1.Fastensonntag 2026
Nun ist sie da, die rechte Zeit, die Gottes Huld uns wiederschenkt. Nun ist er da, der Tag des Heils, erfüllt von Christi hellem Licht. Jetzt soll sich unser ganzes Herz durch Fasten und Gebet erneu’n, und durch Entsagung werde stark, was müde ist und schwach und krank.
Lass uns durch deine Gnade neu, dich preisen durch ein neues Lied.
Amen. (Text nach „Nunc tempeus acceptabile, spätestens 10. Jahrhundert)
Einladungen zur Fastenzeit gibt es viele, auch die Wege, wie wir fasten sollen, sind unzählige. Ganz so verschieden sind sie alle nicht. Am Beginn steht die Verheißung:
Sie werden sich gesünder fühlen! Sie werden viele Schadstoffe ausleiten und ihr Körper wird sich leichter fühlen. Sie werden neu strahlen und mit neuer Kraft leben. Die meisten Fastenversprechen begnügen sich leider mit dem rein körperlichen Prozess. Religiöses Fasten gibt es in allen großen Religionen seit Jahrhunderten. Die Einladung zum religiösen Fasten meint mehr. "Frère Roger (Gründer von Taize) sprach gerne davon, dass diese Wochen vor Ostern keine Zeit der Entbehrungen oder der Trauer sind, keine Zeit, um Schuldgefühle zu pflegen, sondern eine Zeit, um die Freude der Vergebung zu besingen. Für ihn war die Fastenzeit eine vierzig tägige Vorbereitung, um osterfähig zu werden - ein Leben mit Gott zu üben, ein Leben, das uns näher zu Gott und zu den Menschen um uns herumbringt. Die religiöse Einladung bietet 40 Tage zur inneren Neuorientierung – einen Osterputz der Lebensgewohnheiten und Lebenshaltungen an, für einen gesünderen und stimmigeren Lebensstil, dass der Weg auf Ostern hin, ein ganzheitlicher Prozess der Befreiung zu mehr Lebenssinn und Lebensfreude werden kann: So wie in der Natur Neues aufbricht, wächst und blüht – so soll es auch in unserem Leben, in unseren Beziehungen, in unserem Lebenssinn sein - Neues soll in unserem Leben zum Blühen kommen, alte Verletzungen losgelassen, Vergebung geübt und Vertrauen in Gott wachsen: Unser Herz soll sich durch Fasten und Gebet erneuern, Heilung erfahren und stark und weise werden. Der religiöse Fastenweg geht nicht ohne Hinwendung und Zeit für Gott: Durch Gottes Gnade und Christi hellem Licht werden unsere Tage zu Tagen des Heils. Durch die Gnade Gottes sollen wir neu werden, osterfähig, bereit und wach zum Aufgeweckt werden zu einem neuen Leben, wie Christus. Ich möchte Sie gerne einladen dieses Fasten auszuprobieren. Jesus gibt Tipps dazu. Mich spricht besonders der kleine Satz an: „Wenn Du betest, geh in Deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu Deinem väterlich/mütterlichen Gott, der im Verborgenen ist! Gott sieht all das Verborgene und wird es Dir vergelten! Oder aus dem Psalm; Gott sagt: Ich denke an dich und schenke dir von ganzem Herzen mein Erbarmen!
Vielleicht ist es möglich sich in dieser Fastenzeit eine bestimmte Zeit und einen besonderen Ort einzurichten, in denen Sie sich in Stille sich vor Gott hinsetzen (oder legen oder mit Gott spazieren gehen…) Als Einstimmung kann ein Gebet oder Lied helfen, sich der Gegenwart Gottes zu vergewissern. Dann bitten wir Gott mit uns auf unser Leben zu schauen: Betrachten und spüren Sie, ob so wie Sie konkret leben und fühlen, es ihrem Leben wirklich dient und dem Leben der anderen rund um sie herum. Überlegen Sie, was es braucht, dass das Leben wächst und lassen wir alles los, was das Leben verkümmern läßt. Diese kurze Zeit, des „Verweilens im Heiligen“ entfaltet in uns ungeahnte Weisheit und Liebe.
Ein weiterer Tipp aus den Religionen heißt: Fasten, Beten und Almosen geben. Wir fasten nicht dafür, dass es nur uns gut geht. Wir geben Almosen nicht nur, dass wir unser Gewissen beruhigen. Wir üben uns in der Haltung unser Herz zu öffnen für den Menschen neben uns. Die bedingungslose Liebe, die der Buddha genauso wie Jesus kennen, entfaltet sich hinter der Tür in der stillen Kammer vielleicht in Bildern und wachsenden Haltungen, gelebt wird dieses „Weilen im Heiligen“ vor der Tür, mitten in der Welt. Jesus ging in die Wüste – 40 Tage lang – um zu fasten und zu beten. Er begegnete in dieser Zeit der Stille und Einsamkeit, den Entbehrungen des Fastens, sich selbst. Er begegnete seinen innersten Ängsten und Schwächen, im Bild gesprochen: dem Teufel und den Engeln. Und dann war er soweit. Er ging in die Welt mit einer neuen Gottverbundenheit, mit einer neuen Weisheit und der Heilkraft einer bedingungslosen Liebe. In einem etwas saloppen Ton sage ich mir selbst und wage es Euch zu sagen: Nun ist sie da, die rechte Zeit, also ab in die Kammer, und dann raus in die Welt – um hier wie dort mehr im Heiligen zu verweilen. Und wie am Anfang dieser Predigt versprochen: Sie werden sich leichter fühlen, neu strahlen und mit neuer Kraft leben. Amen