Meint er auch uns?
Liebe Schwestern und Brüder!
In kleinen Worten steckt oft ganz viel drin. So im Wort „preisen“, das Jesus am Beginn wie einen Jubel und ein Dankgebet an seinen Vater richtet.
Warum und wofür preist er ihn? Da muss doch etwas Tolles, etwas Außergewöhnliches passiert sein!
Ja, das ist es auch. Die Jünger sind gerade von ihrer Aussendung zurückgekehrt und sind begeistert! Sie haben die Mächte des Bösen bezwungen. Die Kräfte Gottes wurden sichtbar, das Reich Gottes scheint nahe zu sein. Alles wird anders. Und die Jünger freuen sich. Diese Freude will Lukas hier festhalten, darum berichtet er den Jubelruf Jesu.
Erfüllt vom Heiligen Geist preist Jesus seinen Vater, den Herrn des Himmels und der Erde, weil er etwas den Weisen und Klugen verborgen hat, den „Unmündigen“ aber geoffenbart hat.
Hat er da nicht was vertauscht? Die Frage ist hier: Wer sind die Weisen und Klugen? Ganz ehrlich gesagt: Wir wollen doch alle weise und klug sein. Das Denken in unserer Gesellschaft ist ja, die Unmündigkeit zu überwinden. Möglichst klug und weise soll der Mensch werden. Eine gute Ausbildung und ein selbstständiges Leben ist gefordert. Eigenständiges Denken und Entscheiden ist wichtig. Es ist auch eine Gabe des Hl. Geistes, weise und klug zu handeln. Das ist ja gut und richtig so.
Vielleicht meint Jesus hier die „Besserwisser“, die immer meinen genau Bescheid zu wissen. Die sich vor Neuem verschließen, für alles eine Erklärung haben. Ja, sogar andere unterdrücken und ihnen die Freiheit nehmen.
Jesus hat offensichtlich mit den religiös Gebildeten den Schriftgelehrten und Pharisäern, den Mächtigen der Erde, schlechte Erfahrungen gemacht. Sie waren zu sehr von sich selbst überzeugt. Sie vertrauten so sehr auf eigene Erkenntnis, dass sie für das Geheimnis nicht mehr offen waren. Sie erkannten und anerkannten IHN nicht.
Und wer sind die „Unmündigen“?
Für unsere Gesellschaft ein etwas missverständliches Wort. Es wird eher verwendet für Kinder, die erst erwachsen werden und noch unter der Obhut der Eltern stehen.
Es sind nicht nur Menschen, die nicht ernst genommen werden. Menschen, denen man nichts zutraut. Also all jene, die es schwer haben, sich in der Gesellschaft Gehör zu verschaffen.
„Unmündige“ sind keine Dummen, keine Ungebildeten. Auch keine Marktschreier!Einfältig waren sie auch nicht. Aber sie waren gute Zuhörer, die nicht viel sagen, aber sich viel denken. Sie tun das Gute und leben die Nächstenliebe im Kleinen.
Sie sind aber manchmal unglaublich mutig wie der vornehme Josef von Arimathäa, der den Leichnam Jesu erbat und bestatten ließ. Oder wie Spohie Scholl, die ihr junges Leben opferte, um die Gräueltaten der Nazis mit Flugzetteln anzuprangern.
Sie hören auf ihr Herz, in dem Gott sie anspricht.
Sie haben die Botschaft verstanden.
Wie ein Arzt aus dem Kongo:
„Als Spezialist für Infektionskrankheiten war ich aufgrund schlechter Gesundheitseinrichtungen, mangelnder Hygiene und lächerlicher Gehälter versucht, wie viele meiner Kollegen auszuwandern. Nach langen Gesprächen mit meiner Frau beschlossen wir, dass ich als Christ ganz bewusst meinen Dienst in unserem Land fortsetze. Mit der Unterstützung von Freunden im Ausland war es möglich, eine Ambulanz mit einem Labor zu bauen und einzurichten. Auch für die Ärmsten konnten wir Medikamente beschaffen. Außerdem haben wir versucht, die Basisernährung zu verbessern und konnten sogar psychosoziale Unterstützung für die Kranken und ihre Familien gewährleisten.“
Es zeigt sich in unseren Tagen immer mehr, was Jesus im Evangelium sagt.
Der Herr freut sich auch heute über die wenigen, die IHM zuhören und dementsprechend handeln.
Ein hörendes Herz brauchen wir!
Die Frage bleibt: Jubelt Jesus manchmal auch über uns?
Geben wir ihm Anlass dazu!
Ich wünsche Ihnen und mir immer wieder diesen Mut und die Kraft, das Gute zu tun und die Nächstenliebe im Kleinen zu leben.
Komm Hl. Geist!
Amen.