Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken…
„Wie kann euer Meister mit Zöllnern und Sündern Essen?“ – so empören sich die Pharisäer. „Das ist ein Skandal! Ein ordentlicher Jude setzt sich nicht mit solchen Leuten an einen Tisch! Das tut man nicht, wenn man etwas auf sich hält!
Mit so einem Gesindel gibt man sich nicht ab.
Die Antwort die Jesus den empörten Pharisäern gibt, zeigt seine grundsätzliche Einstellung zu den Menschen:
„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken“ – sagt Jesus.
Aber diese Einstellung wurde nicht verstanden, von denjenigen, die sich für „gerecht“ und „fromm“ hielten.
So geht es nicht! – meinen diejenigen. Wo kommen wir da hin.
Die Einstellung, die wir anderen Menschen gegenüber haben, beeinflusst unser Verhalten zu ihnen.
„Die Menschen sind böse und schlecht!“ – wenn das meine Einstellung ist, werde ich mich dem entsprechend verhalten: Vorsicht, nur nicht anstreifen, am besten – keinen Kontakt.
„Das sind eh alle Gauner“ – heißt es schnell, wenn wieder einmal ein Politiker etwas „anstellt“, oder ein „Ausländer“: „Weg mit allen“! – Ist sicher keine Lösung.
„Die Menschen sind böse“!
Man muss ihnen mit Konsequenz und Strenge beibringen, was gut und recht ist, dann werden sie schon funktionieren. Und wenn nicht, dann haben sie selbst schuld, wenn man sie verachtet und ablehnt.
Wenn man so manche Debatten hört, am Stammtisch, oder bei manchen Diskussionen in den Medien – es ist oft erschreckend, wie brutal oder zynisch da dahergeredet wird. –
Die Menschen sind „krank“, sagt Jesus. Was sie brauchen ist ein „Arzt“. Einen, der ihnen mit Erbarmen und Liebe entgegenkommt.
Die Menschen sind selten „böse“ aus Absicht.
Es „fehlt“ ihnen etwas – und deswegen sind sie unfähig zum Guten. Sie können nicht anders.
Was ihnen fehlt ist Anerkennung, Wärme, Zuwendung.
Es mangelt ihnen an Liebe. Und das „kränkt“ sie.
Man kennt das ja auch aus eigener Erfahrung:
was „kränkt“, macht „krank“.
„Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“ – sagt Jesus und begründet so seine Art des Umgangs mit den Menschen:
Er begegnet ihnen mit wohlwollendet Zuwendung, mit Anerkennung, mit Liebe. Jesus gibt den Menschen zurück, was sie verloren oder nie gehabt haben:
Ihre Würde, er gibt ihnen „Ansehen“ und so das Gefühl „sein zu dürfen“, „berechtigt“ in den Augen Gottes und geliebt.
Bei Ihm haben sie „Ansehen“ – und das richtet die Menschen auf, lässt sie leben und stärkt sie.
Wir dürfen daran glauben.
Wir wissen ja aus eigener Erfahrung, dass nur verstehendes Erbarmen und liebende Zuwendung einen Menschen verändern und heilen können.
Befehle oder gar Drohungen ändern einen Menschen nicht wirklich.
Aber erkennen, was dem anderen „fehlt“, was ihn „kränkt“ – und ihm entgegenkommen, mit Verständnis und Liebe – das hilft und heilt und gibt Raum zur Veränderung.
Es ist doch tröstlich für uns alle, dass wir an einen Gott glauben dürfen, der uns - und wir alle haben es nötig – entgegenkommt, uns nie abschreibt, sondern barmherzig annimmt – und uns, wenn es „not-wendig“ ist „behandelt“, wie ein „Arzt“, damit wir wieder „heil“ werden.
Immer wieder und einmal für immer. Amen