
Matsche-Pfütze
Grundsätzlich weiß ich ja, dass der regelmäßige Aufenthalt in der Natur für die Kinder gesund ist. Studien zeigen, dass Kindergartenkinder, die regelmäßig draußen spielen, deutlich bessere motorische Fähigkeiten wie Koordination, Gleichgewicht und Muskelkraft entwickeln als Kinder ohne diese Erfahrung. Freies Spiel in der Natur fördert auch kreatives und problemlösendes Denken, verbessert das emotionale Wohlbefinden und wirkt stabilisierend auf die Stimmung von Kindern. Neben all diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen erlebe ich als Opa vor allem, dass die beiden beim Herumtollen müde werden und der Rest des Tages wesentlich entspannter verläuft. Das trifft übrigens auch auf mich zu.
Das richtige Gewand
Wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung. In diesem Sinne müssen wir uns erst einmal richtig anziehen. Die Eltern haben uns jede Menge „Gatschgewand“ mitgegeben: Leggins und Pullover für darunter, wasserfeste Latzhosen und eine alte Regenjacke mit Kapuze für darüber. Dazu „Ritterhauben“, bei denen nur das Gesicht raussieht und auch der Hals schön geschützt ist. Und natürlich wasserfeste Stiefel. Alles kommt von der Tauschbörse für Kinderkleidung und darf ausgiebig schmutzig werden.
Bis wir die beiden und auch uns selbst wettertechnisch richtig adjustiert haben, dauert es. Wie schon erwähnt haben sie gerade das Level „Bewegungsdrang“ erreicht und müssen zum Anziehen noch ein paar Minuten ruhig halten. Manchmal frage ich mich halb verzweifelt: Wie schaffen das die Eltern jeden Tag?
Abenteuer im Regen
Ich würde ja, wenn überhaupt, nur eine Runde spazieren gehen. Für die Kinder ist das allerdings ziemlich fad, außer man reichert den Aufenthalt im Freien mit kurzweiligen Abenteuern an. Und da sorgt der Regen gleich für ein erstes Highlight: Matschepfützen. Neben dem Radweg, gleich hinter der Postbusgarage, sind besonders viele und einige davon auch ganz schön tief. Die Wasserlacken wirken auf die Kinder wie Magneten. Schnurstracks geht es hinein und dann wird auch einmal heftig gesprungen, dass es ordentlich spritzt. Hoffentlich bleiben die Füße halbwegs trocken!
Lustig ist es natürlich auch, wenn die Kids mit einem Zauberstab gegen Sträucher und kleine Bäume schlagen, sodass die Regentropfen von den Blättern fallen. Vor allem dann, wenn Oma und Opa gerade darunter stehen. Etwas weiter, am unbefestigten Weg neben der Traisen, erwarten uns weitere Lacken. Da könnten wir dafür sorgen, dass das Wasser abfließt. Mit dem Zauberstab kratzen wir einen Verbindungsbach zwischen Lacke und Böschung – und das Kind im Mann hilft fleißig mit.
Ganz in der Nähe hat die Traisen eine lange Schotterbank aufgeschüttet. Jetzt müssen einmal einige Steine ins Wasser geworfen werden, bevor wir beginnen, am Ufer eine kleine Bucht zu bauen, einen Hafen für die Schiffe. Hier ist die Oma kaum zu bremsen: Ein Hafen braucht Schiffe! Sie hat ein Knäuel Spagat und eine Baumschere eingepackt. Gemeinsam werden fingerdicke Weidenruten gesammelt, in zirka 20 Zentimeter lange Stücke geschnitten und zu einem Floß zusammengebunden. Jetzt fehlen nur noch der Mast und ein Segel aus Blättern. Und schon ankert ein Schiff im Hafen, bis es schließlich die Reise flussabwärts antritt.
Abenteuer im Schnee
Wenn ausreichend Schnee liegt – meist genügen schon ein paar Zentimeter – wird der Hügel am Spielplatz vor der Wohnhausanlage zum Magneten für die Kinder aus der Nachbarschaft. Mit den Bobs geht es rauf und runter. Wenn die Piste dann glatt ist, umso schneller. Auch die ersten gefahrlosen Rutschversuche auf Schiern bieten sich an, bevor es später einmal auf eine große Piste geht. Und wenn es am Hügel fad wird, dann bleibt daneben noch genügend Platz für einen Schneemann.
Bei einem Spaziergang außerhalb der Stadt suchen wir nach Spuren von Tieren. Um herauszufinden, welche Tiere hier unterwegs waren, eignet sich Google. In der Suche ein Foto machen und Google führt an, um welches Tier es sich handelt. Vogelstimmen kannst du mit der kostenlosen App von birdNET zuordnen.
Wenn etwas mehr Schnee liegt und der noch dazu patzig ist, ist der Bau eines Iglus das ultimative Erlebnis, aber auch harte Arbeit. Wir legen zuerst einmal die blaue Regentonne aus dem Garten in die Wiese und vergraben sie im Schnee – das wird der Eingang. Dahinter schaufeln wir einen großen Schneehaufen, den wir dann von innen aushöhlen. Noch ein Fenster rein und fertig ist die winterliche Höhle. Manches Mal erledigt auch der Schneepflug die Arbeit, wenn er einen großen Schneeberg zusammenschiebt, den man aushöhlen kann.
Abenteuer im Wind
Wenn es draußen recht windig ist oder sogar stürmt, sollte man die Nähe zu Bäumen meiden. Auch kleine Zweige können ganz schön weh tun, wenn sie auf dem Kopf landen. Zum Drachensteigen eignen sich ohnehin freie Wiesenflächen am besten. Irgendwo im Keller muss noch der Drache vom Vorjahr verstaut sein, oder wir basteln einen neuen. Zwei Holzstäbe, ein Müllsack, etwas Klebeband und eine robuste Schnur sollten reichen. Jetzt gilt es nur noch, das Fluggerät in den Wind zu stellen. Opa und Oma sind von der vielen Lauferei bald ziemlich außer Atem, den Kindern gefällt es.
Weniger anstrengend ist es, ein Windrad aus Zweigen und Blättern zu bauen. Zuerst müssen wir ein großes Blatt finden, etwa von einem Ahorn oder einer Kastanie, aus dem wir ein möglichst großes Quadrat ausschneiden. Das Blatt wird von den Ecken bis fast zur Mitte eingeschnitten, von jeder Ecke wird der jeweils linke Teil zur Mitte gebogen. In der Mitte einen dünnen Ast durchstecken und fertig ist das Windrad.
Bastelmaterial suchen
Ein Spaziergang bei nasskaltem Wetter kann man auch dazu nutzen, allerlei Material zum Basteln für zuhause zu sammeln. Blätter, Zapfen, Eicheln, Kastanien, Efeu, Wildfrüchte, Äste, ein paar Steine – man glaubt es kaum, wie schnell so ein Rucksack mit Fundstücken aus der Natur voll wird. Wieder zurück in der warmen Stube werden die gesammelten Schätze dann verziert, bemalt und mit etwas Draht und einer Heißklebepistole zu fantasievollen Gebilden zusammengesetzt. Kinder brauchen Natur – bei Sonnenschein genauso wie bei Regen, Wind, Nebel oder Schnee. Es geht dabei nicht darum, stundenlang draußen zu sein, sondern regelmäßig kleine Abenteuer zu erleben. Mit der richtigen Kleidung und ein paar kreativen Ideen kann so selbst ein grauer Tag zum Highlight werden.
Hinweis:
Die Österreichwerbung hat übrigens Ausflugstipps mit Kindern bei Regenwetter zusammengestellt. Du findest diese unter https://www.austria.info/de-ch/ highlights/ausfluege-mit-kindern-bei-regenwetter/
Autor: Christian Brandstätter
