5. Fastensonntag 2026
Liebe Mitchristen!
Eines meiner Enkelkinder hat immer wieder einmal große Angst in der Nacht. Da ist es gut und wichtig, dass die Eltern in der Nähe sind und beruhigend einwirken und dadurch Sicherheit vermitteln. Das Kind beruhigt sich dann schnell wieder, und schläft wieder ein.
Wie geht es ihnen mit den Ängsten in ihrem Leben?
Wir Erwachsene kennen genauso verschiedenste Ängste.
Angst vor Einbrechern, Angst vor Krankheit, Angst, nicht zu genügen, Angst vor den Fremden, Angst vor Krieg, Angst, dass wir uns das Leben nicht mehr leisten können, Angst vor der radioaktiven Strahlung, Angst vor Veränderung oder die Angst vor dem Tod? Je nach persönlicher Prägung sind diese Ängste unterschiedlich ausgeprägt.
In der Fastenzeit werden wir in den Evangelien mit Themen konfrontiert, die wir oft gern wegschieben und die aber doch lebensentscheidend sind. Heute geht es um das vielleicht Wichtigste überhaupt: es geht um Leben und Tod.
Vor nichts haben wir Menschen so viel Angst wie vor dem Tod. Die größte Trauer spüren wir, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Vor nichts fühlen wir uns so ohnmächtig wie vor dem Tod. Wenn es etwas gibt, das wir absolut nicht wollen, dann ist das der Tod. Und wenn es etwas gibt, dem wir unentrinnbar ausgeliefert sind, dann ist das eben auch der Tod.
Merken sie schon, wie unangenehm diese Fragen und Feststellungen sind?
Wenn wir uns das vor Augen halten, dann kann uns klar werden, wie eigentlich unglaublich die Geschichte vom Lazarus ist, die wir soeben im Evangelium gehört haben. Was unausweichlich scheint, kann anscheinend doch überwunden werden. Es sieht so aus, als gebe es doch eine Macht und eine Hoffnung über den Tod hinaus.
Genau diese Macht und diese Hoffnung will uns der Evangelist Johannes am Beispiel von Lazarus offenbar zeigen.
Dabei geht es ihm nicht um eine schöne und hoffnungsvolle Geschichte oder ein Märchen aus längst vergangener Zeit, nach dem Motto: „…und sie lebten glücklich bis an ihr Ende…“. Sondern es geht um eine Überwindung der fundamentalen Angst und des Todes, für alle Menschen, die auch für Sie und für mich gilt.
Es geht aber auch um keinen Tatsachenbericht im eigentlichen Sinne, sondern um ein Glaubenszeugnis des Evangelisten Johannes, der sein Evangelium auf den alten Überlieferungen, nach der großen Katastrophe, der Zerstörung des Tempels um ca. 100 n.Chr., aufbaut und der seiner Lesergemeinde damit neuen Mut jetzt schon für ihr konkretes Leben zusprechen will. Es soll daher ein mutmachender Text sein, der die Erfahrungen der Menschen mit dem jüdischen Rabbi Jesus von Nazareth widerspiegelt.
Das wird bald noch klarer werden an Jesus selber, beim großen Lebensfest zu Ostern, wenn er am dritten Tag nach seinem Tod aufersteht zu einem Leben ganz neuer Art, zu einem Leben, das den Tod und die Angst ein für alle Mal hinter sich lässt.
Jesus spricht das selber im heutigen Evangelium aus mit einer Klarheit, die beeindruckt: "Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt". Auf eine überwältigende Weise wird uns da Hoffnung gemacht, die der Glaube vermittelt.
Unser Glaube kann all das, was zuerst nur Angst und Untergang bringt, und ich meine hier Ängste jeglicher Art, wie ich sie Eingangs aufgezählt habe, nicht nur die Angst vor dem Tod, der Glaube kann sie verwandeln in Zuversicht, Freude und in ein hoffnungsvolles Leben.
Halten wir uns die Alternative vor Augen: wenn es keinen Gott gibt, dann sind wir Menschen wirklich hoffnungslos den Ängsten und dem Tod ausgeliefert. Zwar tun wir alles, um dem zu entgehen. Man investiert in medizinischen Fortschritt, in Gentechnologie und in so manche Therapie, in Verjüngungskuren und Anti-Aging Produkte.
Wissenschaft, neue Technologien, neue Therapien können unser Leben sehr wohl verbessern und verlängern. Doch eine begründete Hoffnung gegen die Macht der Angst und des Todes gibt es nur, wenn da jemand ist, der unsere Lebensbedingungen übersteigt und den wir in unserer Kultur Gott nennen. Und wenn Gott uns in Jesus nahegekommen ist, dann könnte alles an dieser Zusage Jesu hängen: "Ich bin die Auferstehung und das Leben".
Weil das die christliche Botschaft ist, an der sich alles entscheidet, fragt Jesus im Evangelium ganz nachdrücklich die Marta, mit der er im Gespräch ist: "Glaubst du das?" Das ist der Punkt, auf den das ganze Evangelium von heute hinzielt. Weil das die Wahrheit sein kann, an der sich der Sinn auch unseres ganzen Lebens entscheidet, fragt Jesus auch jede und jeden von uns: "Glaubst du das?" Marta hat ganz einfach und überzeugt geantwortet: "Ja, Herr, ich glaube", das erste Messiasbekenntnis bei Johannes und es kommt von Marta. Können wir, kann ich, kannst du auch so antworten?
Wir sind jetzt, in der Fastenzeit auf dem Weg, der uns zum Karfreitag und zu Ostern hinführt. Es ist der Weg, der uns wieder klar macht, worum es beim Glauben letztlich geht. Wir gehen diesen Weg, weil das Leben, weil das Sterben und die Auferstehung Jesu uns Zusage dafür ist: es gibt Gott und mit Jesus hat Gott uns gezeigt, dass er uns Menschen wirklich nicht dem Tod und der Angst überlässt, sondern dass er uns über den Tod hinaus die Fülle des Lebens schenken will. Dasselbe gilt für unsere Ängste: viele können überwunden werden durch einen festen Glauben an einen liebenden Gott, der uns umsorgt wie eine gute Mutter und ein guter Vater, der mir immer zur Seite steht. Auch wenn ich in der Nacht vor Angst nicht schlafen kann. Manche brauchen aber auch eine professionelle Therapie, das ist auch klar.
Das Evangelium von heute schließt mit dem Satz: "Viele von den Juden, die gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, fanden den Glauben an ihn".
Bekennen auch wir jetzt unseren Glauben und bitten Gott, dass wir festhalten an diesem Glauben, der zum Leben führt, heute und einmal für immer.
Amen.