"Beharrlich im Gebet"
"Beharrlich im Gebet"
... „ dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten...“ sagt Jesus seinen Jüngern.
Und er verspricht ihnen: „Gott wird denen, die zu ihm schreien, ihr Recht verschaffen“.
Um das Beten geht es heute.
„Manchmal ist mein Beten so wie ein Arm, den ich nach oben strecke, um dir, Gott, zu zeigen wo ich bin, inmitten von Milliarden Menschen.“- habe ich irgendwo gelesen.
Ein Bild, das mir sehr gut gefällt. Beten ist „aufzeigen“, auf sich aufmerksam machen: „Da bin ich!“ – Ich möchte bemerkt werden, gesehen werden, verstanden werden - ich möchte zu meinem „Recht“ kommen.
Da ist diese lästige Witwe im Evangelium. Sie lässt sich nicht abwimmeln, immer wieder „zeigt sie auf“, immer wieder kommt sie, immer wieder klopft sie an, bis sie ihr Recht erhält.
Es geht ihr nicht um irgendetwas.
Nicht um x-beliebige, austauschbare Wünsche.
Es geht ihr um Gerechtigkeit. Um ihr Recht.
Jesus sagt: „Gott wird denen ihr Recht verschaffen, die Tag und Nacht zu ihm schreien.“-
„Gerechtigkeit“ ist einer der Grundbegriffe auf denen das „Reich Gottes“ sich aufbaut.
„Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. (Röm 14,17)“ So bringt es Paulus auf den Punkt.
„Gerechtigkeit“ meint in der Bibel immer eine Haltung, eine Art und Weise des Umgangs miteinander, die einen „Lebensraum“ eröffnet für alle.
„Gerechtigkeit“ meint eine Haltung, die das „Lebensrecht“ schafft und sichert. – Besonders für die Armen, die Schutzlosen, für die „Rechtlosen“. Für jene, die nicht selbst für ihr Recht sorgen können, denen ihr Recht vorenthalten wird.
Die Geschichte von der „hartnäckigen“ Witwe gibt uns einen entscheidenden Hinweis.
„Sollte Gott, denen, die zu ihm schreien nicht zu ihrem Recht verhelfen? – Ich sage euch: er wird ihnen ihr Recht verschaffen“ – sagt Jesus.
Und diese Zusage kann uns stärken, kann uns mutig machen und uns antreiben, uns dafür einzusetzen, dass „Gerechtigkeit“ werden kann und in der Folge: „Friede“ unter den Menschen und Freude im Hl Geist.“
Diese Zusage, dass Gott uns unser „Recht“ verschaffen will, kann uns den langen Atem schenken, die Geduld, die es manchmal braucht, und das Vertrauen: „zu Recht zu kommen“.
Wenn Beten heißt: „die Arme nach oben strecken“, dann bedeutet das ja auch: die Hände einmal von dem zu lassen, womit sie sonst immer beschäftigt sind.
„Beten“ unterbricht den Alltag, das Gewohnte, das Übliche. Beten weitet den Horizont, es hilft uns das Gegebene „aufzubrechen“ und uns „auszustrecken“ und uns „auszurichten“, uns zu „orientieren“, an dem, was wir als „Reich Gottes“ bezeichnen: Gerechtigkeit, Friede und Freude – für alle.
Wir haben in unserer christlichen Tradition einen Tag in der Woche dafür reserviert – den Sonntag.
Es ist der Tag - oder sollte es sein - an dem wir, unsere Hände frei machen, sie ausstrecken, nach oben „öffnen“, um uns neu zu orientieren, um uns wieder „zu-recht -richten“ zu lassen: für unseren Alltag, für unser Zusammenleben und für uns selbst.
Diesem Gebet - diesem „sich ausstrecken nach oben“ –verspricht Jesus Erfolg.
Wir können einander auch stützen im Gebet.
So wie Aaron und Hur den Mose gestützt haben - wenn wir uns an die Lesung erinnern. Ein eindrucksvolles Bild:
„Die beiden stützten seine Arme, so dass seine Hände oben blieben...“
Manchmal brauchen wir die Unterstützung der anderen, der Gemeinschafft, weil wir selbst schon zu müde sind und zu schwach, um unsere Hände zu erheben.
... dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten, rät Jesus den Seinen - dass meint auch uns:
allezeit beten, „aufzeigen“ - immer getragen von der Hoffnung:
„Er, Gott, wird und will uns zu unserem Recht verhelfen.“