"Wer nachdenkt hat für vieles zu danken."
"Wer nachdenkt hat für vieles zu danken."
Die täglichen Berichte aus den Kriegsgebieten trüben unsere Stimmung. Sie beinträchtigen auch dieses Fest, das wir heute feiern - „Erntedank“.
Wie kann man unbeschwert feiern, wenn wir dauernd die schrecklichen Berichte sehen und hören: so viele Gräber, schrecklich zugerichtete Menschen, zerstörte Häuser, Menschen auf der Flucht usw.…
Und es ist noch kein Ende in Sicht.
Es gibt dramatische Einbrüche in fast allen Wirtschaftszweigen. Viele Menschen haben Existenzsorgen. Alles wird teurer, alles wird knapp:
das Geld, die Lebensmittel, die Energie, die wir brauchen zum Heizen, zum Kochen…
Ein schlimmer Winter steht uns bevor, heißt es.
Ja, dass sogar die schlimmsten Waffen, die der Mensch sich je ausgedacht hat, zum Einsatz kommen könnten, wird befürchtet.
Die Ängste und Sorgen legen sich aufs Gemüt,
immer mehr, so habe ich das Gefühl.
Und wir feiern „Erntedank“. Trotz allem.
Unsere Kirche ist wieder schön geschmückt mit Erntegaben. (Danke an alle, die sich darum bemüht haben!)
Wir feiern Erntedank - und das nicht nur weil es halt so Brauch ist. Es ist uns ein Bedürfnis.
Heuer vielleicht noch mehr als sonst.
Dieses Fest, an dem wir „danken“, kann und soll uns aber auch zum „denken“ bringen.
„Denken und danken“ diese Begriffe klingen nicht nur ähnlich, sie gehören zusammen.
Es heißt: „Wer nachdenkt hat für vieles zu danken.“
Ja, wir sind „nach-denklicher“ geworden, so habe ich den Eindruck:
- Wir denken nach über die Grundbefindlichkeiten unseres Lebens:
- über die Rangordnung unserer Werte,
- über die Motivationen und Ziele unseres Wirtschaftens.
Wir denken nach…
Das „Nachdenken“ kann uns „zur Besinnung bringen“.
Und es kann uns – trotz allem - zur „Dankbarkeit“ führen:
Das, woraus wir wirklich leben, das, was uns Sinn und Freude gibt, was uns hält und trägt, sind oft „unbedachte“ und auch „unbedankte“ Selbstverständlichkeiten:
- dass täglich die Sonne aufgeht, z. B.,
- dass man gehen, sprechen, sich betätigen kann,
- dass täglich der Tisch gedeckt ist,
- dass man Freunde hat, gute Nachbarn,
- dass einen hin und wieder jemand ehrlich fragt: „Wie geht’s dir eigentlich?
- dass mir im rechten Augenblick Menschen begegnen, der für mein Leben wichtig sind,
- dass ich Halt im Glauben finde, auch wenn ich manchmal meine, dass Gott mir sehr ferne ist.
„Wer nachdenkt hat für vieles zu danken“.
Man sollte es immer wieder einmal versuchen:
für sich selbst so eine Liste der „Dankbarkeiten“ zu verfassen.
Wenn wir Gründe zur Dankbarkeit finden - und es gibt sie zur Genüge – dann haben wir eine feste Basis und werden auch die Kraft finden, es nicht nur „auszuhalten“ in schwierigen Zeiten, sondern auch „durchzuhalten“ und das „Not-wendige“ zu tun.
„Wer nachdenkt, hat für vieles zu danken.“
Scheuen wir nicht die Mühe des „Nachdenkens“,
damit wir das „Danken“ nicht verlernen.
Oder du machst es wie diese weise, alte Frau in der Geschichte, die wir gehört haben:
„… jedes Mal, wenn mir etwas gut gefällt und mein Herz berührt, nehme ich eine Bohne und stecke sie in meine rechte Tasche. Wenn ich mich freue über eine Rose, die prächtig blüht – eine Bohne in die rechte Tasche. Wenn ein Vogel singt – eine Bohne. Wenn jemand mich freundlich grüßt… wenn die Sonne meine Haut wärmt…wieder eine Bohne.
Am Abend nehme ich mir Zeit. Ich denke nach, ich zähle die Bohnen in meiner rechten Tasche – ich erinnere mich daran, wie viel Gutes und Schönes ich an diesem Tag erlebt habe – und sage Gott „Danke“ dafür.
Die Dankbarkeit macht mich „reich“ und glücklich…
Wartet einen Moment – sagt die weise Frau – Ich hole etwas für euch – und sie verschwindet im Haus und kommt zurück mit einem Körbchen voller Bohnen und hält es den Kindern hin und jedes Kind darf sich eine Handvoll nehmen und einstecken. – Fröhlich marschieren die Kinder ab…
Und was tut die Frau: sie nimmt nicht nur eine, sie nimmt zwei Bohnen aus der linken Tasche und steckt sie in die rechte….