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Inhalt:

Iris Andraschek: JUNIA „HERVORRAGEND [UNTER DEN APOSTELN]“.

8 Juniastäbe für die Pfarrgemeinden der Linzer Pfarre Urfahr-St. Junia

Segnung und Übergabe der acht Juniastäbe beim Gottesdienst anlässlich des Festes der Pfarre Urfahr-St. Junia unter der Neuen Eisenbahnbrücke am Sonntag, 14.6.2026, 10 Uhr

Die Künstlerin Iris Andraschek hat als Erstgereihte eines geladenen Wettbewerbs der Pfarre Urfahr-St. Junia und des Fachbereichs Kunst der Diözese Linz acht Objekte zur hl. Junia für die acht Pfarrgemeinden der Pfarre Urfahr-St. Junia geschaffen.

 

Tradition des Pilgerstabes
In seiner Form nehmen die acht Objekte Bezug auf die Tradition des Pilgerstabes. Die Juniastäbe haben auf einem Sockel mit einem Portrait der Hl. Junia einen fixen Platz in jeder Kirche der acht Pfarrgemeinden der Pfarre Urfahr-St. Junia.

Zur heiligen Junia gibt es nur wenige biografische Anhaltspunkte. Sie ist in Cilicien in der Türkei geboren und im 1. Jahrhundert in Rom verstorben, ihr Gedenktag wird am 17. Mai gefeiert. Junia wird als Gefährtin von Paulus, Apostolin, Missionarin und Gemeindeleiterin erwähnt. In Röm 16,7 wird sie als hervorragend unter den Aposteln erwähnt. Dies ist für den gegenwärtigen Diskurs um die Leitungsfunktion von Frauen in der Katholischen Kirche sehr wichtig. Die Nennung von Junia gilt als der erste und einzige Beleg für eine weibliche Apostolin. Die deutschen katholischen Frauenverbände feiern den 17. Mai als Tag der Junia und verbinden das mit konkreten Forderungen.

Unter den drei für den künstlerischen Wettbewerb eingeladenen Künstlerinnen wurde von der Jury, bestehend aus Vertreter*innen der Pfarre Urfahr und Kunstexpert*innen der Entwurf der Künstlerin Iris Andraschek zur Umsetzung empfohlen. Mit dem Titel „HERVORRAGEND [UNTER DEN APOSTELN]“ nimmt sie bereits Bezug auf die herausragende Stellung der Heiligen in der Zeit des frühen Christentums.

 

Unterwegs sein

Iris Andraschek entwickelte einen Juniastab in unterschiedlicher achtfacher Ausführung, der aus mehreren Hölzern besteht und durch individuell bedruckte Bänder temporär auch Träger von Botschaften sein kann. Das Motiv des Pilgerns und Unterwegsseins wird im Sockel verstärkt. Zur Wahl standen für die Pfarrgemeinden ein Betonsockel mit dem aus Portraits von Frauen aus der Pfarre generierten Portrait der heiligen Junia oder ein Reise-/Rollkoffer aus Beton – ebenfalls mit dem Portrait der Junia -  als Metapher für Reisen und Unterwegssein.

 

Hölzer als Bedeutungsträger

Im Juniastab von Iris Andraschek werden die Materialien des Pilgerstabes zu Bedeutungsträgern, die sowohl die einzelnen Pfarrgemeinden als auch Stationen des Lebens der Heiligen thematisiert.

Neben Hölzern aus Urfahr, die von den einzelnen Pfarrgemeinden ausgewählt wurden, hat Iris Andraschek vor Ort an Lebens- und Wirkungsstätten der Hl. Junia aus der Türkei – aus der Region Kilikien, rund um die Städte Mersin und Adana und dem angrenzenden Taurusgebirge -  Israel, aus dem Raum Jerusalem und Italien – Rom unter anderem der Via Appia Antica , von Ländern, in denen die heilige Junia gelebt hat und unterwegs war, zu einem Stab zusammengefügt. Die Pilgerstäbe setzen sich u.a. aus Lorbeer-, Mimosen-, Wacholdersträuchern sowie Oliven-, Maulbeer- und Johannisbrotbaum zusammen. Die einzelnen Abschnitte sind zum Teil vergoldet.
Zwischen diesen symbolischen Stationen der Hl. Junia verweist ein Element des mehrteiligen Stabes auf ein Charakteristikum in der Ausstattung der jeweiligen Kirche. Den aus der unmittelbaren Natur stammenden unbearbeiteten Hölzern des Stabes wird ein von der Künstlerin hinzugefügtes, bearbeitetes Element das charakteristisch für den jeweiligen Kirchenraumes ist dazugefügt – Kultur und Natur verbinden sich in den Objekten auf anschauliche Weise.

 

 

Portrait der Junia

In Fortführung ihrer zahlreichen Projekte im öffentlichen Raum und in Ausstellungshäusern bindet Iris Andraschek drei partizipative Aspekte in das Konzept ein. Zunächst die Suche und Auswahl des Holzes für die Stäbe aus dem Umfeld der jeweiligen Pfarrgemeinden in Linz Urfahr. Der zweite Aspekt ist die Auswahl der Texte für die farbigen Bänder, die als temporäre, sich verändernde Elemente an den Juniastab geknüpft werden und jeweils gegenwärtige Themen sichtbar machen. Der dritte Aspekt ist das Fotoprojekt, bei dem die Künstlerin Fotoportraits von  93 teilnehmenden Mädchen und Frauen aus dem Pfarrgebiet angefertigt hat, diese mit einem speziellen Computerprogramm zu einem einzigen Bild zusammenfügt und daraus eine Zeichnung erstellt, die zusammen mit dem Namen Junia als Vertiefung in Gold auf dem Sockel angebracht ist.

 

„Das Bild der Junia ist nicht bekannt, deshalb können wir uns alle in ihr wiederfinden“, so die Künstlerin Iris Andraschek zum Junia-Projekt im Kontext ihrer künstlerischen Arbeit: „Das Junia-Projekt nimmt in meinem Werk eine besondere Rolle ein, weil es mehrere Arbeitsansätze und Inhalte, die mir in meiner Arbeit wichtig sind und die ich im Laufe der Jahre entwickelt habe, anwendet. In künstlerischen Aufgaben, in denen es sehr stark um Identität und Identifizierung geht, spielt das Emotionale eine große Rolle. Deshalb ist die besondere Herausforderung an diesem Projekt die Aufmerksamkeit auf den Prozess der Realisierung, an dem viele Menschen beteiligt sind und diesen mitgestalten und die Aufrechterhaltung der künstlerischen Qualität zu legen. […] Mit dieser Vielzahl an Aspekten und Handlungen zu agieren und dies in einem Identifikationsobjekt zu vereinen ist für mich das Besondere und Beispielhafte am Junia-Projekt.“

 

Iris Andraschek

Iris Andraschek wurde in Horn in Niederösterreich geboren und lebt in Wien und Niederösterreich. Sie wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Zuletzt erhielt sie 2025 den Würdigungspreis des Landes Niederösterreich in der Sparte Bildende Kunst.

Ihr Werk umfasst Fotografie, Zeichnung, Installation und Projekte im öffentlichen Raum. Gesellschaftspolitische Fragestellungen sind zentrale Aspekte in ihrem Werk. Bei ihren zahlreichen Projekten im öffentlichen Raum liegt ihr Fokus auf Erinnerungsgeschichte und die Repräsentation weiblicher Identität. Aktuell ist im Rahmen der Ausstellung „Alles in Arbeit“ eine eindrucksvolle und vielschichtige Rauminstallation im Dom Museum Wien zum Wiederaufbau des Stephansdoms zu sehen.

 

„[HERVORRAGEND [UNTER DEN APOSTELN]“ macht mit der heiligen Junia eine Frau als Apostolin in einer kirchlichen Leitungsfunktion in der Zeit des frühen Christentums sichtbar. Eine Kunst am Bau-Arbeit von Iris Andraschek, bei der sie die Leistungen von Frauen in der Wissenschaft sichtbar macht, befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien und trägt den Titel Der Muse reicht‘s.. Es ist eine überdimensionale Schattenintarsie einer Frau mit nach oben gestreckter Hand im Boden des Hofs. Auch hier nimmt die Einbindung von Beteiligten, Wissenschafterinnen der Universität, sowohl in der Form des Schattens als auch in der Auswahl der Inschrift am Sockel, eine zentrale Rolle ein.

 

Geschichte

Die inhaltlichen Parameter für ein gemeinsames identitätsstiftendes Objektes wurden von einer Arbeitsgruppe mit Vertreter*innen der Pfarrteilgemeinden erarbeitet. Der künstlerische Wettbewerb wurde vom Fachbereich Kunst der Diözese Linz ausgeschrieben.

Im Zuge der Strukturreform der Diözese Linz, die im September 2021 in die Umsetzungsphase gestartet ist, wurden die acht Pfarren des ehemaligen Dekanates Linz-Nord zu Pfarrteilgemeinden der am 1.1.2023 neu gegründeten Pfarre Urfahr-St. Junia. Die Pfarre St. Junia besteht aus den Pfarrgemeinden Urfahr-St. Magdalena, Urfahr-St. Josef (bisher Stadtpfarre Urfahr), Urfahr-Pöstlingberg, Urfahr-Christkönig, Urfahr-Heiliger Geist, Urfahr-St. Leopold, Urfahr-St. Markus und Urfahr-Lichtenberg.

 

Auf Initiative des Pastoralvorstandes Matthias List wurden in einer Arbeitsgruppe mit Vertreter*innen der Pfarrteilgemeinden Parameter für die künstlerische Ausschreibung für ein gemeinsames, identitätsstiftendes Objekt für die neue Pfarrpatronin Junia verfasst. Der künstlerische Wettbewerb wurde von Martina Gelsinger, Kunsthistorikerin und Kuratorin im Fachbereich Kunst der Diözese Linz ausgeschrieben.

 

Besonderes Augenmerk sollte auf die Materialqualität, die Haptik und die lokalen Bezugspunkte gelegt werden sowie Leuchtkraft und Wirkmacht ausstrahlen. Zudem wurde festgehalten, dass die Referenz zu einer Frau im Objekt erkennbar sein muss. Als inhaltliche Aspekte wurden in der Wettbewerbsausschreibung die Begriffe sich in Anspruch nehmen lassen, Empowerment und Encouragement formuliert.

Zentraler Aspekt für die Entscheidungsfindung der Jury war die künstlerische Qualität im Kontext eines zeitgenössischen Kunstwerkes, das Aufgreifen der zentralen Parameter der Ausschreibung und daraus resultierend die Bedeutungsebenen und Bezugspunkte, die sich aus dem Junia-Objekt für eine zeitgemäße Pastoral eröffnen.

 

Statement von Iris Andraschek zum Junia-Projekt:

E-Mail Interview mit Martina Gelsinger, 10.1.2026

Welche Rolle nimmt das Junia-Projekt in deinem Werk ein?

Das Junia-Projekt nimmt in meinem Werk deshalb eine besondere Rolle ein, weil es mehrere Arbeitsansätze und Inhalte, die mir in meiner Arbeit wichtig sind und die ich im Lauf der Jahre entwickelt habe, anwendet. In künstlerischen Aufgaben, in denen es sehr stark um Identität und Identifizierung geht, spielt das Emotionale eine große Rolle. Deshalb ist die besondere Herausforderung an diesem Projekt die Aufmerksamkeit auf den Prozess der Realisierung, an dem viele Menschen beteiligt sind und diesen mitgestalten und die Aufrechterhaltung der künstlerischen Qualität zu legen. Das Besondere und Schöne an diesem Projekt ist, dass es so viele Facetten und Inhalte hat, die es gilt in einem künstlerischen Objekt zu vereinen. Es geht um eine weibliche Heilige, der ihre Identität geraubt und wieder anerkannt wurde, was eine hohe Symbolkraft besitzt, diese als Schutzheilige für die Gemeinden auszuwählen. Es geht um acht Pfarrgemeinden, die gemeinsam handeln aber doch auch ihre Individualität behalten wollen und es geht um gemeinsames Tun und Gestalten und um Feminismus in der Kirche. Mit dieser Vielzahl an Aspekten und Handlungen zu agieren und dies in einem Identifikationsobjekt zu vereinen ist für mich das Besondere und Beispielhafte am Junia-Projekt und nimmt in meinem Werk eine einzigartige Rolle ein.

 

Gibt es Mittel/Methoden, die du aus der Geschichte der Kunst für deinen Entwurf übernommen hast?

Ja, zum Beispiel habe ich mich bei der Darstellungsfindung der Junia an der Figurengenese, an den Gesetzen der Ikonenmalerei orientiert. Dabei geht es geht es darum eine starke Achsensymmetrie und Frontalität zu betonenden und auf Individualität zugunsten von Universalität zu verzichten.

 

Was hat dich an dieser - in der heutigen Zeit doch sehr unkonventionellen - Anfrage/Aufgabe ein Objekt/Objekte für die heilige Junia zu schaffen interessiert?

Das Unkonventionelle! Die Geschichte der Heiligen Junia ist durch den an ihr vollzogenen Geschlechterwechsel ganz besonders spannend. Frauen in der Kirche sind nach wie vor stark unterrepräsentiert aber leisten dort unglaublich starke und wichtige Arbeit.

Ich finde es mutig und aktivistisch, dass diese Heilige von acht Gemeinden als Schutzpatronin ausgewählt wurde, um gemeinsam als Pfarre in die Zukunft zu gehen. Dafür ein Objekt zu schaffen ist durchaus sehr interessant spannend.

 

 

Text: Martina Gelsinger

Fachbereich Kunst der Diözese Linz

Bischof Manfred Scheuer segnete die Pilgerst?be.
Bischof Manfred Scheuer segnete die Pilgerst?be.
Gruppenfoto des Visitations-Team und der Träger:innen der Pilgerstäbe.
Gruppenfoto des Visitations-Team und der Träger:innen der Pilgerstäbe.
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