"Keiner von euch kann mein Jünger sein"
"Keiner von euch kann mein Jünger sein...."
Manche Worte Jesu fordern heraus. Und das ist auch gut so.
Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. – Das ist so eine Herausforderung. Was meint Jesus damit?
„Du sollst Vater und Mutter ehren“ – heißt es doch im 4. Gebot. Nur so wirst du ein gutes Leben finden.
„Du sollst deine Nächsten lieben – wie dich selbst“ – heißt es doch. Sich um ein gutes, liebevolles Miteinander zu bemühen, um Frieden und Einigkeit, in der Familie und überhaupt, das kann doch nicht falsch sein?
Wie kann Jesus verlangen, dass wir die eigene Familie „gering achten“? –
„Gering achten“. Das meint hier nicht „verachten“ sondern eher etwas nicht „zu schwer“ nehmen, nicht zu viel „Gewicht geben“, sondern „leichter“ und „gelassener“ nehmen.
Psychologisch betrachtet könnte das Wort Jesu bedeuten: wenn jemand zu ihm kommt, der zu sehr an seiner Familie hängt, sich nicht „gelöst“ hat, nicht „verabschiedet“ hat, „von denen zu Hause“, oder auch: von den eigenen „Lebensplänen“ - „der kann nicht mein Jünger sein“.
Um Jesu „Jünger“ zu sein, da braucht es eine eine freie Entscheidung.
Halbherzige „Mitläufer“ sind keine „Nachfolger“.
Nur so kann „Nachfolge“ auch gelingen.
Eine Nachfolge, die auch etwas aushält, die aber auch ein „Kreuzweg“ werden kann:
„Wer nicht sein Kreuz trägt, kann nicht mein Jünger sein.“
Was ist denn das Ziel, wohin möchte uns denn die „Nachfolge“ bringen?
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, es in Fülle haben.“ – heißt ein Wort Jesu, das seine Botschaft auf den Punkt bringt. (Joh 10,10)
Darum geht es ihm: um das „Leben“, um ein „gutes“, „sinnvolles“, ein „erfülltes“, Leben.
Um das zu erreichen, ist es „not-wendig“ –- sich „freizuspielen“, sich zu „lösen“, von den „Fesseln“, die auch aus den „Familien-banden“ bestehen können.
Es gilt sich zu lösen auch von den „Ängsten“, die einen nicht los-lassen, die einen „binden“ an Umstände, die dem „Leben“ nicht guttun.
Es gibt solche „Fesseln“, die einen hindern, „ins Leben zu finden“, not-wendige Entscheidungen zu treffen.
Wie viele Wünsche bleiben unerfüllt, weil man sich nicht entscheiden kann?
Wie viele Möglichkeiten werden nicht genützt, weil man sich „gebunden“ fühlt, sich von etwas nicht „lösen“ kann oder will.
Bedenkt man das Wort Jesu auf diese Art, wird man vielleicht verstehen, zumindest erahnen, was er meint, wenn er sagt: „Keiner von euch kann mein Jünger sein,
wenn er nicht Vater und Mutter, Frau, Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein eigenes Leben „gering achtet“.
Andere Worte Jesu weisen auch in diese Richtung:
„Wer sein Leben „retten“ will, es krampfhaft festhalten will, wird es verlieren“. - Wer aber bereit ist, sein Leben „hinzugeben“, wird es gewinnen.“ -
„Ich mag mich nicht bewahren“ – heißt ein kleines Büchlein von David Steindl Rast.
Es ist sein Lebensmoto: Sich nicht „bewahren“ – sondern sich „hingeben“ - das heißt „leben“.
Ist es nicht so? Die intensivsten Momente von „Leben“, sind es nicht die Momente der „Hingabe“, der Liebe?
„Ebenso kann keiner von euch mein Jünger/in sein, wenn er nicht auf seinen ganzen „Besitz“ verzichtet“.
Denke einmal kurz daran, was du alles „besitzt“.
„Auf den ganzen Besitz verzichten“ – könntest du dir das vorstellen?
Etwas zu „besitzen“, sein Eigen nennen zu können, ist ein menschliches Grundbedürfnis.
Aber – und davor warnt Jesus - der „Besitz“ und vor allem die Gier nach immer mehr, verwüstet das eigene Leben und auch das Zusammenleben. Und dass das so ist, das erfahren und erleiden wir ja jeden Tag.
Jünger/in sein, in der Nachfolge Jesu sein, braucht den „ganzen“ Menschen: mit Herz und Hand, mit Sinn und Verstand. - Sind wir bereit?
Ein Gedanke noch:
Da war noch die Rede von dem König, der gegen einen anderen in den Krieg ziehen will. „Er setzt sich hin und überlegt“, heißt es, „ob es sich überhaupt ausgeht und auch auszahlt – oder ob er nicht besser mit seinem „Feind“ verhandeln und ihn „bitten“ sollte, um Frieden?“
Das wünsche ich mir in der gegenwärtigen Situation: beim Krieg in der Ukraine: Dass man beharrlich verhandelt. Intensiv das Gespräch sucht und einander um Frieden „bittet“.
Jede Minute, die der Krieg länger dauert, ist eine Katastrophe. „Aufrüstung“ und mehr „Waffen“ – bedeutet doch: noch mehr Tote und mehr Schäden.
Das muss ein Ende haben.
Wir beten, wir bitten Gott, dass er Frieden schafft.
Das ist gut und wichtig.
Man sollte es so verstehen:
Wir bitten um Frieden – und Gott antwortet uns:
Meine Lieben, ich habe euch ein Hirn gegeben, ein Herz und viele Begabungen.
Ihr könnt es, wenn ihr nur wirklich wollt:
„Bitte macht Frieden!“