So tat Jesus sein erstes Zeichen ...
Stellen wir uns vor, wir sind dabei, bei dieser Hochzeit zu Kana. Das Fest ist voll im Gang – Plötzlich merkt man:
es stimmt etwas nicht. „Sie haben keinen Wein mehr!“ –
Es ist doch sehr peinlich, wenn bei einer Hochzeit der Wein ausgeht. Eine Blamage für das Brautpaar. Eine Enttäuschung für alle.
Wenn das heute passiert: sofort würde ein Schuldiger gesucht: Der Hochzeitsmanager? Der Wirt? Das Brautpaar selbst? Die Eltern? - Irgendwer muss doch schuld dran sein! Auf irgendwen möchte man seinen Ärger und seinen Frust abladen.
Hat man einen Schuldigen gefunden, ist man selbst „entschuldigt“. – Ich kann nichts dafür. An mir liegt es nicht. -
Der Evangelist Johannes nennt, was da passiert, zu Kana, ein „Zeichen“ -. nicht ein „Wunder“. –
„So tat Jesus sein erstes „Zeichen“ in Kana in Galiläa.“-
Es ist ein „Zeichen“. Und als solches sollten wir es auch verstehen. Ein Zeichen – aber wofür?
„Unser Leben sei ein Fest“ – so haben wir gesungen. So wünschen wir es uns. Und bisweilen stimmt es auch.
Es gibt Zeiten in unserem Leben, die möchten wir als „Hoch-zeiten“ bezeichnen. Alles stimmt. Alles ist gut. Das Leben und Zusammenleben - eine reine Freude, ein Fest.
Es gibt aber auch das Gegenteil: „Tief-zeiten“.
Und wer kennt sie nicht. Zeiten, in denen nichts mehr geht, in denen alles sich gegen uns verschworen hat.
Alles scheint leer und sinnlos.
Das sind die Zeiten, in denen uns der „Wein ausgeht“.
Nicht unbedingt der im Keller – aber:
- der Wein der Lebensfreude, des Lebensmutes,
- der Wein des Vertrauens, der Gemeinsamkeit,
- der Wein der Zufriedenheit, des Glücks.
So sehr kann uns der „Wein“ ausgehen, dass man glaubt
es geht nichts mehr, es ist alles aus. Im privaten Leben kann das passieren, aber auch in der Gesellschaft.
Ist es übertrieben, wenn ich sage: Wie es momentan läuft in unserer Gesellschaft: „Es droht uns der Wein auszugehen?“ –
Die Stimmung im Land ist am Boden, wird immer gereizter und aggressiver.
Lautstark und wütend werden „Schuldige“ gesucht:
die Politiker sowieso, die Geimpften, die Nichtgeimpften, die an Verschwörungen glauben, die Wissenschaftler –Irgendwer muss ja schuld sein!
Bis in die Familien hinein entstehen Klüfte und Feindseligkeiten.
Man kann nicht mehr recht miteinander.
„Unser Leben sei ein Fest…“ – haben wir gesungen.
Nur ein frommer Wunsch?
Schauen wir auf dieses „Zeichen“, das Jesus uns gibt.
Es kann uns zeigen, auch für unsere Situation, was „not-wendig“ wäre, damit die Lage sich „wandeln“ kann.
„Tut, was er euch sagt!“ - so der Hinweis, den Maria gibt. Sie war es, die das Problem bemerkt hat und Jesus darauf aufmerksam macht. „Sie haben keinen Wein mehr!“ – Zu den Dienern sagt sie: „Was er euch sagt, das tut!“ Und was Er sagt ist schlicht und einfach:
„Füllt die Krüge mit Wasser! –
„Und sie füllen sie bis zum Rand.“ Und das genügt. -.
Ihr Tun „verwandelt“ die Situation auf „wunderbare“ Weise.– Aus Wasser wird Wein
So tat Jesus sein erstes „Zeichen“.
Es fällt auf, dass Jesus selbst in dieser Geschichte eigentlich gar nichts tut.
Nicht er „macht“ dieses Wunder. Er ist kein Zauberer.
Das Wunder geschieht, weil die Leute „tun, „was er sagt!“
„Füllt die Krüge mit Wasser!“ – „Und sie füllten sie bis zum Rand“.
Das ist das „Not-wendige“ – in dieser Situation. Im wahrsten Sinn des Wortes. Sie tun, was sie tun können.
Sie nehmen von dem, was da ist, sie tun was ihnen möglich ist - und das wendet die Not. – Aus Wasser wird Wein, sogar besserer als zuerst.
Ein „Wunder“, ein „Zeichen“ damals. Ein Zeichen auch für uns, heute. - Und dieses Zeichen gilt es zu verstehen.
„Tut, was er euch sagt!“ – „Füllt die Krüge mit Wasser!“
Ich wünsche uns allen, dass wir in der Herausforderung unserer Zeit, mutig und zuversichtlich tun, „was Er uns sagt“. Es ist das, was „not-wendig“ ist.
Wenn wir in seinem Sinne – „Jesu Geist in unserer Mitte“-unseren „Beitrag“ leisten,
wenn wir mit Zuversicht geben, was wir geben können, um die „leeren Krüge“ zu füllen – auch wenn es uns nur wie „Wasser“ vorkommt.– wir werden uns „wundern“, wie sich alles „wandeln“ kann.