„Er schickt die Leute weg...“
Wir sollten den Anfang des heutigen Evangeliums gut beachten: Jesus schickt die Leute weg. „Er drängte seine Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren“ -
Das Ganze spielt sich ab nach der wunderbaren „Speisung der Fünftausend“. Die Leute waren begeistert.
Endlich einer, der nicht nur redet, sondern Taten setzt.
Jesus hätte die Gunst der Stunde nützen können.
„Man wollte ihn zum König machen“ - heißt es bei Johannes. Aber nein: Er schickt sie alle weg.
Er wollte für sich alleine sein:
„...er stieg auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten.
Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg.“
Jesus entzieht sich der Menge. Er sucht die Einsamkeit, das Alleinsein - um zu beten – um sich zu zentrieren,
um seine Mitte zu finden.
Jesus braucht das Alleinsein: nur so findet er Ruhe, nur so findet er Klarheit für seinen Weg.
Was uns von Jesus hier erzählt wird, das gilt auch für uns. Damit man mit seinem Leben zurechtkommt,
braucht es auch ein gewisses Maß an Einsamkeit.
Es braucht die Fähigkeit und auch die Bereitschaft,
es „mit sich allein“ auszuhalten. Das ist nicht immer leicht.
Deswegen sorgen wir dafür, dass immer etwas los ist: Musik im Hintergrund, oder der Fernseher läuft, und begleitet uns durch den Tag. Das Handy ist immer griffbereit. Es gibt uns das Gefühl, immer und überall „verbunden“ zu sein, im „Netz“, von dem wir meinen, dass es uns trägt.
Zusätzlich schützen wir uns vor dem Alleinsein durch Betriebsamkeit, durch Termine - viele gar nicht so wichtig. Wir reden uns ein, dass wir keine Zeit haben, uns Ruhe nicht leisten können. - Das Ergebnis ist dann oft ein ruheloses, gehetztes Leben. Wir sind unzufrieden, wissen nicht, was wir wirklich wollen, wohin wir wollen - „wie von Wellen „hin und her geworfen“ – wer kennt dieses Gefühl nicht?.
Was unser Leben beruhigen kann, ihm Beständigkeit und Sicherheit geben kann das lässt sich an dem Beispiel Jesu erkennen.
„Er stieg auf einen Berg, um für sich allein zu sein,
um in der Einsamkeit zu beten.
„Spät am Abend war er immer noch allein…“
Dann erst – nach einer langen Nacht, „in der vierten Nachtwache“ – d.h. in der Morgendämmerung –
sahen ihn die Jünger kommen: “ER ging auf dem See“, die Wellen, der Wind – das störte ihn nicht.
Aus der Einsamkeit und dem Gebet kommend, kann Er sicher „über das Wasser gehen“.
Was den Jüngern Angst macht - die Nacht, die Wellen, der Sturm - darüber geht er sicher hinweg.
Das kommt den Jüngern zunächst einmal sehr „gespenstisch“ vor.
„Habt Vertrauen – Fürchtet euch nicht! Ich bin es!“ -
Durch Ihn beruhigt sich die Situation auch für die Jünger, vor allem für Petrus.
„Es legte sich der Wind und die Wellen.“
Mir gefällt diese Geschichte immer wieder.
Sie kann uns Anregung sein: Er schickt die Leute weg.“
Immer wieder einmal – alle und alles „wegschicken“,
in die Einsamkeit gehen, bewusst „aussteigen“, das Alleinsein suchen, sich Stille gönnen:
das hilft, so manche „aufgewühlte“ Situation und „stürmische“ Zeit zu bestehen.
Es macht uns „beständiger“ und „widerständiger“ bei Gegenwind.
Es nimmt uns die Angst, dass wir „untergehen“.
Es hilft uns, mit unserem Leben wieder besser zu Recht zu kommen.
Jesus zieht sich zurück, um in der Einsamkeit zu beten...
Ich wünsche uns allen, dass wir uns dieses notwendige Maß an Alleinsein, immer wieder einmal zumuten – oder - besser gesagt - einfach gönnen.
Eine selbst gewählte Einsamkeit, ein bewusst gesuchtes „Alleinsein“: das ist mir wichtig, das gönne ich mir.
Eine aufgezwungene „Einsamkeit“, kann schlimm sein. Sie kann uns tief verunsichern sie kann einen „krank“ machen.
Wenn es so wäre, dass „Wind und Wellen“ dir so zusetzen, dass du fürchtest „unterzugehen“ – dann hoffe ich, dass jemand dir entgegenkommt, der dir die Hand entgegenstreckt und sagt:
„Hab Vertrauen, ich bin bei dir, fürchte dich nicht!“
Amen.