WENN IHR NICHT GLAUBT, DANN VERSTSEHT IHR AUCH NICHT
Christus erscheint seinen Jüngern – davor haben wir schon die Berichte der Frauen vom leeren Grab gehört, und den Bericht der Emmausjünger, denen auch der Auferstandene erschienen ist. Die Dunkelheit des Karfreitags hat sich gewandelt in die Freude des Ostermorgens. Die Freunde und Freundinnen Jesu erfahren, der Tod hat nicht das letzte Wort. Jesus ist von den Toten auferstanden.
Da ist die Freude groß. Aber – einer war nicht dabei. Thomas – und der hat Zweifel. Er kann es einfach nicht glauben. Erst wenn ich es mit eigenen Augen sehe, ja dann …. aber so …… Zu tief sitzt der Schock über die grausame Hinrichtung, zu tief haben sich die Schmerzen und die Wunden Jesu in die Augen des Jüngers eingebrannt. Diese Bilder lassen sich nicht durch einen einfachen Satz der anderen „wir haben den Herrn gesehen“ vertreiben. Und so zweifelt Thomas: Warum soll Jesus jetzt plötzlich wieder da sein – nach all dem Schrecklichen, was vorgefallen ist? Ist nicht mit den Ereignissen in Golgotha all ihre Hoffnung zerstört worden?
Thomas weiss nicht, was er davon halten soll. Es kann doch nicht all das Furchtbare mit einem Schlag weggewischt werden. So als ob es nicht geschehen wäre. Golgotha hat doch alles zunichte gemacht.
Alles hat sich in Luft aufgelöst.
Und Jesus kommt ja auch nicht zurück in sein altes Leben und macht weiter wo er aufgehört hat.
Er zeigt sich den Seinen, damit sie erkennen, dass der Tod besiegt wurde. Aber er vermittelt ihnen auch, dass etwas Neues beginnt, dass sie nicht zurückblicken dürfen und bei den alten Zeiten stehenbleiben können, sondern dass sie nach vorne schauen müssen.
Johannes der Täufer hat Jesus einmal fragen lassen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten? Jetzt wissen wir – wir brauchen nicht auf einen anderen warten. Jesus Christus ist der Erlöser, der Retter. Jetzt kommt der Auferstandene und stimmt seine Jüngerinnen und Jünger ein zum Aufbruch. Er sendet sie. Er beauftragt sie: Geht, geht hinaus in die Welt, bringt allen Menschen und Völkern die Osterbotschaft: Jesus lebt, der Tod ist überwunden. Durch Jesus ist auch unser Tod überwunden.
Die Wirklichkeit der Auferstehung gilt für alle Menschen, die seine Botschaft annehmen wollen. Auch heute und uns gilt Jesu Auftrag: Geht, berichtet was ihr erlebt habt. Brecht auf und lasst die Botschaft von der Auferstehung Jesu in euer Leben eindringen. Bleibt nicht beim alten Leben haften, sondern lebt euer Leben im Licht des Ostermorgens.
Aber jetzt nochmals zurück zu Thomas: Wenn ich es nicht mit eigenen Augen sehe, wenn ich nicht meine Finger in die Wunden legen kann, glaube ich nicht.
Und Jesus gibt ihm die Chance. Er kommt noch einmal zu den Jüngern und fordert Thomas auf, seine Hand in die Wunden zu legen. Es wird uns nicht berichtet, ob Thomas das macht – aber es scheint ihm nicht mehr wichtig zu sein. Thomas sieht und kann glauben: Mein Herr und mein Gott!
Plötzlich hat Thomas es begriffen – vielleicht ohne tatsächlich hingreifen zu müssen. Er hat es verstanden. Er steht wieder fest am Boden. Sein Glaube hat wieder Bestand.
In einem uns allen bekannten Osterlied heisst es in der letzten Strophe: Mein Glaube darf nicht wanken … aber wir wissen, er wankt manchmal – wie bei Thomas – wir zweifeln, wir stellen in Frage, wir tun uns schwer mit dem Glauben.
„Wenn ihr nicht glaubt, dann versteht ihr auch nicht“ – diese Aussage wird dem Hl. Augustinus zugesprochen. Das heutige Evangelium macht das ganz deutlich. Thomas sieht den Herrn, er glaubt und er versteht.
Auf den ersten Blick würde man meinen, wir müssen zuerst verstehen, damit wir glauben können.
Zuerst der Verstand und dann das Herz. Bei Gott ist es genau umgekehrt. Zuerst das Herz – zuerst Vertrauen, sich Einlassen auf diesen Gott, Glauben an die Frohbotschaft und dann erst der Verstand – dann erst die Erkenntnis, welchen Gewinn wir aus unserem Glauben haben: Nämlich unser Heil.
Nicht mehr und nicht weniger. Heil für unser Leben, Halt in unserem Leben, Standfestigkeit für unser Leben und die Zusage, dass auch wir mit ihm auferstehen werden.
Amen.