Jesus betet:...“damit er allen, ewiges Leben schenkt.“
Liebe Schwestern und Brüder!
Jesus betet:...“damit er allen, ewiges Leben schenkt.“
„Wir bleiben in Verbindung“, so sagen wir oft, wenn wir uns von Freunden verabschieden. Wenn Freunde wegziehen, wenn der Verwandtschaftsbesuch zu Ende geht und eine lange Heimreise ansteht, oder wenn wir im Urlaub neue Freunde gefunden haben.
„Wir bleiben in Verbindung“, sagen wir.
Gut gemeint, aber ob die Verbindung wirklich bleibt, das ist unsicher.
In dieser Situation des Abschieds nimmt uns heute das Evangelium dieses Sonntages hinein.
Die Jünger sind mit Jesus zum letzten Abendmahl versammelt.
Der Evangelist Johannes überliefert uns eine lange Abschiedsrede Jesu.
Er macht den Jüngern eine klare Ansage: Ich werde euch nun verlassen, denn das ist der Weg, den ich gehen muss.
Wir können uns vorstellen, wie die Ansage bei den Jüngern ankam: Entsetzen, Verunsicherung, Nicht-wahrhaben-wollen - Trauer- all das wird sie bewegt haben. Auf einmal war da ein tiefer Schmerz, dass der geliebte Meister, dem sie voll Vertrauen gefolgt sind, sie verlassen wird.
Was tut Jesu darauf hin? Tröstet er sie, ermutigt er sie, oder sagt er auch „Wir bleiben in Verbindung“? Nichts von alldem: Jesus betet.
Die ersten Sätze des Gebetes haben wir eben gehört: Da geht es um Verherrlichung, um Ewiges Leben, um Erkenntnis und vor allem geht es um die Jünger und um die Menschen die zum Glauben an Jesus gekommen sind.
Jesus bittet inständig beim Vater für sie für uns um „Verherrlichung“. Herrlichkeit wird sichtbar, wo Menschen etwas ahnen vom Da-sein Gottes in der Welt, vom Wirken seiner Liebe.
Gott ist wirklich da, in meinem Leben.
Und dieses Dasein wirkt: seine Liebe strahlt aus in meine kleine Lebenswelt und verändert alles. Wer solche Erfahrungen gemacht hat, weiß: sie sind ein wertvoller Schatz, den man nicht mehr vergessen möchte.
Um diese Erfahrung bittet Jesus für die Seinen. Gott möge sie erkennen lassen, dass mit Jesus wirklich Gottes Herrlichkeit zu ihnen gekommen ist. Und - dass diese Herrlichkeit ihnen bleibt, wenn sie sich an seine Worte halten, wenn sie am Glauben festhalten.
Genau das ist die Erfahrung, die die ersten Christinnen und Christen nach Ostern gemacht haben: Gott bleibt durch den auferstandenen Jesus Christus bei uns über seinen irdischen Tod hinaus.
Er ist da. Und er wirkt! Seine Herrlichkeit erfüllt uns mit Glaubenskraft und Lebensmut. Und Generationen haben seither diese Erfahrung gemacht und österlich gefeiert: Gott bleibt uns treu, durch Jesus wirkt er liebevoll und kraftvoll, und zwar nicht „von oben herab“, sondern mitten unter uns. „Heiliger Geist“, so haben sie diese herrlich-göttliche Gegenwart dann genannt.
Ja, Jesus findet mehr als tröstliche Worte. Er betet. Er betet für die Jünger und Gott sei Dank auch für uns. Wir brauchen dieses Gebet nicht weniger als sie: Wie sehr wird unser Glaube heute infrage gestellt, wie sehr die Gemeinschaft der Kirche, in der wir diesen Glauben teilen?
Jesus bittet in einer Bedrängnis, den er weiß wir sind in großer Gefahr in dieser Welt. Materiell geht es uns sehr gut, aber was Frieden, Demokratie und gesellschaftliche Spaltung angeht, da sieht die Zukunft eher düster aus.
Und Wie viele Menschen müssen mit starken Zweifeln leben, müssen Lebensphasen aushalten, in denen sie sich von Gott verlassen fühlen?
Wie viele sind verwirrt und verstört von den Krisen und Nöten unserer Zeit? Da dürfen wir heute hören: Jesus betet auch für uns, auch für dich! Seine Herrlichkeit soll auch in meinem/deinem Leben wirken, in unserer Zeit, in unserer Kirche!
Können wir diesem Gebet Jesu trauen? Eines hilft uns ganz sicher dabei: dass wir auf die Erfahrungen schauen, die wir bereits mit Gott gemacht haben, auf die Momente, in denen wir gespürt haben, dass der Glaube wirklich trägt. Dass wir uns erinnern an Begegnungen, bei denen wir erlebt haben, dass Gottes Geist uns wirklich verbindet.
Erinnern sie sich an solche Erfahrungen? Dann holen wir sie dankbar aus dem Gedächtnis hervor. Und teilen wir solche Schätze unseres Glaubens miteinander.
Denn daraus schöpfen wir Mut, auch heute mit Gottes Dasein und liebevollem Wirken zu rechnen.
Der Erzbischof von Wien, Josef Grünwidl, hat beim Besuch des Papstes gesagt:
„Wir Katholiken werden zwar immer weniger, aber dafür nicht weniger wichtig.“ Weil wir mit dem Evangelium eine Botschaft von Frieden, Versöhnung, Liebe und Gemeinschaft weitergeben.
Weil sie uns Mut macht die Menschenwürde zu verteidigen.
Jesu Gebet gilt auch uns! So können auch wir voll Vertrauen in diesen Tagen zusammen mit vielen anderen von ganzem Herzen beten:
“Sende uns deinen Heiligen Geist!“ Gib uns Kraft und Glaubensmut!
Und dürfen damit rechnen: Ja, das wird er tun, auch heute und morgen. Amen.