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Inhalt:
Di. 21.10.25

Gemeinschaft in gemütlicher Runde

Erzählcafé als Methode gegen Vereinsamung

„Feste, Traditionen und Bräuche … hier und anderswo“ heißt eines der 55 Themenbereiche, die das Katholische Bildungswerk für ein Erzählcafé zur Verfügung stellt. Ein Erzählcafé bietet die Möglichkeit, sich in gemütlicher Runde mit Menschen zu treffen und ins Gespräch zu kommen. 

Petra Köppl vom KBW-Treffpunkt Bildung führte mit Lydia Neunhäuserer vom Gesprächsrundenteam folgendes Gespräch.

 

Köppl: Was genau ist ein Erzählcafé – und was unterscheidet es von einer klassischen Diskussionsrunde oder einem Vortrag?
Neunhäuserer: Beim Erzählcafé kommen Menschen verschiedenen Alters bei Kaffee und Kuchen zusammen und tauschen sich über ein vorgegebenes Thema aus. Nach einer kurzen Einführung der Referentin werden in lockerer Atmosphäre Erinnerungen, Anekdoten und Erfahrungen aus dem eigenen Leben erzählt. Sehr schnell entsteht Vertrautheit und ein lebendiges Gespräch. Am Ende rundet die Referentin das Erzählcafé mit einem Text oder zusammenfassenden Worten und einem Dank für die Teilnahme ab.

 

Köppl: Welche Themen eignen sich besonders gut für Erzählcafés – und wie werden diese ausgewählt?
Neunhäuserer: Vom KBW stehen 55 ausgearbeitete Themen zur Verfügung. Diese reichen von Alltagsthemen über Jahreszeitenbezogene Inhalte bis zu interkulturellen Inputs. Die Referentin wählt ein Thema aus, das ihr am Herzen liegt, oder das zur aktuellen gesellschaftlichen Situation oder zur Jahreszeit passt. Ideen, Texte und Herangehensweisen können übernommen und durch eigene Inhalte ergänzt werden. 

 

Köppl: An wen richten sich Erzählcafés? Gibt es bestimmte Zielgruppen – oder ist gerade die Vielfalt der Teilnehmenden ein Ziel?
Neunhäuserer: Erzählcafés richten sich an alle Menschen, wobei durch die Wahl des Ortes und der Zeit oft hauptsächlich Senior:innen daran teilnehmen. Besonders interessant werden die Gespräche, wenn Menschen unterschiedlichen Alters dabei sind und ein Verständnis füreinander entwickeln und gegenseitiges Interesse gefördert wird.

 

Köppl: Wie gelingt es, dass sich auch Menschen beteiligen, die sich sonst selten zu Wort melden – etwa weil sie sich unsicher fühlen oder wenig Bildungserfahrung mitbringen?
Neunhäuserer: Die Referentin, die das Erzählcafé begleitet, achtet darauf, dass alle zu Wort kommen, indem Sie konkret Fragen an jemanden richtet und lenkend eingreift, wenn ein unausgewogenes Verhältnis zwischen Redenden und Zuhörenden entsteht. Im Idealfall entstehen durch die Gespräche auch neue Sichtweisen und eine nette Gemeinschaft in gemütlichem Ambiente.

 

Köppl: Was macht ein gelungenes Erzählcafé aus? Gibt es Momente, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Neunhäuserer: Für mich ist ein Erzählcafé dann gelungen, wenn bei den Teilnehmerinnen das Gefühl entsteht, gehört zu werden und einander zuzuhören. Berührt sein von einer Erzählung, gemeinsames Lachen und Wertschätzung für die einzelnen Lebensgeschichten zeichnen ein „gelungenes“ Erzählcafé aus.
Spannend finde ich, wie unterschiedlich Menschen ein Thema sehen können und welche Fülle die Teilnehmerinnen aus ihrer Biografie mitbringen und auch bereit sind zu erzählen.

 

Köppl: Wie wichtig ist der Raum für solche Formate? Spielt der Ort – zum Beispiel ein Pfarrsaal – eine Rolle für die Offenheit des Gesprächs?
Neunhäuserer: Der Raum sollte eher ruhig und einladend sein und ein Gefühl von „Willkommen sein“ vermitteln. Der Ort und die Anordnung der Tische und Sessel sollte an die Gruppengröße angepasst werden, sodass man einander gut versteht und sieht. Man kann sich auch in einem Kaffeehaus treffen, wenn man vereinbart, dass man einen separierten Raum zur Verfügung bekommt. Dadurch wird die Gastronomie unterstützt und manche bekommen Lust, wiederzukommen.

 

Köppl: Wie tragen Erzählcafés zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts bei – gerade in Zeiten von Polarisierung und Vertrauensverlust in Institutionen wie Politik oder Wissenschaft? 
Neunhäuserer: Der bereichernde Austausch beim Erzählcafé stärkt das gegenseitige Verständnis und das Selbstwertgefühl, leistet einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirkt der Vereinsamung entgegen.

 

Köppl: Wo kann man ein Erzählcafé kennenlernen?
Neunhäuserer: Am 12.5.2026 gibt es im Seminarzentrum Stift Schlägl eine Einführung in die Methode Erzählcafé. Gerne können wir auch in Ihrer Gemeinde ein Erzählcafé gestalten.

 

Köppl: Kann ich mir selbst einen Gesprächsleitfaden für ein Erzählcafé erstellen?
Neunhäuserer: Ja, beim Termin „Mit KI zum Herzensthema“ finden Sie am 24.2.2026 im Diözesanhaus die Möglichkeit dazu.

 

Veranstaltungshinweis:

 

Mit KI zum Herzensthema
Ihr Erzählcafé individuell gestalten
Di., 24.02.2026, 14 Uhr im Diözesanhaus Linz

 

Erzählcafé … weil Erzählen gut tut
Einführung in die Methode Erzählcafé
Di., 12.05.2026, 14 Uhr im Seminarzentrum Stift Schlägl

 

Nähere Informationen und Anmeldung:
www.kbw-ooe.at über den Veranstaltungskalender
oder telefonisch: (0732) 76 10-32 86

 

 Lydia Neunhäuserer  (c) Mirjam Himsl

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