Das Gebet des Herrn: Welch ein Geschenk!
Liebe Schwestern und Brüder!
Ist Ihnen sicher auch aufgefallen: Nur Vater, geheiligt werde dein Name. heißt es da im Evangelium.
Unser tägliches VATERUNSER steht nämlich im Mt Evangelium. Die heutige Gebetsempfehlung Jesu steht bei Lukas. Heißt das was: VATER allein!? Nicht „unser“. Auch nicht „im Himmel“. Einfach „VATER“
Muss heißen: „Darf dich so nennen, weil Jesus unser Bruder geworden ist. Du bist da. Ich verehre dich. Du nimmst mich wahr.“
Dann geht es bekannt weiter, aber es soll uns nicht ganz selbstverständlich sein.
„Geheiligt werde dein Name.“
Was ist unserer Welt heutzutage „heilig“, also unbestritten, zielführend, was sich schließlich und endlich wirklich durchsetzt? Der Vater allein verdient die absolute Anerkennung. Nur an IHN kann ich mein Herz hängen und alles andere kommt an 2. Stelle.
Ja, für Jesus ist das die Voraussetzung, dass man überhaupt weiter beten kann – im VATERUNSER wie im Leben. Zuerst müssen wir also aufschauen zum Vater, dem einzig Heiligen, dann erst um das Kommen seines Reiches bitten, im Himmel und auf Erden, also auch in unseren brennenden Anliegen.
Eine der ältesten Schriftrollen des Neuen Testaments im Lukasevangeliums übersetzt „Reich Gottes“ gleich mit einer Einfügung: „Dein Geist, der Heilige, komme und reinige uns“
Da sollen wir uns also erst eine neue Sichtweise schenken lassen, d.h. IHM eine Lösung zutrauen, die wir noch nicht ahnen. Ihm also zuschauen wie ER am Werk ist.
Beten wir also zu schnell mit dem Blick auf unsere eigene Realität?
Verständlich! Jede/r hat seine echten Anliegen. Wenn momentan nicht, sollte man sich umschauen und sie in der Welt entdecken und solidarisieren, also mittragen. Dazu sind u.a. unsere Fürbitten im Gottesdienst da.
„Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen!“ Das ist die Mitte des Herrengebets. Jetzt geht es um das Notwendigste. Das Brot steht für alles was wir brauchen, nicht in Hülle und Fülle, sondern was wir täglich brauchen zum Leben und Überleben. Also die Grundbedürfnisse des Menschen wie Essen, Trinken ein Dach über den Kopf. Bildung und Arbeit um den Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Ich darf das vor Gott so sagen und erbitten. Es ist aber nicht nur meines, sondern “ unser“ tägliches Brot. Die Güter der Erde gehören allen, nicht nur wenigen. So will es auch die Grundlehre des Christentums.
„Unser tägliches Brot gib uns heute“ beten wir:
Das nehmen wir manchmal nicht so ernst, weil wir es ja noch wie selbstverständlich verfügbar haben. Millionen Menschen nicht!
Was aber könnte mit „Brot“ noch gemeint sein? Wir brauchen etwas für Leib und Seele. Dafür Bitten, dass Gott mir Ideen gibt für die es sich lohnt zu leben, gut und Menschenwürdig zu leben. Gemeinschaft, Wertschätzung, Anerkennung, Gerechtigkeit, saubere Luft u. Wasser und ganz wichtig sind Freunde, mit denen wir Freuden und Nöte teilen können. Und gute Entscheidungen fürs Leben.
Der 2. Teil unseres Evangeliums heute erzählt die Geschichte eines Notfalles und einen krassen Vergleich. Krasser geht es nicht.
Auch zu Jesu Zeiten war Vertrauen auf den Nächsten und Solidarität nicht selbstverständlich.
Aber man war auch leichter erreichbar für den Nachbarn. Man lebte verwundbarer als wir heute.
Mit dieser sozialen Situation demonstriert uns Jesus das Ausgeliefertsein.
Unsere westliche Welt hält ja nicht sehr viel von Religion. Was zählt, ist Spaß und eine Flut von Informationen, immer mehr gilt das Prinzip des Stärkeren, des Schnelleren. Vollendete Tatsachen, ob sie andere erdrücken oder nicht. Auch wir müssen beten: „Führe uns nicht in Versuchung!“
Statt Fisch – Schlange. Statt Ei – Skorpion!? So ist keiner zu seinem Sohn, zu seinem Nachbarn, sagt Jesus bei Lukas. Er weiß eben wir sind oft misstrauisch. Brauchen wir nicht! Der himmlische Vater liebt uns, er will das Beste für uns.
Die große Überraschung kommt aber am Schluss des heutigen Lukasevangeliums. Nämlich, dass wir bei unseren Bittgebeten an den Vater oft nichts Konkretes, kein Wunder erhalten, wie wir das gerne hätten, sondern den Hl. Geist!
Sind wir jetzt ein bisschen enttäuscht? NEIN! Jetzt dürfen wir wirklich drauf vertrauen, dass einer mit uns geht. Ja sogar zuschauen wie er aktiv ist.
Ich kenne ein uraltes Gebet, das so lautet:
„Komm herab, o Heil´ger Geist, der die finst´re Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. -
Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund. -
Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält. -
Wärme du was kalt und hart, löse was in sich erstarrt, lenke was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit.“ GL 344
Und diese Gaben des Heiligen Geistes schenkt uns der Vater, wenn wir Ihn darum bitten. AMEN