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Fr. 07.04.23

Ostern bewegt

09.04.2023, Predigt von Andreas Hasibeder
Andreas Hasibeder

Joh 20,1-18

Liebe Gemeinde!

 

Ostern ist ein sehr bewegtes Fest!

Nicht nur, dass es immer an einem anderen Datum gefeiert wird, je nachdem, wann der erste Frühlingsvollmond ist, sondern auch was die Bewegung in der Schilderung des Evangeliums betrifft.

Maria von Magdala geht in aller Frühe zum Grab, das außerhalb der Stadt liegt, sie sieht, dass der Stein weggewältzt ist und rennt daraufhin zurück zu den Jüngern um ihnen, wahrscheinlich ganz außer Atem zu berichten, was sie gesehen hat.

Darauf laufen Petrus und der Lieblingsjünger Jesu, also Johannes, zum Grab, um sich von Marias Worten zu überzeugen.

Johannes ist schneller, geht aber nicht ins Grab hinein, kommt aber als erster zum Glauben. Petrus keucht hinterher und geht hinein, schließlich ist er der „Fels“, der den Vortritt bekommt. (Mit diesem Einschub wird die Rangordnung der Jünger für die jeweilige Gemeinde definiert)

Dann gehen sie wieder nach Hause.

Maria bleibt allein zurück, die Szene hat sich beruhigt, nur mehr sie und das leere Grab in der Morgendämmerung stehen im Mittelpunkt.

Zwei Engel erscheinen ihr, denen sie noch einmal das unfassbare weinend und verzweifelt erzählt. Plötzlich eine dritte Gestalt, sie meint es sei der Gärtner.

Auch er fragt nach dem Grund ihrer Tränen und wen sie sucht.

Man hat den Eindruck, ohne den Leichnam Jesu verlässt sie das Grab nicht mehr, zu wichtig war ihr dieser Jesus.

Dann die Wendung, das Wunderbare, als er ihren Namen ausspricht, da erkennt sie ihn, er gibt sich zu erkennen und sie nennt ihn beim Namen: Rabbuni, ihr Meister, sie versteht sich noch als seine Schülerin.

Aber dann der Auftrag an die Jüngerin Maria von Magdala:

Halte mich nicht fest;
denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.
Geh aber zu meinen Schwestern und Brüdern und sag ihnen:
Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater,
zu meinem Gott und eurem Gott.
Maria von Magdala läuft zu den Jüngern
und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen.
Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte. (Joh 20,17-18)

Maria von Magdala wird so zur ersten Zeugin und Verkünderin der Auferstehung. Sie wird zur „Apostola apostolorum“, zur Apostelin der Apostel, wie sie von der frühen Kirche genannt wird. Und zurecht, sie ist immer an seiner Seite gewesen, hat immer für ihn gesorgt, seit ihrer Heilung. Wir kennen ihre Krankheit nicht genau, es dürfte sich aber um eine schwere psychische Störung gehandelt haben.

Sie begleitet Jesus bis zum Kreuz, hinein in die tiefste Finsternis seines Lebens. Sie weicht nicht von seiner Seite.

Kein Wunder, dass sie ihn nicht gehen lassen will.

Sie möchte Jesus festhalten, bei sich behalten, aber das ist nicht möglich. Das Leben muss sich wandeln, muss verwandelt werden, neu werden.

Diesen Trauerprozess kann Jesus ihr und den anderen Jüngerinnen und Jüngern nicht ersparen. Es wird noch einige Zeit brauchen, bis sie das begreifen.

Aber Jesus bleibt ihnen nahe und gibt ihnen dadurch eine tragfähige Hoffnung.

In den Evangelien der kommenden Osterzeit bis hin zum Pfingstfest wird davon berichtet werden. Schon morgen, am Ostermontag begegnet er den Emmaus Jüngern in ihrer Verzweiflung und Mutlosigkeit und richtet sie auf. Dann die Erscheinung, bei der er ihnen die Wunden der Nägel zeigt und schließlich die Begegnung mit Thomas, der handfeste Beweise fordert.

Auferstehung hat immer mit Begegnung, Beziehung und Verbundenheit zu tun.

Und mit Bewegung. Die Jünger machen sich auf den Weg zum Grab, Maria von Magdala und die Mutter Jesu machen sich auf den Weg, die Emmausjünger ebenso. Und er ist da und geht mit, nicht immer gleich erkennbar, aber er ist mit ihnen unterwegs.

Kein Wunder, dass die ersten Christ:innen auch als „der Weg“ bezeichnet wurden, als Codewort in verfolgter Zeit.

Sich aufmachen, sich in Bewegung setzten bleibt Christ:innen nicht erspart.

Einerseits kann es sehr heilsam sein, Gottes Gegenwart in der Natur zu erleben, im Wandern, im Pilgern, achtsam und aufmerksam dem Wunder der Schöpfung nachzuspüren. Im Gehen kann man die Welt und auch sich selbst neu entdecken. Im Gehen mit einer guten Freundin oder einem Freund kann sich im Gespräch so manches Schwere lösen und erhellen.

Beweglich bleiben verstehe ich aber in dem Zusammenhang auch als ein Offen Bleiben für Überraschungen, für Neues, für Unerwartetes in meinem Leben. Es ist gut, geistig und geistlich beweglich zu bleiben. Im Gebet in den Ansichten und Einsichten. Das Leben bietet immer viele Sichtweisen und ist immer für Überraschungen gut.

Liebe Pfarrgemeinde, Ostern ist kein starres Fest, es ist beweglich und überraschend.

Die Begegnungen Jesu mit seinen Jüngerinnen und Jüngern in der nachösterlichen Zeit, sind geprägt von Überraschungen, Staunen, teilweise auch Furcht, aber immer auch Freude und Hoffnung.

Ich wünsche ihnen die nötige Beweglichkeit im Tun und im Denken, die nötige Offenheit und Beziehungsfähigkeit, gute erhellende Gespräche, damit die Osterfreude sich in ihnen und um sie herum ausbreiten kann.

Amen.

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