Heute? Ja, heute!
HEUTE? Ja, heute!
Liebe Mitchristen!
Verzeihung.
Aber ich muss mich schon sehr wundern über diesen Herrn Zachäus. Er hat alles was man zu einem guten Leben braucht: beste Freunde in Politik und Militär, die Taschen voller Geld, die neuesten Informationen über Entwicklungen, wie z. B. über diese Jesusbewegung, die durch seine Stadt läuft und seine Zollgeschäfte stören könnte, weil ja vielleicht dann das römische Militär eingreift.
Deshalb war Zachäus neugierig: Was hat der junge Mann aus Galiläa, was ich nicht habe? Warum hören so viele auf ihn?
Da macht sich Zachäus sogar zum Affen und steigt auf einen Baum, um schön distanziert die Szene mit dem Prediger in der Mitte zu beobachten. In den Tempel oder die Synagoge darf er sich als Volksverräter ja nicht wagen.
So was Ähnliches tun ja auch wir manchmal. „Mal schauen, was die Kirche so macht, was der Papst so sagt und tut, gefällt mir oder passt mir nicht. Skandale gibt es ja auch. Distanz heißt die beste Taktik“.
Mittendrin kann es passieren, dass ich meine oberflächliche Neugier überzogen habe und bemerke, dass jemand oder ER selber mich braucht.
Ist schon eine außerordentliche Coolness von Jesus aus Nazareth, unter dem Baum des Herrn Zollpächters stehenzubleiben und sich dann noch dazu selbst bei ihm einzuladen – samt zahlreicher Anhängerschaft.
Da hat sich Zachäus wirklich zum „Affen“ gemacht und jetzt wird es teuer. Aber das gönnt er sich, weil er Jesus vielleicht aushorchen oder doch ihm zuhören und seine Aura, seine Ausstrahlung, erleben will. Und da passiert es. Jesus blickt ihn an und nennt ihn beim Namen! Das trifft ihn in seinem Innersten. Er bekommt eine unbekannte Wärme zu spüren und wird begeistert, ja überschwänglich. Gar unvernünftig?
Lukas, unser Evangelist, ist ein einfühlsamer Erzähler der Jesus-Geschichten und - Gleichnisse: Diesem Evangelium geht voraus die Heilung eines Blinden an der Straße nach Jericho, nachdem Jesus ihn fragte: „Was willst du, dass ich dir tue?“ Gleich anschließend an unsere heutige Geschichte folgt das Gleichnis vom anvertrauten Geld. Ein König verteilt sein Vermögen zur Verwaltung und Vermehrung. Das ist das bewährte System der römischen Besatzer.
Der mit der kleinsten, ihm anvertrauten Summe spricht es ganz deutlich aus: „Du hebst ab, wo du nicht eingezahlt hast, und erntest, was du nicht gesät hast?“ Hat Jesus auch so ein System, wenn er sich bei jemandem einlädt? Ja, er will etwas von uns: Zeit, Aufmerksamkeit, Geld...
Heute nennt UNS Jesus beim Namen und sagt: „Komm schnell herunter! Denn ich muss in deinem Haus bleiben.“
War das vielleicht schon öfter bei mir der Fall? Was hab ich ihm dann geboten?
Bin ich immer noch beim misstrauischen Anhäufen und Festhalten?
Ich wünsche uns diese herzliche Großzügigkeit und diese überschwängliche Freude, die wir in Zachäus spüren. Es ist gar nicht so einfach, im Gewusel dieser Welt zu merken, wann der
Herr denn zu Gast sein will bei mir. Er entschwindet uns ja immer wieder zwischendurch.
Und wir werden dann oft wieder zu Halbheiden, materialistisch, misstrauisch und hoffnungslos.
Zachäus und wir alle wissen, dass bei Jesus noch allerhand zu holen ist, was nicht mit Wohlstand allein zu tun hat.
Begeben wir uns also auch in seine Aura. ER hat was, das wir noch nicht oder nicht mehr haben.
Er befreit auf jeden Fall von Existenzangst und Absichern wollen. Jesus macht jedenfalls solidarisch. Zachäus ist plötzlich zu Spenden bereit, ganz unaufgefordert. Und dafür bekommt er von IHM die Gabe des Hl. Geistes, also Glück und Einsicht auf anderem Gebiet als Geld, Politik und Ansehen. Welche Horizonterweiterung! Welch ein Qualitätssprung!
„Heute muss ich in deinem Haus bleiben! Steig herab.“ sagt uns der HERR.
Sich-bekehren heißt also zuerst nichts Anderes als dem Anblick Jesu nicht auszuweichen. Immer wieder!