ende der literarischen Wanderung am Mülikoasahof und dem Mittagessen nutzten viele Teilnehmer:innen das optionale Angebot einer Führung durch die Sonderausstellung „Rebellen! Die schwarzen Bauern der Weiberau – Ihre Beweggründe und Schicksale im Oberösterreichischen Bauernkrieg“ im Heimatmuseum Schloss Starhemberg in Haag am Hausruck.
Den stimmungsvollen und versöhnlichen Abschluss des Gedenktages bildete eine ökumenische Andacht im Schlosshof Haag, gestaltet von Hannelore Reiner, die den Bogen von den historischen Geschehnissen zu hoffnungsvollen Gedanken für das Heute und die Zukunft spannte.