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So. 29.11.20

... und manchmal packt mich die Zuversicht!

Magdalena Froschauer-Schwarz
Magdalena Froschauer-Schwarz
Pastoralassistentin im Seelsorgeraum Reichenau-Hellmonsödt-Kirchschlag

Ein Impuls inspiriert von:

„Reiß doch den Himmel auf,

und komm herab!“

(Jes 63,19)

Herzensfenster

 

Einen „Mutmachtext“ zum ersten Adventsonntag soll ich schreiben. Uff, schwierig!

 

Aber ich will mutig sein und wähle mir folgenden Vers aus der Tageslesung: 
„Reiß doch den Himmel auf, und komm herab!“ (Jesaja 63,19)

 

Ich bin in der Lebensmitte, wahrscheinlich schon darüber. Vor 15 Jahren hätte ich noch freien Herzens gesagt: „Gott ist im Kommen … spürst du ihn nicht?! Er hat den Himmel aufgerissen, er ist schon unterwegs mitten in unsere Herzen!“ – Zweifel an der Gegenwart Gottes waren mir bis dahin völlig fremd. Ich war felsenfest gewiss, dass Gott mit mir ist. 


Dann kamen Jahre der Erschütterung, Lebenspläne zerbrachen. Visionen, die mich immer befügelt hatten, kamen ins Wanken … und mit einem Mal stand ich mitten im Scherbenhaufen meines zersprungenen Gottesbildes, das ich bis zu diesem Zeitpunkt als 100% unzerstörbar und krisensicher betrachtet hatte.


„Reiß doch den Himmel auf, und komm herab“, so betete ich jetzt wie unzählige Menschen vor mir, zweifelnd und hoffend inmitten von Schatten und Licht meines Lebens. Als ob das Fenster zwischen Gott und mir zugefallen wäre, so fühlte ich mich. Nun kannte ich auch den brennenden Schmerz der Gottverlassenheit. Die Sehnsucht stieg hoch, dass Gott durch mein Herzensfenster wieder spürbar in mein Leben steigen möge. Mit allen Sinnen wollte ich ihn wieder fühlen und mich nicht mit einem theoretischen „ER ist ja eh da“ billig trösten lassen. Mit dem inständigen Bitten kam der Lebenswille zurück und ein Verlangen, mit diesem mir so verborgenen Gott zu ringen. Ihn festzuhalten, wenn ich ihn denn überhaupt zu fassen kriege.

 
Der heilsame Zweifel erdet mich – er ist geblieben wie ein treuer Freund. Manchmal wird mir trotz der vielen Fragen das Herz weit wie ein offenes Fenster, und dann spüre ich, wie der Mut hell in meine Seele fällt. Ganz von selbst.

 

sanft löst du den riegel 
meines zugefallenen herzensfensters
und wartest
deine nähe
sie ist lebendig warm
da wird mir hell im schatten
weil mich die zuversicht packt
und ich stehe auf 

du erlöst mich mit deiner liebe
aus meinen viel zu hohen ansprüchen 
an mich selbst
„nur mut! du bist gut genug – lebe!“

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