Räume prägen, wie wir einander begegnen, zuhören und uns verstanden fühlen. Am 9. Jänner wurde das Bildungshaus Schloss Puchberg einmal mehr zu einem solchen Resonanzraum. Etwa 100 Teilnehmende – überwiegend Referent:innen in der Erwachsenenbildung – kamen zusammen, um der Frage nachzugehen, wie Resonanz in Bildungsprozessen entstehen kann.

v.l.: Norbert Trawöger (Künstlerischer Direktor Brucknerhaus/LIVA), Stephanie Millinger (Katholisches Bildungswerk), Michaela Stauder (Moderatorin der Podiumsdiskussion), Petra Ramsauer (Krisenberichterstatterin), Franz Übelhör (Geigenbauer), Petra Köppl (Kath. Bildungswerk).
Einen ersten Zugang eröffnete ein kurzer Filmimpuls. Zu sehen war eine kleine, dicke Hummel, die unbeschwert durch den Tag summt – bis sie von der Wissenschaft erfährt, dass sie eigentlich gar nicht fliegen dürfte. „Ein wunderbares Paradoxon“, sagte Stephanie Millinger vom Katholischen Bildungswerk, die gemeinsam mit Petra Köppl durch die Tagung führte. „Etwas geschieht, weil es geschieht – weil es mit der Welt in Resonanz ist und nicht, weil es theoretisch möglich wäre.“
Schon zu Beginn wurde deutlich, wie kostbar Resonanz in der Erwachsenenbildung ist. „Denn echte Bildung passiert dort, wo Menschen sich berühren lassen“, betonte Petra Köppl. Die zentrale Herausforderung sei es, Räume zu schaffen, in denen genau das möglich wird.
Bischofsvikar Johann Hintermaier griff diesen Gedanken in seinem Impuls auf: „Die Resonanz, die ich mir wünsche, und die Resonanz, die tatsächlich entsteht, sind oft zwei sehr unterschiedliche Welten.“ Bildung, so betonte er, sei dort lebendig, wo Räume entstehen, „in denen aus Input und Output Neues wachsen kann“.
Drei Impulsreferate öffneten anschließend sehr unterschiedliche Resonanzräume.
Räume, die schützen und tragen
„Resonanz ist in all meinen Berufen eine große Herausforderung“, so die Krisenberichterstatterin, Autorin und systemische Psychotherapeutin (in Ausbildung) Petra Ramsauer. Sie sprach von Schutz- und Beziehungsräumen unter extremen Bedingungen. „Menschen riskieren zum Teil ihr Leben, wenn sie mit mir sprechen“, sagte sie über ihre Arbeit in Krisen- und Kriegsgebieten. Umso wichtiger sei es, selbst zum Resonanzraum zu werden: „Durch mich entsteht die Möglichkeit, dass Geschichten erzählt werden.“
Resonanz bedeute, dem Gegenüber Raum zu lassen – „so wie er ist, dort, wo er ist“. Sprache könne dabei Räume öffnen oder verschließen. So sei es zum Beispiel wichtig, nicht von Opfern zu sprechen, sondern von Überlebenden.
Wenn Stille zu klingen beginnt
Der künstlerische Direktor des Brucknerhauses Linz, Norbert Trawöger, führte in den Klangraum der Musik. „Zusammengehörigkeit entsteht durch das gegenseitige Hören“, betonte er. Im Orchester gelte es, sich selbst zu hören und zugleich die anderen, den Dirigenten und das Publikum. „Es soll klingen, als käme alles aus einer Welle.“
Besonders eindrücklich sprach er über die Stille als Voraussetzung jedes Klangraums: „Die Stille erwartet die Spielenden und die Zuhörenden. Ohne Stille gibt es keinen Klang.“
Rückblickend auf das Brucknerjahr sagte er: „Das Schönste war nicht, dass jetzt mehr Menschen Bruckner (besser) kennen. Das Schönste war, dass Begegnungsräume entstanden sind, Menschen sich gemeinsam mit etwas Geistigem, Spirituellem beschäftigt haben. Das ist eine unglaubliche Kostbarkeit.“
Der Körper, der mitschwingt
Einen handwerklich-physikalischen Zugang eröffnete der Linzer Geigenbaumeister Franz Übelhör. Er lenkte den Blick auf den Resonanzkörper als Klangraum: „Die verhältnismäßig kleine Geige ist im ganzen Konzerthaus hörbar – selbst in den hintersten Reihen. Obwohl sie nur ein Teil eines riesigen Orchesters ist. Das sind für mich die spannenden Dinge: jene, die eigentlich gar nicht funktionieren dürften, aber es trotzdem tun. Man denke nur an die Singvögel. Oder eben an die Hummel, die allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz fliegt.“
In seinem Beruf als Instrumentenbauer gehe es immer um die Verstärkung von Schwingungen. Mit ein paar wenigen Holzteilen und Darmsaiten demonstrierte Übelhör den Zuhörenden die Entwicklung der Streichinstrumente der vergangenen 2000 Jahre – in nur fünf Minuten.
Podiumsdiskussion: Resonanzräume gestalten
In der Podiumsdiskussion ging es um Bildungsräume, Kirchenräume, Konzertsäle – und um die Frage, wie solche Räume bewusst gestaltet werden können.
Einig waren sich die Beteiligten: Resonanz braucht Offenheit, fachliche Kompetenz und die Bereitschaft, sich selbst zurückzunehmen.
Petra Ramsauer formulierte es so: „Die Frage ist, ob es mir gelingt, mich als Resonanzraum zur Verfügung zu stellen.“ Und zugleich blieb eine notwendige Grenze im Raum: „Was muss vielleicht gar nicht in Resonanz gehen?“
Mit Kurzworkshops in die Praxis
Erst danach weitete sich der Tag in viele kleine Erfahrungsräume. In sieben vielfältigen Kurzworkshops – von Achtsamkeit und Humor über Musik bis zu Kommunikation und Zuhören – konnten die Teilnehmenden Resonanz selbst erproben. In kleinen Gruppen wurde gelacht, geschwiegen, zugehört und ausprobiert. Viele erlebten dabei, wie schnell Resonanz entsteht, wenn Aufmerksamkeit, Offenheit und Präsenz zusammenkommen.
Der Tag in Schloss Puchberg machte spürbar: Wo Bildung Raum bekommt, kann Resonanz entstehen. Und wo Resonanz entsteht, beginnt Bildung zu klingen.
Text: Silke Kreilmayr, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Kath. Bildungswerk