Monday 21. October 2019
Liturgiebörse

Umkehren / Auferstehen zum Guten / Fasten-Gedanken

Umkehren

Gedanken zur „fasten – Zeit“

f a s t e n - wozu?
Weil jemand diese Regel aufgestellt hat ?
Oder weil es ein altes Menschheits-Wissen ist, dass uns eine Zeit des Rückzuges zu uns selbst nottut, gut tut ?

Was kann der Gewinn, das Ergebnis dieses als „heilig“ bezeichneten Fastens sein? Wie kann es heilvoll für mich und andere sein?
(es gibt eine alte Weisheit: wir können uns kaum motivieren etwas herzugeben, wenn wir nicht etwas dafür bekommen)
- ich kann in dieser Zeit vermehrt meine geistig-seelische Entwicklung anschauen
- ich nehme mir Zeit, die Wünsche meiner Seele zu hören und ihr Nahrung zukommen zu lassen
- ich kann dem nachgehen und erkennen, was für mich wesentlich ist
- ich kann dadurch einen Schritt sinnerfüllter, gelassener, lebendiger werden

Um das auch wirklich zu tun, benötigt es unsere klare Entscheidung!
Wahrscheinlich müssen wir uns dafür ganz konkret im Terminkalender Zeit reservieren !
Vielleicht wird es ein Ringen mit mir und für mich: es braucht Disziplin und Durchhaltevermögen. Die Zahl 40 deutet uns ja an, dass das nicht „irgendwie schnell geht“; sagt uns, 
- dass es seine Zeit braucht, um Veränderungen herbeizuführen; 
- um „mit der Gnade von oben“ einen Wandlungsweg gehen zu können, 
- um Reinigung von altem und nicht mehr sinnvollem Verhalten zu erreichen.

Einige Gedanken und Fragen für diesen Weg:
Das, was ich so das Jahr über tue: dient es dem Leben – meinem, dem Leben anderer - und dadurch Gott? 
- Vermehrt es das Entstehen des Reiches Gottes auf unserer Welt?
- In einem der heutigen Lesungstexte geht es um das Erbe Gottes, das durch uns auf der Erde gelebt werden soll; das nicht der Schmach und dem Spott preisgegeben werden soll: Wie lebe ich das Erbe von Jesus ? 
- Bringe ich meine Talente in die menschliche Gemeinschaft ein? 
- Wirke ich durch mein Tun heilvoll und lebensförderlich für mich und andere? 
- Trage ich zur Fülle des Lebens hier auf der Erde bei?

Wenn wir an die beschriebenen Versuchungen Jesu denken: er macht Steine nicht zu Brot – weil er nicht so beweisen will, dass ihm Gott Macht gab und er Gottes Sohn ist. Er stellt es nicht zur Schau.
Er widersteht dem „Alles haben wollen“. Er lebt die Einfachheit; er nützt die Macht, die ihm gegeben ist für das heilwerden anderer.
Auch wir können uns fragen: „Wozu nütze ich meine Lebenskraft, meine Talente, meine Macht“ ?

Ein Thema für diese Besinnungszeit kann auch sein: Welche Luft verbreite ich um mich? 
- Wie geht es Menschen in meiner Nähe? 
- Wie sehen meine Beziehungen aus?
- Wie gehe ich mit dem Bösen in der Welt um? Mit dem was mir Angst macht?
- Muss ich gegen die Kriegsbefürworter sein – oder kann ich FÜR sie um Einsicht und neue Sichtweisen beten? 
- Geht von mir in solchen Dingen Gegenaggression aus? Muss ich in der Abwertung stecken bleiben? Schieße ich aus Ärger oder Hass zurück?

Oder kann ich entschieden und mit guter Energie für eine gute Lösung eintreten, und das tun was in meiner Macht steht?


Wir hören sehr oft in diesen Wochen das Wort „bekehrt euch“.
Auf welchen Wegen soll ich eine Kehrtwendung machen, eine andere Richtung einschlagen?
Das ZIEL ist ja, auferstehen zu können;
* auferstehen auch schon in diesem Leben und für dieses Leben auf der Erde: für mich und für die Menschen um mich.
Was also fesselt mich, hält mich gefangen? Trennt mich von der „Fülle des Lebens“?

Jesus ist einen Weg gegangen, den nur manche gefolterte, geschundene Menschen auf der Welt nachgehen müssen. Er hat sich den tiefsten Dunkelheiten und Abgründen des Menschseins ausgeliefert.
Aber auch uns sind im Leben manch schwierige, schwere Wegstrecken auferlegt. Es werden nicht alle unsere Gebete erhört – und auch wir fragen warum, sind verzweifelt, hadern, klagen. Unsere Beziehung zu Gott steht dann auf dem Prüfstand – nichts mehr vielleicht stimmt von dem Satz: Wer unterm Schutz des Allerhöchsten wohnt,
               der weilet in des Himmelsgottes Schatten

Und doch – gerade dann - an unseren aussichtslosesten Punkten, können und sollen wir uns der Gnade Gottes anvertrauen und uns in ihr geborgen wissen.

Wenn es um Veränderungen geht, benötigt es viel Fingerspitzengefühl, die Balance zu finden zwischen das Notwendige selber tun – und - uns der Gnade Gottes anvertrauen!

Uns zu bekehren, uns unser Schuldigwerden anzuschauen, hat vermutlich nichts mit einer Sündenbuchhaltung im Himmel zu tun –
sondern soll uns zum Guten befreien.

Und aus diesem Grund könnte uns diese heurige FASTENZEIT „schmecken“!

09.02.2005, Adelheid Leeb

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