Mit der Unsicherheit Freundschaft schließen
...Ein wohl kaum erreichbarer Zustand, dem sich die Tagungsgäste mit verschiedensten Zugängen annäherten.
„An diesem Tag wollen wir uns ganz der Frage widmen, wie wir in einer Welt voller Veränderung mutig, offen und kreativ bleiben können“, betonte MMag.a Michaela Wagner, Leiterin KWB - Treffpunkt Bildung, in ihren Begrüßungsworten. Expert:innenvorträge, spirituelle Impulse und Science - Cafés bildeten den Rahmen für Inspiration, Dialog und Vernetzung.
In Vertretung von Landeshauptmann - Stellvertreterin Christine Haberlander unterstrich LAbg. Günther Lengauer (ÖVP) die hohe Relevanz des Tagungsthemas. Angesichts einer Welt im raschen Wandel brauche es Mut, Offenheit und klare Orientierung. Das Katholische Bildungswerk ermögliche dabei wichtige Räume des Dialogs zwischen Praxis und Wissenschaft – ein bedeutender Beitrag in Zeiten zunehmender Wissenschafts-Skepsis. Ein besonderes Dankeschön richtete er an Mag.a Melanie Wurzer, die Leiterin des Katholischen Bildungswerks, für ihr Engagement im EB - Forum des Landes Oberösterreich.
Bildung als „Landkarten der Hoffnung“
Auch Bischof Manfred Scheuer griff das Thema Hoffnung in seinen Grußworten auf. „Bildung ist ein Akt der Hoffnung in unruhigen Zeiten“, sagte er mit Blick auf das apostolische Schreiben des Papstes „Neue Landkarten der Hoffnung entwerfen“. Darin ruft der Papst katholische Bildungseinrichtungen auf, sich aktuellen technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen und ihre Traditionen weiterzuentwickeln.
Ohne Unsicherheit keine Hoffnung
Dr.in Natalie Knapp, Philosophin und Publizistin, nahm die Zuhörer:innen mit auf ein Gedankenexperiment, das zum Ziel hatte, die Unsicherheit aus der Welt zu verbannen. Am Ende der Debatte stand die Erkenntnis: Ohne Unsicherheit gäbe es erstens keine Hoffnung, zweitens keinen freien Willen und drittens keine Kreativität.
„Eine Welt ohne Unsicherheit würde bedeuten, dass die Zukunft bereits feststeht. In diesem Fall wären wir ihr hoffnungslos ausgeliefert.“
(Natalie Knapp)
Pubertät als Geniestreich der Evolution
Deshalb sei auch die Zeit der Pubertät so entscheidend. "Sie ist ein Geniestreich der Evolution, denn mit der Pubertät wurde die Unsicherheit biologisch institutionalisiert. Das Jugendliche Gehirn verzichtet auf Struktur, um radikale Erneuerung zu ermöglichen“, so Natalie Knapp.
Unsicherheit eröffne Handlungsspielräume. Gerade in der Erwachsenenbildung gehe es darum, ein inklusives Wir zu schaffen und Menschen zu befähigen, mit Unsicherheiten konstruktiv umzugehen. Mut machte sie auch den Veranstaltern: „Aus der Netzwerkforschung wissen wir, dass die Bildungsarbeit weit über die unmittelbaren Teilnehmenden hinaus wirkt. Sie erreichen also nicht nur die, die gekommen sind, sondern noch drei Stationen darüber hinaus. Zum Beispiel die Kinder, die Nachbarn und deren Zahnarzt!"
Wissenschaft und Meditation - kein Widerspruch
Em. Univ.-Prof. Dr. Bruno Buchberger, Gründer des Softwareparks Hagenberg, sprach über die Verunsicherung durch den rasanten technologischen Fortschritt. Durch unsere Fähigkeit zur Reflexion sei die exponentielle Entwicklung unaufhaltsam. Umso wichtiger seien bewusste Momente der Stille.
Meditation sei kein Gegensatz zur Wissenschaft, sondern eine notwendige Ergänzung: „Wir müssen immer wieder aus dem Hamsterrad von Beobachten – Denken – Handeln, das wir in der Wissenschaft betreiben, aussteigen.“ Gerade die christliche Tradition biete dafür vielfältige Zugänge. Wer sich dem entzieht, könnte in der Schnelllebigkeit der heutigen Gesellschaft schnell überfordert sein.
"Es heißt ja ora et labora, und nicht ora et ora et ora, oder labora et labora et labora", verdeutlicht der Mathematiker, der sich schon über viele Jahre in der Praxis des Meditierens übt.
Zum Thema Künstliche Intelligenz stellte Buchberger diese Frage in den Raum:
„Was ist es wert, dass ich mir wünsche, dass die KI für mich erstellt/erledigt? Was sind wertvolle Wünsche? Auf diese Fragen kann die Wissenschaft keine Antwort geben!“
Spiritueller Impus und Science Cafés
Um das Gehörte auch gleich in die Tat umzusetzen, hatten die Teilnehmer:innen am Nachmittag die Möglichkeit, einem spirituellen Impuls folgend, in Stille und Ruhe im Garten anzukommen. "Vielleicht wird die Unsicherheit leichter, vielleicht gelingt es auch ein kleines bisschen besser mit ihr Freundschaft zu schließen", heißt es da etwa im Anschluss an eine Anleitung zum bewussten Atmen.
Nach einem gemeinsamen Singen im wunderschönen Garten des Bildungshauses Schloss Puchberg konnten die Besucher:innen aus dreizehn verschiedenen Science -Cafés wählen. Die Themen reichten von "Weltanschauung" mit Herbert Mühringer (Diözese) über "Sicherheit" mit Gerald Sakoparnig (LKA OÖ) bis zu "Frieden" mit Daniel Holzapfel (Pax Christi) und "Künstliche Intelligenz" mit Stefanie Gastberger (Trainerin für digitale Zukunftsthemen). "In unseren Science Cafés geht es darum, miteinander ins Gespräch zu kommen - offen, lebendig und auf Augenhöhe", sagt Organisatorin Mag.a Petra Köppl.
Kultureller Abschluss mit Humor
Zum Abschluss schlug der „Blonde Engel“ unter anderem mit seinem Lied über Künstliche Intelligenz eine charmante Brücke zu den wissenschaftlichen Perspektiven des Tages:
„Oiso für oda wider KI,
I glaub ehrlich es is a Remis.
So offn des klingt,
doch wohi uns des bringt,
entscheidn am End du und i.“
Fazit
Die Jahrestagung zeigte klar: Erwachsenenbildung ist ein unverzichtbarer Beitrag zur gesellschaftlichen Orientierung. Sie stärkt Menschen darin, mit Unsicherheit umzugehen, neue Perspektiven zu entwickeln und aktiv an einer lebenswerten Zukunft mitzuwirken.
Text: Mag.a Silke Kreilmayr,
Referentin für Öffentlichkeit im Kath. Bildungswerk OÖ
Fotos: Tini Bruckmayr-Oegerer