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So. 17.12.23

Christsein

3. Adventsonntag
Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist Sinn und Ziel des Lebens?

Predigt Dritter Adventsonntag, 17.12.2023

Perikopen: Jes 61,1-2a.10-11               Joh 1,6-8.19-28

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist Sinn und Ziel des Lebens? Was darf ich hoffen? Wie soll ich handeln und leben? Das sind Fragen, so alt, wie die Menschheit. Man kann diese Fragen beiseiteschieben, aber letztlich kommt man ihnen nicht aus. Sie verfolgen uns kommen durch die Hintertüre doch wieder herein. Wie sieht es aus, kennen wir uns eigentlich selbst? Werden wir uns selbst zur Frage? Wer bin ich? Da geht es nicht um irgendetwas, sondern um uns selber. Da müssen wir Farbe bekennen: Was ist mir wirklich wichtig? Wofür stehe ich mit meinem Leben ein? Wofür stehe ich? Es ist heute nicht mehr selbstverständlich Christ zu sein, auch wenn wir am Land noch in volkskirchlichen Resten leben. Umso entscheidender ist die Frage nach unserer Identität: Wer sind wir als Christen? Das Evangelium des dritten Adventsonntages hilft uns antworten zu finden.

 

Erstens: Uns klar und deutlich fragen lassen! Im Evangelium wird Johannes der Täufer klar gefragt, von Leuten von der Religionsbehörde, die aus Jerusalem kommen, Priester, Leviten und auch Pharisäer. Sie fragen ihn fast wie im Mittelalter die Inquisition: Wer bist du? Wie reagieren wir, wenn man uns so fragt. Würden wir sagen: Das ist eine Zumutung. So frontal und direkt, lasse ich mich nicht angehen. Wer ich bin, und was ich so treibe, geht nur mich etwas an. So denken viele, sehr selbstbezogen. Ich tue nur was ich will. Ganz anders Johannes der Täufer. Er hält sich nicht heraus. Er sagt nicht: „Das ist mein Job, und meine Privatsphäre.“ Er sagt Nein: „Ich bin nicht der Messias. Ich bin nicht Elija und ich bin nicht der Prophet.“ Johannes lässt sich Fragen und grenzt sich klar ab. Er sagt nicht zu allem Ja und Amen. Das würde auch für einen wirklichen Zeugen Jesu nicht angehen.

 

Zweitens: Unseren angestammten Platz in Kirche und Welt finden. Johannes zieht Grenzen und sieht auch seine eigenen Grenzen. Er zieht nicht Schuhe an, die ihm zu groß sind. Er kreuzt auch nicht auf einer Skala ganz oben an: „Ich bin so gut, so schön, so erfolgreich, so reich.“ Er verpackt nicht seine persönliche Erfolgsstory.“ Er sagt deutlich, dass er nicht derjenige ist, von dem das Heil zu erwarten ist. Sein Nein befreit vom Druck mehr sein zu wollen, als er ist. Die Haltung des Johannes ist eine Ortsbestimmung für jeden Christen und für die Kirche insgesamt. Wir sind nicht der Messias. Wir dürfen nicht an seine Stelle treten. Wir dürfen nicht so tun, als ob wir ihn schon haben. Die Gottsuche ist eine lebenslange Sache, die Kontinuität verlangt. Das ist das Problem, dass die lebenslange Gottsuche oft wegfällt. Man kann heute den Advent auf den Punschstand reduzieren und Weihnachten ohne Jesus feiern. Aber was tun wir dann? Wir dürfen, wie Johanes Stimme für den Herrn sein, und wir dürfen ihm den Weg bereiten, den Weg, auf den man in aller Menschlichkeit bemüht ist gerade und gerecht zu gehen, ohne krumme Touren. Gott hat den mühseligen weg der Liebe gewählt, damit wir seinen Spuren folgen.

Drittens: Es ist Advent. Adventliche Zeugen sind gefragt! Gottes reich ist im Kommen, Gott ist immer im Kommen, aber das Ganze ist noch nicht am Ziel. Was gefragt ist, dass wir Zeugen sind. Gefragt ist das Zeugnis unseres Lebens. Eine persönliches Wort: Was lässt mich Glauben und hoffen? Warum bin ich Christ und warum bleibe ich Christ? Christen, die im Alltag Profil haben. Denn, was für den Autoreifen ohne Profil gilt, gilt auch für Christen ohne Profil. Profil haben, entschieden, demütig, erkennbar und selbstbewusst im guten Sinn.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Wer sind wir als Christen? Diese Frage soll uns im Advent besonders beschäftigen. Wir dürfen uns wie Johannes der Täufer klar und deutlich fragen lassen. Wir dürfen unseren angestammten Platz in Kirche und Welt finden. Und wir sollen seine Zeugen sein, ganz nach den berühmten Worten des ersten Petrusbriefes: „Seid stets bereit einem jeden Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt. Aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig.“ Amen.

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