„Bereitet dem Herrn den Weg!“
Er fasziniert mich immer wieder, dieser Johannes der Täufer, nicht nur weil er mein Namenspatron ist. Er ist eine interessante Figur, herausfordernd, aber auch interessant und auch anziehend für viele.
In der Wüste lebt er, seltsam gekleidet ist er, von Heuschrecken und wildem Honig nährt er sich - ein rauer Geselle. In Scharen kommen die Leute zu ihm, sie sind beeindruckt von seinen Worten und lassen sich taufen. Nicht gerade freundlich geht er mit den Menschen um. Als „Schlangenbrut“ betitelt er die angesehenen und honorigen Bürger, die da zu ihm kommen. „Schon ist die Axt an die Wurzel gelegt, um alles umzuhauen, was keine guten Früchte bringt!“ - so droht er den Leuten.
Manchmal denke ich mir:
So einer von der Art des Johannes könnte auch heutzutage nicht schaden. Einer der die Leute aufrüttelt, ihnen schonungslos ins Gesicht sagt, was sie falsch machen. Einer der aufdeckt, was faul ist in unserer Gesellschaft.
Einer – oder auch eine – der oder die - mit kräftigen Worten anspricht, was es an Scheinheiligkeit und Heuchelei in unserer Welt gibt.
Es gibt ja auch immer wieder welche, die so auftreten. Wir hören auch ganz gerne zu, wenn sich jemand kein Blatt vor den Mund nimmt und „denen da“ - gemeint sind immer „die anderen“- schonungslos „den Kopf wäscht“, es ihnen „so richtig hinein sagt“.
„Ihr Schlangenbrut, kehrt um! Ändert euch!“ - „Sonst holt euch der Teufel!“ - Es mag vielleicht manchmal berechtigt sein – in „heiligem Zorn“ - wenn es den gibt – so zu reden, wie Johannes.
Es mag vielleicht auch momentan Wirkung zeigen.
Aber ich frage mich aber, ob diese Art auch wirklich „zu Herzen geht“?
Es ist doch eine gültige Erfahrung und wir kennen das alle: Schimpfen, Niedermachen, dem anderen seine Fehler um die Ohren schlagen, das tun wir zwar gerne. Aber: ändert das einen Menschen wirklich?
Es macht den anderen vielleicht momentan gefügig.
Er reißt sich zusammen, aus Angst. Aber das ist selten von Dauer und bewirkt kaum eine wirkliche „Umkehr“.
Die Frage ist:
Wie kommt ein Mensch so weit, sich wirklich ändern zu können, wirklich umzukehren, ein anderer, besserer Mensch zu werden?
Bestimmt nicht durch Druck und Drohung, oder durch Angstmacherei. Die Art des Johannes – bei allem Respekt vor dieser Person – hat seine Grenzen.
Von einer ganz anderen Art ist dann der, auf den Johannes hinweist. Der, von dem er selbst sagt: „Er ist stärker als ich.“ - Und Johannes, so meine ich, musste diese „Stärke“ Jesu auch erst „erkennen“ lernen.
Die Art Jesu war so ganz anders. Er war nicht der, der anderen den Kopf gewaschen hätte, er war der, der sich vor dem anderen niederbeugt, um ihm die „Füße zu waschen“. Das war seine Art. Er wusste, dass Befehle - „du musst!“ - und Drohungen - „wenn du nicht, dann!“ - das Herz eines Menschen nicht erreichen.
Einen Menschen von Grund auf – „radikal“ - zu ändern.
Das kann nur geschehen in einem Feld des absoluten Vertrauens und Zutrauens, durch Zuwendung, in Liebe.
Das war der Zugang Jesu zu den Menschen.
Das war seine Art, mit den Menschen umzugehen.
Nur die Liebe kann einen Menschen wirklich verwandeln.
Jesus hatte einen anderen Blick auf die Menschen:
er sah die Menschen nicht als „Böse“ an, eher als Verzweifelte, Verängstigte, Verwundete, die Böses tun und böse sind mehr aus Hilflosigkeit als aus Absicht.
Die Art des Johannes ist oft auch unsere. Wir möchten erzwingen, mit Gewalt ändern und „geraderichten“, was „krumm ist und uneben“ – in uns selbst aber mehr noch bei den anderen. Wir schimpfen und wettern. Und richten dabei mehr zu Grunde, als wir „gut machen“ und „heilen“.
In Jesus ist eine ganz andere Art in unsere Welt gekommen. Aber ist sie bei uns auch „angekommen“?
Dass wir uns auf seine Art einlassen, uns in diese – seine – Art „einüben“, würde bedeuten: den Weg zu bereiten“ und die „Straßen zu ebnen“ für das Kommen des „Reiches Gottes“.
Und was dieses „Reich Gottes“ ausmacht, das malt uns der Prophet Jesaja in einer wunderbaren Vision aus.
Wir haben davon in der Lesung gehört:
Es ist die Vision von einer Welt, in der jeder zu seinem Recht kommt, in der Gegensätze sich versöhnen,
in der niemand dem anderen Böses will,
in der das Vertrauen die Angst voreinander auflöst
und so wirklich Frieden möglich wird. -
Diese Vision des Propheten Jesaja darf uns nicht verloren gehen. Sie kann umso mehr „ankommen“ bei uns und sich erfüllen, je mehr wir in den Geist Jesu eintauchen, uns von seinem „Feuer“ anstecken lassen. und uns in „seiner Art“ einüben.
Der Advent wäre doch eine gute Zeit dafür. Amen