Seelsorgliches Wirken: Der interessierte, offene Blick auf den Menschen und auf seine Gott-Mensch-Beziehung
Liebe Freunde im Glauben!
Im Evangelium von heute geht es um den Fokus, den Jesus hat und zu dem er auch uns aufruft:
Wenn ein Schaf verloren geht, gilt der Suche nach ihm die ganze Aufmerksamkeit – die anderen 99 Schafe stehen da gerade nicht im Mittelpunkt.
Wenn eine Drachme verloren geht, bündelt die Suche nach der einen Drachme all die Konzentration, die übrigen 9 Drachmen spielen da gerade keine Rolle.
Der einzelne Mensch, der uns jetzt gerade braucht, steht im Mittelpunkt. Auf die Tätigkeit und das Leben in einer Pfarre bezogen möchte ich es noch allgemeiner formulieren: Der einzelne Mensch, der gerade da ist, steht im Mittelpunkt. Dieser einzelne Mensch soll das spüren, was uns immer wieder zugesagt wird: Du - mit all deinen Fähigkeiten und auch all deinen Problemen - wirst wahrgenommen. Dir wird zugehört. Du wirst wertgeschätzt. Du wirst geliebt.
Warum ich von der Tätigkeit in der Pfarre spreche? Dies hier ist die Auftaktpredigt zu meiner Anstellung als Seelsorgerin und Pastoralassistentin hier in Wels St. Josef. Es freut mich sehr, dass ich nach meiner 2-jährigen Praktikumszeit hier in St. Josef bleiben darf. Mich rührt es, dass in den letzten Monaten, seit meine Weiteranstellung bekannt ist, mir viele Menschen aus der Pfarre ihre Freude darüber ausgedrückt haben. Für die Tatsache, hier weiterhin mitwirken zu können, und für diesen herzlichen Empfang, bin ich sehr dankbar und möchte diesen Dank hier Ihnen allen gegenüber aussprechen.
Die heutigen Bibelstellen sagen Vieles von dem, was mir im Hinblick auf mein berufliches Wirken (jetzt im Speziellen hier in dieser Pfarre) wichtig ist – es sind Leitgedanken, die mir Ziel sind (in der Hoffnung, dass ich ihnen meistens gerecht werden kann):
Das Evangelium mit den Gleichnissen Jesu zeigt mir:
Es geht um den vorher angesprochenen Fokus, um den interessierten, offenen Blick auf den einzelnen Menschen, der gerade vor mir steht, nicht hängen bleibend beim Äußeren, offensichtlich Erkennbaren, sondern offen für das, was aus dem Menschen herausleuchtet, -glitzert, -funkelt. Und auch offen für die Schatten und Dunkelheiten, die jeden Menschen begleiten und sein Antlitz prägen. Es geht um das offene Ohr für das, was der Mensch ausspricht, mit Worten, Gestik und Haltung, Mimik, dabei die Worte immer als individuell verwendete Ausdrucksmittel erkennend, die selten alles auszudrücken vermögen, was für den Menschen wichtig ist. Es geht um den Sinn für den Sinn dieses Menschen, den Sinn, der von Gott kommt und zu Gott zurückführt. Und es geht um den Prozess, um die Beziehung mit dem jeweiligen Menschen, um den Aufbau von Vertrauen. Seelsorgliches Handeln und Wirken kann nur auf dem Boden von Vertrauen geschehen. Anvertrautes bleibt Anvertrautes.
Es geht auch um die Aufmerksamkeit für die Menschen, die am Rand stehen, sei es durch existentielle Nöte oder auch durch andere Schwierigkeiten, Teil der Gemeinschaft zu sein. Was heißt das konkret?
Auf der einen Seite: karitatives Engagement oder Unterstützung desselben – Denn: Was ist die Kirche ohne die Caritas?
Auf der anderen Seite: der sensible Blick auf die Gemeinschaft der Pfarre und darüber hinaus: Wo stehen Menschen am Rand? Wo haben Menschen eine unerfüllte Sehnsucht nach Gemeinschaft? Wie kann diesen Menschen die Tür zu Gemeinschaft geöffnet werden?
Auch in der Lesung vom Alten Testament, in dem Mose als Fürsprecher für sein Volk auftritt, wird für mich ein klarer pastoraler Auftragsbereich augenscheinlich: Die Beziehung zwischen Mensch und Gott.
Der Dialog zwischen Gott und Mose zeigt:
Gott ist offen für ein Gespräch mit ihm. Gott ist bereit, in eine dialogfähige Beziehung mit uns Menschen zu treten. Gott hört unsere Bitten und Gebete.
Also sehe ich es als Teil meines Berufs, für mich persönlich dieses Gespräch mit Gott zu pflegen, UND andere Menschen und ihre Sorgen in meine Gebete einzuschließen.
In der Lesung sehen wir auch: Mose hatte eine besonders partnerschaftliche Beziehung mit Gott. JEDER Mensch hat eine besondere Beziehung mit Gott und es gibt wohl so viele verschiedene Gott-Mensch-Beziehungen wie es Menschen gibt. Als Seelsorgerin sehe ich es als meine Aufgabe die Menschen, die sich mir anvertrauen, in ihren ganz individuellen Gott-Mensch-Beziehungen zu begleiten.
Für diese Gott-Mensch-Beziehung braucht es Räume. Das Offenhalten und die Eröffnung solcher Räume ist mir und uns allen in der Kirche Tätigen ein großes Anliegen.
Damit komme ich auch schon zu meinen Tätigkeitsbereichen hier in St. Josef:
Mitgestalten und Leiten von liturgischen Angeboten, den Sonntags-, Feiertags- und auch Wochentagsgottesdiensten, aber auch an anderen und neuen liturgischen Formen.
Weiters bin ich quasi der Ort, wo sich pfarrliche Bereiche und Angebote für junge Menschen miteinander vernetzen: Jungschar, Ministranten, Jugend, Eltern-Kind-Treff, Kinderliturgie, Kinderkirche, Familiengottesdienste, Bunte Kirchenecke. Man kann diesen Bereich auch Kinder-, Jugend- und Jungfamilienpastoral nennen.
Auch bei in der Sakramentenpastoral habe ich meine Zuständigkeitsbereiche: An einem Wochenende im Monat bin ich für die Taufen zuständig, ich bin die Hauptansprechperson für die Firmung und Mitwirkende in der Firmvorbereitung, bei der Erstkommunion arbeite ich vorerst nur ein wenig mit.
Außerdem werde ich in einigen Wochen für die Begräbnisse, die an den Freitagen stattfinden, zuständig werden.
Als hauptamtliche Seelsorgerin bin ich selbstverständlich Teil des Pfarrleitungsteams und des Pfarrgemeinderates.
Grundsätzlich sind alle diese Bereiche Herzensanliegen von mir. Eine Sache, die aber noch nicht zur Sprache gekommen ist, ist die der Natur und der Schöpfung: Ein sehr wichtiges Fundament meines Glaubens ist die Beziehung zur Natur. Um mit Gott in Beziehung zu treten, um mich verbunden zu fühlen, gehe ich meistens hinaus, laufe durch den Wald, fahre mit dem Rad hierher und nach Hause, mache Gymnastik auf der Wiese oder besteige Berge. Ein Leben im Glauben an Gott bedingt meines Erachtens den dauernden Blick auf die Schöpfung als unsere Lebensgrundlage, die zu bewahren ein Dienst an Gott ist. Dass wir als Pfarre diesbezüglich bewusst und engagiert handeln, ist Vielen, mit denen ich gesprochen habe, und auch mir ein großes Anliegen.
Im Pfarrbüro wird man mich zu folgenden Zeiten finden:
Dienstag, 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr. Freitag, 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr. Am Freitag bin ich dann auch spätnachmittags/frühabends zu den Zeiten von Jungschar-/Mini- und Jugendtreffen in der Pfarre.
Und nun, um zum Punkt zu kommen:
Ich danke Ihnen. Für Ihre herzliche Aufnahme vor 2 Jahren, als ich als Praktikantin frisch hierher gekommen bin. Ich danke Andreas Hasibeder - für deine gute, umsichtige, herzliche Begleitung in den letzten beiden Jahren. Ich danke dir auch, dass durch deine Altersteilzeit Stunden für mich frei geworden sind. Ich danke für die herzliche Aufnahme im Pfarrbüro durch Silvia Gangl, Andreas Hasibeder und Hans Bräuer. Und ich danke Ihnen, dass Sie mich als Mitglieder dieser Pfarre durch das bunte und herzliche Pfarrleben zum Hierbleiben motiviert haben. Der PGR-Beschluss, dass ich bleiben darf, wurde zwar im Vorfeld hitzig diskutiert. Ich hatte aber Glück ?
Es kann immer wieder sein, dass ich Hoffnungen und Erwartungen enttäusche. Sollte dies so sein, wäre ich dankbar für ein Gespräch darüber.
Danke für das Vertrauen in mich!