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Inhalt:
So. 08.10.23

"Gott - Der enttäuschte Liebhaber"

08.10.2023, Predigt von Theresia Amatschek
Theresia Amatschek

Mt. 21, 33-42

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Weinberg: Er ist wahrhaft ein biblisches Bild für die Beziehung zwischen Gott und den Menschen, aber auch der Menschen untereinander. Er wurde oft besungen, gemalt, beschrieben. Er ist der Ort der Arbeit – und manchmal auch ein Ort der Gewalt und Emotionen so wie wir es gerade gehört haben. Erschreckend! Es ist eine Geschichte die uns betroffen macht und die mehrere Punkte hat, an denen eine Wendung noch möglich gewesen wäre. Aber es kommt zum Schlimmsten.

Die Sprache ist hart! „Zu Ödland will ich meinen Weinberg machen. Man soll seine Reben nicht schneiden. Dornen und Disteln werden dort wuchern. Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu spenden.“ Woher diese zerstörerische Wut? Was ist das für ein Gott, der sich hier zeigt? Sollte man solche Abschnitte der Bibel nicht lieber übergehen? Aber was uns unzumutbar erscheint, sollte gerade ein Anlass sein, in sie hineinzuhören! In die Rede von einer offenkundig enttäuschten Liebe, einem verletzten Gott.

So beginnt die Lesung aus dem Buch Jesaja als Lied eines Verliebten. Das Lied vom Weinberg ist voller Bilder, die für einen liebenden Einsatz stehen: Umgraben, Steine-wegräumen, Sich-um die besten Pflanzen-kümmern.

Mitten in seinem Garten errichtet der Weinbauer einen Turm und hebt zudem eine Kelter aus und er wartet darauf, dass all die investierte Liebe nun Frucht bringt.

Wenn wir nach ähnlichen Erfahrungen in unserem Leben suchen, sind es vermutlich am ehesten Eltern, die den Schmerz kennen, wenn trotz großer Mühe scheinbar nur saure Trauben hervorkommen. Sind da doch die schlaflosen Nächte junger Eltern, die Schulzeit der Kinder und der Einfluss manchmal zweifelhafter Freunde. Und das gilt nicht selten auch für Erfahrungen von Freundschaft, Liebe und  Partnerschaft überhaupt. Wie oft investiert da eine Seite in Beziehung in der Hoffnung, dass sich ein Ausgleich zwischen Geben und Nehmen (wieder) einstellt.

Wie viel an Wut und Verbitterung, Trauer und Tränen können sich da ansammeln, wenn all der Einsatz nicht wirklich lohnt?!

Vermutlich können Sie nachfühlen, was enttäuschte Liebe anrichten kann. Mit genau diesem Blick will der Prophet Jesaja gelesen werden. Denn auch Gottes Liebe und Zuwendung läuft ins Leere, wenn seine Liebe zu uns ohne Echo bleibt. Wenn wir Gott ernst nehmen, dann müssen wir auch ihm, menschlich betrachtet, seine Gefühle, seinen brennenden Schmerz und seine Enttäuschung einräumen.

Das Bild vom geliebten Weinberg in der Lesung als Vergleich mit dem Volk Gottes nimmt im Evangelium eine dramatische Wende ein. Da kommt die Ablehnung Jesu besonders durch die religiösen Führer zum Ausdruck.

Der Sohn und Erbe, der schließlich gesandt wird, und dabei sein Leben verliert, ist Jesus. Sein tragisches Ende am Kreuz wird hier schon angedeutet.

Jesus mahnt seine Zuhörer: Wendepunkte, Umkehr, Neuanfänge wären noch möglich! Das zeigt seine Geduld mit den Pächtern. Aber das Ende scheint vorprogrammiert zu sein. Der Evangelist  lässt Jesus Psalm 118 zitieren : „Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.“ Jesus ist der Eckstein. Ohne ihn bricht vieles zusammen. Mit ihm bricht etwas Neues an.

Ein dramatisches Gleichnis, das bei weitem nicht einer Seite oder einem ganzen Volk den schwarzen Peter zuschieben möchte. Angefragt sind wir alle.

Der letzte Satz von Jesus in diesem Evangelium. „Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, dass die Früchte des Reiches Gottes bringt.“

Welch Weckruf für dich, für mich, für Europa, für die Weltsynode der katholischen Kirche in Rom!

„Komm heiliger Geist!“

Amen.

 

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