Arm und reich
Liebe Pfarrgemeinde!
In unserem Land, in unserer Stadt gibt es viele reiche Menschen und es gibt viele Arme. Kennen Sie einen armen Menschen in ihrer Umgebung?
Hatten Sie schon einmal Kontakt zu einem wirklich armen Menschen, der sich kaum das tägliche Leben leisten konnte?
Wie reagieren wir darauf? Mit Unterstützung, mit Wegschauen, mit Ignorieren, mit Hilflosigkeit? Jeder und jede macht das auf seine und ihre Weise, auch je nach Tagesverfassung, Zeitbudget und Einstellung.
Viele von uns sind nicht reich, aber sicher auch nicht arm und die meisten, vermute ich, haben genug für ein gutes Leben. Das beweist auch unser Spendenaufkommen in der Pfarre immer wieder.
Insofern ist das heutige Evangelium nicht direkt an uns gerichtet, aber bedenkenswert ist es auf jeden Fall, weil es das Scheinwerferlicht auf den armen und kranken Lazarus richtet, der ansonsten im Dunklen geblieben wäre. Unbemerkt und bedeutungslos für seine Umgebung. Das Scheinwerferlicht galt und gilt doch normalerweise eher den Reichen und Schönen?
Jesu Kritik gilt heute den unbekümmerten Reichen und da ist er nicht zimprlich!
Daran knüpft sich die Frage: können wohlhabende Menschen in den Himmel kommen, übersetzt heißt das für mich, können sie glücklich werden?
Die einen werden sagen, auf keinen Fall, denn die meisten sind korrupt und falsch. Andere werden sagen, warum nicht, viele spenden ja auch was an gemeinnützige Organisationen. Wieder andere finden, wenn sie mit ihrem Reichtum anständig umgehen, nichts veruntreuen, keine Steuern hinterziehen und ehrlich sind, dann schon…Andere werden fragen, wann ist jemand reich?
Im heutigen Evangelium geht es um diese Frage: können Reiche, Wohlhabende Menschen in den Himmel kommen, vor allem, wenn sie jegliche Armut ausblenden und ignorieren?
Es geht in dieser Stelle nicht darum, wie es im Himmel oder in der Unterwelt aussieht, hier spielen orientalische Vorstellungen eine Rolle, die stark von Märchen und der damaligen Vorstellung der Welt als Scheibe beeinflusst sind. Es geht vielmehr um die Gefahren des Reichtums, die Jesus in der damaligen jüdischen Gesellschaft beobachtet und die scheinbar unüberwindbare Gräben aufreißt.
Jesus spitz durch dieses Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus (was so viel bedeutet wie: „dem Gott hilft“, das Wort Lazarett leitet sich davon ab) die Dramatik und Ausweglosigkeit des falschen und unbarmherzigen Reichtums zu. So ein Mensch, der kein Erbarmen kennt, mit armen, fremden und verzweifelten Menschen, und das wirft er eigentlich dem Reichen am meisten vor, kann nicht in den Himmel kommen. Wird nicht wirklich glücklich werden. Das ist die negative Nachricht.
Außer er sieht sein Unrecht irgendwann einmal ein, würde ich dazu sagen. Denken wir an den verlorenen Sohn und den barmherzigen Vater.
Der Vater ist immer bereit, den wieder aufzunehmen, der erkannt hat, dass er am falschen Weg war. Das ist die positive Nachricht aus meiner Sicht.
Im heutigen Evangelium aber geht es um die negative Abgrenzung und das sehr drastisch und deutlich.
Menschen, die die Armut, den Hunger, die Not des anderen ignorieren, egal ob Flüchtlinge oder die Not im eigenen Land, oder die des Nachbarn, als ob es sie nicht gäbe, obwohl es für sie leicht wäre, zumindest einen Teil dieser Not zu lindern, und wenn es nur ein einfühlsames Wort, eine Geste des Mitleids oder ein Almosen wäre, denen ist der Himmel verschlossen, weil sie ihn sich selber durch ihre Hartherzigkeit und Lieblosigkeit verschließen.
Ich bin aber auch überzeugt, dass letztendlich die Wenigsten mit dieser harten Haltung sterben wollen, und da geht es nicht nur um die Unbarmherzigkeit den Armen und Fremden gegenüber, sondern genauso jeglicher Art der Unbarmherzigkeit anderen und auch sich selbst gegenüber. Aber ich bin auch überzeugt, dass Gott nach jedem Strohhalm guten Willens suchen wird, um auch diesen Menschen den Himmel offen zu halten und ihre Herzenshärte versuchen wird zu lösen.
Ich möchte mit einem positiven Beispiel, was den Umgang mit Reichtum und Wohlstand betrifft, aus den späten 1950-er Jahren schließen, das sich wirklich so zugetragen hat:
Eine junge Familie mit 4 kleinen Kindern braucht mehr Platz zum Wohnen. Sie möchten sich ein Haus bauen, aber sie haben kein Geld.
Der fleißige Mann geht zu seinem Arbeitgeber und trägt ihm das Anliegen vor. Der Arbeitgeber, ein Fabrikant und seine Frau, bieten ihm ein billiges Grundstück an, und zusätzlich einen zinsenfreien Kredit für den Hausbau. Das kleine Haus wird mit vereinten Kräften gebaut und schon nach einem Jahr kann die junge Familie einziehen. Alle sind überglücklich. Nach einigen Jahren der Rückzahlung fragt die Frau bei der Fabrikanten Gattin nach, wieviel sie noch schuldig sind. Darauf meinte diese, sie findet den Schuldschein nicht mehr und die Sache sei erledigt.
Man erzählt sich, dass auf diese Weise nicht nur einer kinderreichen Familie geholfen wurde, sondern vielen, genauso den Vertriebenen aus Jugoslawien und Rumänien.
Ein schönes Vorbild, finde ich, mit dem Umgang mit Wohlstand und Reichtum. Leider in der heutigen Zeit fast nicht mehr vorstellbar. Warum eigentlich?
Amen.