Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht der Mund.
Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht der Mund.
Liebe Schwestern und Brüder!
Eine Fülle von Bildern und klugen Sprüchen kommen uns heute im Evangelium zu Ohren.
Es ist der 3. und fast letzte Teil der sog. „Feldrede“ des Lukas.Die Aussagen Jesu sind Bilder aus dem Alltag der Menschen.
Jesus spricht zu seinen Jüngern über ihren Stand.
Ohne seine Lehre Jesus anzunehmen bleibt der Jünger, der Jesus nachfolgen will, blind und deshalb auch nicht in der Lage, andere die blind dafür sind, zu führen.
Der Meister – Jesus - hilft durch seine Lehre dem Jünger die eigenen „Balken“d.h.Fehler u. Unzulänglichkeiten zu erkennen. Erst wenn der Jünger sich kennt, ist er in der Lage andere zur Klarheit zu führen.
Eine Gegenüberstellung von Gut und Böse erinnert uns an den Ernst der zwei Wege: nämlich ein sündhafter Weg, der das eigene Leben und das der anderen einschränkt und einengt, gegenüber einem rechten Weg, der allen die Fülle des Lebens verheißt und die eine innere Freiheit des Menschen gewährt.
Was ist da neu an Jesu Worten?
Krass, wenn Jesus sagt: „Du Heuchler!“
Der Abschnitt des heutigen Evangeliums kreist um die Entlarvung und die Heilung der Heuchelei.
Warum immer wieder dieses Maskenspiel der falschen Selbstdarstellung?
Woher kommt das immer wieder in uns? Blinde wollen Blinde führen. Sie glauben zu sehen und doch sind sie blind.
Wie oft glauben wir es besser zu wissen, andere die Leviten zu lesen, ohne uns selbst zu kennen? Wir alle müssen uns diese Fragen stellen: wenn ich andere führen muss? In der Familie die Kinder, im Beruf die Mitarbeiter, in der Politik die Geschicke der Gemeinschaft? Bin ich sehend genug, weit - und klarsichtig um andere den Weg weisen zu können? Dazu ist es notwendig unsere eigenen Fehler und Schwächen zu kennen. Da gibt es sicherlich Neigungen und Eigenarten, die uns mit uns selbst unzufrieden lassen.
Drastisch ist das Bild vom Balken im eigenen Auge. Du siehst deine Riesenfehler nicht, kritisierst aber die kleinen Mängel des anderen.
Ich glaube die Blindheit hat eine tiefere Wurzel. Ich frage mich: Wie sieht es aus in meinem Herzen? Wovon ist es voll? Von Neid und Eifersucht? Von Geiz und Gier? Oder von Liebe, Güte, Geduld...Der Mund kann auf Dauer nicht lügen.
Was im Herzen ist, entschlüpft dann doch einmal dem Mund und sei es nur ein Nebensatz.
Die Wahrheit holt uns ein. Der Mund verrät was im Herzen ist, unsere Früchte zeigen, was für ein Baum wir sind.
Die Heuchelei hält nicht und das ist gut so. Die Wahrheit tut weh, aber sie macht frei.
Jesus kann dann unser Herz heilen und seine Liebe in uns einpflanzen.
Er hat es uns gezeigt.
In den Begegnungen mit Menschen hat Jesus sie immer gefragt. „Was willst du, was soll ich für dich tun?“ Er begibt sich auf Augenhöhe mit dem der Hilfe braucht. Er zeigt sich nicht als jemand, der immer schon weiß, was für den anderen gut ist. Jesus ist es wichtig, dass der Mensch, der ihm gegenübersteht und um Hilfe bittet, nicht in der Rolle eines Bittstellers bleibt und sich nicht in eine Abhängigkeit begibt. Er soll zur Sprache bringen, was seine Not wendet. Damit bewahrt er seine Selbstachtung.
Darum gibt Jesus z.B. nach einer Heilung auch immer wieder Hinweis:“Dein Glaube hat dir geholfen.“
Dein Gottvertauen ist der Grund deiner Heilung.
Jesus lehrt uns auch aufmerksame Zuhörer zu werden. Ein offenes Ohr, ein waches Herz und die Augen nicht vor den Nöten unserer Mitmenschen zu verschließen. Wer die Erfahrung machen durfte, einem Menschen zu begegnen, der ihm ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt, der erlebt etwas Besonderes.Er spürt, dass er einem anderen etwas bedeutet und das lässt ihn aufleben. Es schenkt tatsächlich neuen Lebensmut, neues Selbstbewusstsein und damit neue Lebensfreude.
Am Ende des heutigen Evangeliums stellt Jesus die Frage nach den Früchten die nur ein guter Baum hervorbringt. Die Früchte können zeigen ob wir auf dem richtigen Weg sind.
Wem es gelingt im Menschen seine eigene Würde, seine Gottesebenbildlichkeit zu wecken und damit auch die Sehnsucht nach einer Gottesbeziehung, unabhängig von seinen Fehlern und allem Scheitern in seinem Leben, der darf in seinem Wirken solche Früchte erkennen. Sie werden dort wachsen, wo jemand sein Herz dem anderen öffnet.
Gott schenkt uns Klarsicht und die Kraft, ein „guter Baum“ zu sein, der in das Miteinander der Menschen auf Erden seine“Früchte“ einbringt.
AMEN