SelbA-Fachtagung 2026: Stimme zeigen, Verbindung schaffen
Zahlreiche SelbA-Trainer:innen, Regionsbegleiter:innen und Teilnehmende der aktuellen Ausbildung kamen zusammen, um sich auszutauschen, neue Impulse für ihre Arbeit mitzunehmen und die Gemeinschaft von SelbA zu stärken. SelbA-Referentin Astrid Gaisberger führte durch die Tagung.
Wertschätzung für eine wertvolle Aufgabe
Den Auftakt bildeten Grußworte von Landtagsabgeordneter Elisabeth Gneißl (ÖVP, i.V. von Landesrat Christian Dörfel) sowie besinnliche Gedanken von Bischofsvikar Johann Hintermaier. Im Mittelpunkt stand der Dank an alle, die sich mit großem Engagement für SelbA einsetzen.
LAbg. Elisabeth Gneißl: "Als Landesrat für Soziales ist es Christian Dörfel ein großes Anliegen, dass ich Euch heute ein großes Dankeschön für Eure wertvolle Arbeit überbringe - dem ich mich auch persönlich anschließe. Denn Ihr leistet etwas, das im Alltag oft nicht so wahrgenommen wird. Selbständig & Aktiv zu sein bedeutet Lebensqualität. Den eigenen Alltag gestalten zu können, bedeutet Lebensqualität. SelbA leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Dabei geht es nicht nur um die Förderung von Fähigkeiten, sondern auch um Gemeinschaft und das Gefühl, gesehen und wertgeschätzt zu werden."
Bischofsvikar Johann Hintermaier hob die Bedeutung von Vertrauen und tragfähigen Beziehungen hervor. "Die SelbA Gemeinschaft ist ein Ort, an dem Menschen einander Halt geben und Unterstützung als etwas Stärkendes erleben. Hier richtet sich der Blick in Dankbarkeit darauf, was (noch) möglich ist."
SelbA-Leiterin Barbara Aigner-Reitbauer begrüßte die zahlreichen SelbA-Trainerinnen im Saal und stellte das SelbA-Team vor. Ein besonderer Dank galt allen, die sich für die Weiterentwicklung und das Gelingen der SelbA-Arbeit engagieren. Melanie Wurzer, Leiterin des Katholischen Bildungswerkes OÖ erinnerte zudem an verstorbene Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, darunter die langjährige SelbA-Mitarbeiterin Manuela Thaller und ehemalige Trainerinnen und Trainer. Eine gemeinsame stille Gedenkminute gab diesem Erinnern Raum.
Mit der Stimme Brücken bauen
Ein erster fachlicher Schwerpunkt der Tagung war die Arbeit mit der Stimme. Katrin Hagenbeck, Expertin für Stimmentfaltung, zeigte auf, wie eng Stimme, Atmung, Körperhaltung und innere Präsenz miteinander verbunden sind.
"Unsere Stimme vermittelt weit mehr als Worte. Sie beeinflusst die Stimmung unserer Zuhörenden und prägt, wie unsere Botschaft ankommt. Dabei ist nicht nur entscheidend, was wir sagen, sondern auch, wie wir es sagen."
Eine tragfähige Stimme beginnt bei der eigenen Körperwahrnehmung. Eine aufrechte Haltung, eine gute Körperspannung und eine natürliche Atmung unterstützen das Sprechen. Besonders wichtig ist dabei das Zwerchfell, das wir etwa beim Lachen, Gähnen, Niesen, Husten oder Weinen unmittelbar erleben können.
Sprechen im Atemrhythmus
Mit praktischen Übungen lud Katrin dazu ein, den eigenen Stimmklang bewusster wahrzunehmen, den Atemrhythmus beim Sprechen zu nutzen und Sprechpausen auszuhalten. Denn vieles, was wir für eine gute Sprechtechnik brauchen, ist uns von Natur aus mitgegeben. Oft gilt es, diese Fähigkeiten wiederzuentdecken und eingeübte Gewohnheiten zu verändern.
Die zentrale Botschaft: Unsere Stimme macht Stimmung. Wer bewusst spricht und mit sich selbst in Verbindung ist, kann andere Menschen besser erreichen und Gespräche lebendig gestalten.
Gewaltfreie Kommunikation:
Brücken statt Mauern
Im zweiten Teil der Fachtagung stand die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg im Mittelpunkt. Das Referentenehepaar Nicola und Thomas Abler aus Kremsmünster, das sich seit vielen Jahren beruflich mit dieser Kommunikationsform beschäftigt, vermittelte die Inhalte in einem interaktiven Vortrag mit praktischen Übungen.
Gewaltfreie Kommunikation bedeutet nicht, um jeden Preis freundlich zu sein oder Konflikten auszuweichen. Sie ist weder zahnlos noch beliebig. Vielmehr geht es darum, Klarheit zu schaffen, die eigenen Anliegen auszudrücken und gleichzeitig die Verbindung zum Gegenüber aufrechtzuerhalten.
Die Gewaltfreie Kommunikation hilft dabei, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse besser zu erkennen und daraus konkrete Anliegen zu formulieren. Ihr Grundmodell umfasst vier Schritte:
- Beobachtung: Was ist konkret passiert, ohne es zu bewerten?
- Gefühl: Was löst die Situation in mir aus?
- Bedürfnis: Welches Bedürfnis steckt hinter meinem Gefühl?
- Bitte: Was wünsche ich mir konkret von meinem Gegenüber?
Die Giraffe als Symbol für eine neue Gesprächskultur
Einprägsam war das Bild der Giraffe als Symbol der Gewaltfreien Kommunikation. Mit ihrem großen Herzen steht sie für Empathie, gleichzeitig ist sie wehrhaft und kann klare Grenzen setzen. Sie sucht selbst zwischen Dornen nach den saftigen Blättern – ein Bild dafür, auch in schwierigen Situationen das Verbindende und Wertvolle zu entdecken.
Demgegenüber steht der Wolf als Symbol für eine Kommunikation, die von Urteilen, Vorwürfen, Drohungen und starren Vorstellungen von richtig und falsch geprägt ist.
Die Botschaft dahinter: Worte können Mauern errichten oder Brücken bauen. Gewaltfreie Kommunikation unterstützt uns dabei, mit unseren Worten Fenster zu öffnen, Verständnis zu fördern und tragfähige Beziehungen zu gestalten.
Blick über den Tellerrand
Sigried Spindlbeck vom Osthilfefonds der Diözese Linz berichtet über ein grenzüberscheitendes SelbA-Projekt. Der Fonds erstützt seit 25 Jahren pastorale Projekte in Mittel- und Osteuropa. Im 1. Halbjahr 2026 wurde in Bosnien und Herzegowina eine SelbA-Ausbildung durchgeführt, wodurch Multiplikator:innen in den Partnerdiözesen Mostar und Banja Luka (Partnerdiözese von Graz-Seckau) qualifiziert werden konnten.
Damit entsteht ein besonderer doppelter Nutzen der Zusammenarbeit: Das in Oberösterreich entwickelte und erprobte Know-how wird an die Partnerdiözesen weitergegeben und dort an die lokalen Bedürfnisse angepasst; gleichzeitig fließen die Erfahrungen aus Bosnien und Herzegowina in die Weiterentwicklung des Programms und den internationalen Austausch zurück.
Das kroatische SelbA-Programm soll ab 2027 für die Arbeit in Oberösterreich nutzbar gemacht werden.
Brücken, die im Alltag weitertragen
Im Anschluss an die Vorträge gab es für die Teilnehmenden noch die Möglichkeit, in Workshops in verschiedenste Praxisthemen einzutauchen und dabei Ideen und Wissenswertes für ihre SelbA-Arbeit zu sammeln.
Einen gemeinsamen Ausklang fand die Tagung beim gemeinsamen Singen mit den SelbA Singers!
Die SelbA-Fachtagung im Schloss Puchberg hat auf unterschiedliche Weise gezeigt, was es braucht, um Brücken zu bauen: Vertrauen, eine bewusste Stimme, aufmerksames Zuhören, Empathie und die Bereitschaft, einander auf Augenhöhe zu begegnen.
Diese Haltung prägt auch die SelbA-Arbeit. Wo Menschen einander begegnen, Fähigkeiten stärken, gemeinsam lachen und sich gegenseitig unterstützen, entstehen Verbindungen, die über die einzelne Veranstaltung hinausreichen.
Mit vielen neuen Anregungen und wertvollen Begegnungen endete ein Tag, der daran erinnerte, dass Brücken nicht von selbst entstehen. Sie wachsen mit jedem Schritt aufeinander zu, mit jedem aufmerksamen Zuhören und mit jedem Wort, das Verbindung schafft.
Ein herzlicher Dank gilt allen Referierenden, dem Organisationsteam und allen SelbA-Trainer:innen und Wegbegleiter:innen, die diese Gemeinschaft lebendig machen.
Brücken bauen heißt, aufeinander zuzugehen. Mit unserer Stimme, mit unseren Worten und mit dem Herzen.
Nachbericht von
Text: Silke Kreilmayr
Fotos: Chistina Bruckmayr-Oegerer
Weiterbildungs-Tipps:
- Am 12. und 13. Februar gibt es eine Weiterbildung mit Nicola und Thomas Abler im Bildungszentrum Franziskushaus in Ried im Innkreis: Einführungstage Gewaltfreie Kommunikation
- Eine Weiterbildung mit Stimmetfaltungs-Expertin Katrin Hagenbeck ist in Vorbereiung, Näheres wird demnächst bekannt gegeben.
Buchtipps der Referent:innen:
- Marshall B. Rosenberg: "Gewaltfreie Kommunikation - Eine Sprache des Lebens", Verlag Junfermann
- Marshall B. Rosenberg: "Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation - ein Gespräch mit Gabriele Seils", Herder Verlag
- Saine Geiger und Sibylle Baumgartner: "Empathie als Schlüssel - Gewaltfreie Kommunikation in psychologischen Berufen", Beltz-Verlag
- Anselm Grün: Achtsam sprechen, kraftvoll schweigen.
- Katrin Hagenbeck: Stimme spüren (Eigenverlag)