Missionssonntag
Predigt Missionssonntag, 18.10.2026 Neustift, 25.10.2026 Oberkappel und Lembach Perikopen: vom Sonntag
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Auch wenn wir uns nicht zu sehr den Zahlen und Statistiken ausliefern sollen, hin und wieder ist ein Blick darauf doch interessant, auch besorgniserregend interessant. Ich möchte heute am Sonntag der Weltkirche, auch Missionssonntag genannt, einige solcher Blicke unternehmen.
Erstens: In den vergangenen Tagen wurde darauf hingewiesen, dass die Bevölkerung Europas nur mehr vier Prozent der Weltbevölkerung ausmacht. Zuerst erschrickt man ein wenig und kann es fast nicht glauben. Man beginnt zu rechnen und kommt schnell drauf, dass es stimmt. Europa verschwindet. Wir sind im Status der Bedeutungslosigkeit gelandet. Was allgemein für Europa gilt, gilt aber auch für die kirchliche Bedeutung Europas. Auch hier ist der Zug abgefahren. Die Kirche lebt anderswo neu auf, bei uns nicht. Wir versuchen mit allen Mitteln den Ton und die Richtung anzugeben, unsere Probleme zu weltkirchlichen Problemen zu machen. Aber die Christen weltweit haben andere Sorgen als die europäischen Christen. Doch das ist auch noch nicht alles. Es gibt eine große innerkirchliche Krise in allen europäischen Ländern. Die herkömmlichen Methoden der Glaubensweitergabe funktionieren nicht mehr. Die nächste Generation übernimmt das Glaubensgut nicht, trotz Religionsunterricht, trotz pfarrlicher Kinderarbeit, trotz Kinderliturgie, trotz neuer Modelle der Erstkommunion- oder Firmvorbereitung. Religion lässt sich nicht mehr erziehen. Die neuen maßgeblichen Miterzieher in den Medien setzen sich mit ihren Ideen, aber vor allem auch mit ihrer Kritik an Religion, Kirche, pfarrlichem Leben mehr und mehr durch. Sie wirken hinein in unsere Vereine, auch dort, wo erfolgreiche Jugendarbeit geleistet wird. Glaube wird mehr zur Entscheidung einiger weniger, die nicht mehr mit dem gesellschaftlichen Konsens rechnen können. Wir sind ein Missionsland geworden. Wir haben zwar einstweilen noch mehr Geld als viele andere, aber im Inneren sind wir hohl und ausgelaugt. Wir können die Kirche in den anderen Ländern noch finanziell unterstützen, das ist auch wichtig, aber den christlichen Glauben können wir anderswo wohl nicht mehr einpflanzen. So ist die Lage. Es ist Faktum.
Zweitens: In diesen Monaten werden neue kirchliche Strukturen geschaffen, Alibilösungen meiner Meinung nach. Es werden Türschilder ausgetauscht, sonst nichts. Ich halte es da mit der Meinung von Papst Franziskus. Er meinte: „Das Problem ist, wenn eine Pfarrei kein Eigenleben hat und durch die übergeordnete Struktur außer Kraft gesetzt und vereinnahmt wird. Denn Leben wird einer Pfarrei durch diesen Sinn für Zugehörigkeit eingehaucht.“ Übergeordnete Strukturen, müssen halt irgendwie eingeführt werden, aber sie lösen keine Probleme. Wir wüssten es längst aus Deutschland. In einer reichsten Diözese Deutschland wurden bereits vor Jahren in einer Strukturreform 603 Pfarren zu rund 90 Großpfarren umgebaut. Im nächsten Jahren sollen daraus einundzwanzig Seelsorgeräume werden. Das heißt, dass nur mehr einundzwanzig Priester in der Leitung sein werden, obwohl es dort zurzeit noch 400 Priester im aktiven Dienst gibt. Bei uns werden es neununddreißig Großpfarren mit neununddreißig Priestern in der Leitung. Wenn man die Zahlen anschaut, kann man nur fragen: Wie weit kann man noch herunterwirtschaften?
Drittens: Glaube lebt in Gemeinschaften und nicht Verwaltungseinheiten. Im letzten Diözesanblatt wurden die Pfarren des ehemaligen Dekanats Altenfelden aufgehoben und zur Pfarre Granitland zusammengeführt. In den Begründungen zur Aufhebung der einzelnen Pfarren wird immer auch der Rückgang der Gottesdienstteilnehmer angeführt: Besuchten im Dekanat Altenfelden 1975 noch über 7000 Christen den Sonntagsgottesdienst, so sind es jetzt 1700 und das trotz Bevölkerungswachstum, die Taufen sind um 100 geschrumpft (40 Prozent), die Trauungen auf ein Viertel. Wenn nächstes Jahr unsere Pfarren aufgehoben werden, werden unsere Zahlen nicht viel besser ausschauen – auch für Neustift ist es nicht besser, für Lembach noch drastischer, für Oberkappel einstweilen noch eine Spur besser! Wie lange noch? Wir gehen biblischen Zeiten entgegen. Der Verlust des Gewohnten tut weh. Wie hat Franziskus gesagt: „Leben wird einer Pfarrei durch den Sinn für Zugehörigkeit eingehaucht.“ Je mehr von uns diesen Sinn für Zugehörigkeit haben, umso stärker werden wir sein. Und je weniger ihn haben, umso schwächer werden wird werden. Wir sollen sicher eine Andockstation sein für alle Menschen, die uns wirklich brauchen. Aber wir werden in Zukunft auch keine Servicestation für Davongelaufene unterhalten können. Das werden wir nicht schaffen und von denen, die nur fordern und nichts beitragen, können wir uns auch nicht unter Druck setzen lassen. Wir müssen Entscheidungen respektieren, wir brauchen sie aber auch nicht verneinen oder verharmlosen. Wir sind Missionsland in Zukunft auch mit begrenzten Mitteln. Aber nichts und niemand sollen uns hindern, unseren Glauben in Gemeinschaft zu leben.
Liebe Brüder und Schwestern! Spannende Zahlen im Blick auf die Entwicklungen. Es wird Zeit mit der Missionsarbeit bei uns zu beginnen, zuerst bei mir selber und dann bei den anderen, damit die Kette in Gang gesetzt wird, oder bessergesagt wieder zusammengefügt wird. Amen.
