Mein Königtum ist nicht von dieser Welt
Wir feiern „Christkönig“ – heute am letzten Sonntag des Kirchenjahres.
Mit Königen haben wir es heute kaum mehr zu tun.
Die wenigen Könige, die es noch gibt, sind eher Folklore. Sie haben nicht mehr viel zu sagen. Sie sind für manche so Aufhänger für Träume von einer Welt, reich und schön. Aber so ganz ernst genommen werden sie nicht mehr.
Das war nicht immer so. Es gab gute, fürsorgliche „Könige“, denen das Wohl ihrer Untertanen wirklich am Herzen lag. Oft aber waren Könige brutale Herrscher, die Kriege führten und mit ihren Feinden nicht gerade freundlich umgingen.
„Ja, ich bin ein König!“ – sagt Jesus auf die Frage des Pilatus. Und dann sagt er: mein „Königtum“ ist nicht von dieser Welt. – „Mein Königtum“ – wir sollten das nicht geographisch verstehen. Wir sollten es hören wie: meine „Art“ König zu sein, ist nicht nach der „Art“ dieser Welt“.
Die Art dieser Welt ist uns bekannt: Da geht es um „Macht“, um „Herrschaft“. Könige dieser Welt „herrschen“, die anderen haben zu gehorchen.
Das ist die „Art“ dieser Welt.
Von einer ganz anderen „Art“ ist Jesus und sein „Königtum“ - eben nicht „von dieser Welt“.
Seine Macht ist die Liebe, die Menschlichkeit.
Seine Stärke ist Dienstbereitschaft, Hingabe.
In dieser seiner Art richtet er Gebeugte auf,
öffnet er Blinden die Augen, schenkt er Menschen Auswege aus den Sackgassen ihrer Schuld.
In seiner Art heilte er Menschen an Leib und Seele.
Das war seine Macht, seine Herrschaft.
Auf diese Art war er „König“.
Und diesen „König“ stellt uns die Kirche am Ende des Kirchenjahres noch einmal deutlich vor.
Um uns zu erinnern, dass wir in uns auch diese „königliche“ Würde haben.
„Er hat uns zu König/innen gemacht“, dass wir ihm gleich werden: Menschen, nach seiner Art: erfüllt von Liebe, menschlich in unserem Umgang miteinander,
voll Vertrauen und Hoffnung, Gott gegenüber.
„Königliche Menschen“ sind wir. Und als solche auch fähig und begabt in seiner Art - „in der Art Jesu“ – zu leben und zu wirken.
Das neue Kirchenjahr, das wir am nächsten Sonntag, dem 1. Adventsonntag, beginnen, möchte uns wieder mitnehmen auf diesen Weg, auf dem wir diese „Art“ Jesu erkennen können:
Sie wird uns nahe gebracht in den verschiedenen Festen und besonderen Zeiten des Kirchenjahres.
Sie wird uns nahe gebracht bei jedem Gottesdienst,
wo wir uns um unseren „König“ versammeln, von ihm hören – von seinen Worten und Taten – ihn wissen wir in unserer Mitte.
„Ja, ich bin ein König“ – sagt Jesus.
Seine Art König zu sein ist befreiend,
ist heilsam und in allem gut für uns Menschen.
Wenn wir seine Art immer mehr und besser verstehen lernen und uns darin „einüben“, dann werden wir unserer tiefsten Bestimmung gerecht:
„Denn er hat uns zu „Königen“, zu „Königinnen“ gemacht, nach seiner Art.“