"weit denken"
Liebe Pfarrgemeinde!
Heute (morgen) sind Landtags- und Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Oberösterreich. Es ist eine sehr wichtige Wahl, weil es einmal mehr um relevante Zukunftsthemen geht: wie zum Beispiel die Gesundheit der Menschen und damit verbunden das Funktionieren der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens. Es geht auch um eine sinnvolle und machbare Klimapolitik zum Erreichen der Klimaziele in der EU, oder die heiklen Fragen der Asylpolitik, Bekämpfung der Armut mit ihren unterschiedlichen Facetten, oder der Pflege.
All diese Themen bekommen zumindest im Rahmen der Zuständigkeiten des Landes und der Stadt durch die Wahl eine bestimmte Richtung.
Sechs Kirchenleute von Wels haben sehr mutig Anfang September einen Zehnpunkteplan zur Wahl veröffentlicht, in dem im Wesentlichen diese Anliegen genannt wurden und vor allem auf die Schwächsten in der Gesellschaft nicht zu vergessen. Vielleicht haben sie davon in den Tips oder in der Rundschau gelesen. Es geht dabei nicht um eine Wahlempfehlung für eine bestimmte Partei, sondern um wichtige Inhalte, die man als ChristIn bei der Wahl berücksichtigen sollte. Ich halte diese Aktion für mutig und sinnvoll.
Auch in der Katholischen Kirche wird wieder gewählt.
Im kommenden März finden die Pfarrgemeinderatswahlen in ganz Österreich statt. Unsere Leitung des Pfarrgemeinderates hat bereits mit den Vorbereitungen begonnen. Ein Wahlvorstand muss berufen und das Wahlmodell festgelegt werden.
Beim Suchen von Kandidatinnen und Kandidaten wird es vor allem darum gehen, auch über den sogenannten eigenen Tellerrand hinauszuschauen und den Blick in Richtung Pfarrmitglieder zu lenken, die nicht unbedingt als Insider bezeichnet werden können, also Menschen, an die man nicht als erstes denkt, wenn man die Pfarrgemeinderatswahl vorbereitet.
Impliziert ist diese Haltung auch im Slogan der Wahlen, der lautet: mittendrin.
Gemeint ist damit, dass PfarrgemeinderätInnen mitten im Leben stehen. Ihre vielfältigen Lebensbezüge bilden die Pluralität der Gegenwart ab. Wir sind mittendrin in unserem Lebensalltag, in der Gestaltung unseres Glaubenslebens oder in unserem kirchlichen oder zivilgesellschaftlichen Engagement, so heiß es im Handbuch zur Wahl.
Die Diözese Linz hat dieses Grundmotto der PGR Wahl 2022 im Sinne des diözesanen Zukunftsweges ergänzt mit: Pfarrgemeinderat weit denken!
Dieses „weit denken“ führt mich zum heutigen Evangelium, wenn Jesus einen fremden Heiler in seinem Namen gewähren lässt.
Die Jünger sind entrüstet:
Meister, wir haben gesehen,
wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb;
und wir versuchten, ihn daran zu hindern,
weil er uns nicht nachfolgt.
Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht!
Keiner, der in meinem Namen eine Machttat vollbringt,
kann so leicht schlecht von mir reden.
Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
Die Antwort Jesu überrascht, und doch wieder nicht.
Es fällt auf, dass die Jünger Jesus ganz allein für sich beanspruchen wollen. Niemand darf im Namen Jesu heilen, wenn er nicht zu ihnen gehört, war ihre Ansicht. Bemerkenswert ist der Anspruch: …weil er uns nicht nachfolgt, also wir haben die Exklusivrechte auf Jesus und sein Wirken.
Jesus sieht das nicht so, er denkt in dieser Angelegenheit weiter und offener.
Auch wenn er uns nicht unmittelbar nachfolgt, also zu unserer Gruppe gehört, ist das, was er in meinem Namen an Gutem tut, in Ordnung.
Denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns, so seine Zurechtweisung und Klarstellung.
Gutes zu tun im Sinne Jesu, darum sollte es auch uns gehen und das sollten auch wir schätzen bei den Menschen, jenseits von Zugehörigkeiten zu Lagern, Kirchen oder Parteien, wir haben die Wahl. So würde ich den Anspruch Jesu heute verstehen.